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1 (1888) [Hauptbd.]
Entstehung
Seite
273
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Das Vorrücken Geleen's nach der Weser hatte bei den Herzögen Georg undFriedrich Ulrich die Vermuthung erweckt, der Streich könnte auch gegen Göttingen ge-richtet sein. Friedrich Ulrich gab demgemäss seinem General-Major von Uslar denBefehl, Göttingen und Münden mit nothdürftiger Garnison zu versehen, worauf dieserwiederum in einem aus dem Lager vor Hildesheim d. d. 6. April 1634 an den Rathzu Göttingen gerichteten Schreiben auf den Fall des feindlichen Anzuges den Oberst-lieutenant Alexander Osterwick *) zum Gommandanten ernannte und zugleich um sozuversichtlicher verheisst, den ihm untergebenen Heerestheil für die Rettung der Stadtzu verwenden, als er seine lieben Kinder in der Mitte der Bürgerschaft wisse. Dergefürchtete Angriff erfolgte indess nicht, und Göttingen fühlte sich erleichtert, Dank denAnordnungen Uslar's, welche der Billigkeit entsprachen und von dem Commandantengewissenhaft beobachtet wurden. 2 )

Die Nachrichten von den Greueln in Höxter und anderen Orten erhöhten dieBesorgniss vor einem nahenden Entsätze Hildesheims. Von Tag zu Tag steigerte sichim Lager die Widerspenstigkeit einzelner Truppentheile in dem Maasse, dass U. der Be-fürchtung Ausdruck gab,sie möchten einstmals aufpacken und gar davon ziehen."(38. April.) Wohl begründet war die Beschwerde, welche das Knyphausen'sche Regi-ment führte; noch nie sei es so schlecht verpflegt gewesen, obwohl viele Officiere undKnechte dabei seien, die der Krone Schweden 10, 13, ja mehr Jahre gedient. Schonliege es vier Monate vor Hildesheim und habe nichts als Brot, die Woche 6 Fass Bierund 36 Thlr. für 6 Stück Rinder und für die Officiere etwas Fourage aus Bodenburgund Lamspringe gehabt, in den vier Monaten an Geld zweimal 340 Thlr. erhalten.Das Versprechen Herzog Friedrich Ulrich's werde nicht gehalten. Der Commandern*müsse das geringere Uebel wählen und, so ungern es der Reputation wegen geschehe,zur Conservirung des Regiments vor Eroberung der Stadt abziehen.

Trotz all dieser Hemmnisse hoffte man im Lager täglich auf die Uebergabe; anden Reichskanzler Oxenstierna, der auf eine Blockade mit geringen Truppen drang, be-richtet Uslar am 30. April,noch opiniatrire die obstinate Geistlichkeit; schon nähreman sich in der Stadt seit 5 Wochen von Pferden, Eseln und Katzen, ein Pfund Pferde-fleisch koste 3 Mariengroschen. Täglich nehme er dem Feinde nach Möglichkeit weg,und es sei jetzt im Werke, die Mühlen lahm zu legen und das Dammthor zu versperren;dann sei auch das Mahlen aus und die Waaren würden im Preise steigen."

Am 10. Mai wird dem Herzog der Stillstand der Mühlen und die Sperrung vonHut und Weide gemeldet Schon beschäftigt man sich mit der Frage der Quartiereder siegreichen Truppen, um der Disordre und Confusion vorzubeugen und das gewalt-same Eindringen plündernder Kotten zu verhüten. Vor dem Oster- und Almersthoregelang es, dem Feinde 150 Pferde abzujagen- und 60 Fourageure niederzuhauen, 30 ge-fangen zu nehmen. (15. Mai.) Täglich trieb der Hunger Bürger zum Ueberlaufen.

Dem gegenüber hegte man bei der Regierung in Braunschweig tiefes Misstrauengegen die Kriegführung vor Hildesheim sowohl, wie gegen die daher kommenden Nach-richten über den Zustand in der Stadt. Ein Bürger hatte ausgesagt, der Commandanthabe den Bürgern noch kein Korn abgenommen; ein anderer, man entweiche nicht ausMangel an Nahrung, sondern um sich der schweren Arbeit zu entziehen, welche dieGarnison fordere. Nach Wolfenbüttel habe der Commandant gemeldet, er sei nochauf 14 Wochen verproviantirt. Mit vielen Mühen und Kosten habe man Landwehren(Aus- und Nachschuss) und nun fremde Truppen vor Hildesheim geschafft, Alles zu demEnde, damit man den Feind drinnen mit Ernst angreife, Zeit gewinne und die Wolfen-bütteische Blockade um so viel eher zur Hand nehmen möchte. Wäre es auf einAushungern abgesehen gewesen, so hätte man viel Blutvergiessen und wenigstens für35 000 Thlr. Munition sparen können, (an Uslar 30. Mai.) So lange, schreibt der Herzogeinmal an den General (7. Juni), sei er mit Hoffnungen auf die Uebergabe vertröstetworden, dass er keinen Glauben oder Rechnung darauf mehr habe. 3 )

Indem die Opposition der Mannschaften unter der Einwirkung der Kälte und desHungers sich zuweilen bis zum offenen Aufruhr steigerte und die Officiere nöthigte, mitder Waffe gegen ihre eigenen Soldaten einzuschreiten, eröffnete sich eine neue Hülfe,

') Muss Alexander Ostringer (Thilo Albrecht's Schwager) heissen, der noch 1035 Stadtcommandantin Hildesheim war. ([Lüntzel], Beiträge zur hildesh. Gesch., III, S. 159.) 2 ) Archiv des hist. V. fürNieders., 184S, S. 165, 168. 3 ) Unterhaltungsblatt cit., Nr. 80.

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