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in Peine stehen zu bleiben und seine weiteren Ordres zu erwarten. In dieser Verlegen-ehit eilte King in Person nach Georgs Hauptquartier, woselbst er die Ueberzeugunggewann, dass es das Gerathenste sei, den Befehlen Georg's Folge zu leisten. ') Währendso die schwedischen und weimarischen Truppen in der von vielen Bürgern verlassenenStadt und im Amte Peine rasteten, marschirten die letzteren auf eine Ordre des HerzogsWilhelm von Weimar unter dem Oberst Brossard nach dem Eichsfelde ab; vergeblichverhandelte man Tage lang mit ihm und suchte ihn zu bewegen, wenigstens durcheinen kurzen Aufmarsch im Lager vor Hildesheim einen Druck auf den Feind aus-zuüben. In scharfem Tone protestirte Friedrich Ulrich bei Oxenstierna (23. März) überdieses Verfahren, nachdem die Quartiere um Peine so ruinirt seien, dass „weder Stumpfnoch Stiel übrig sei". Den Unterthanen sei von Freund und Feind fast nichts als dasblosse Leben gelassen. Er verlangt, als ein deutscher freier und alliirter Fürst behandeltzu werden. Gleichzeitig forderte Baner sein Leibregiment im Hinblick auf die schlechtenQuartiere ab, doch gelang es endlich am 1. April, die schwedischen und weimarschenTruppen der Belagerungsarmee zuzuführen.
Hier hatte man am 22. März einen Kriegsrath abgehalten und die Fragen er-wogen, ob dem Feinde ein Accord anzubieten oder dessen Verlangen abzuwarten sei,ob man mit Trockenlegung der Gräben bis zur Fertigstellung der Batterie vor demBraunschweiger Thore und anderer Arbeiten warten solle, endlich, ob man zum Sturmeschreiten oder durch Minirungswerke allmählich dem Walle sich nähern solle. Für denSturm sogleich nach Eintreffen des Succurses sprach sich Oberst Herberstein 2 ) aus,die meisten Sti mm en waren für eine Aufforderung zur Uebergabe. Ein Beschluss wurdenicht gefasst; jetzt und später glaubte Uslar, nicht ohne Befehl von Herzog Georg denAngriff auf die Stadt unternehmen zu dürfen. Durch Schildwachen und Bürger hatteman Nachricht, dass es der Reiterei in der Stadt an Futter mangele und auch dortVerweigerung des Dienstes vorgekommen sei. In sicherer Erwartung der Hülfe liess U.das Wasser aus den Gräben ablaufen. Doch auf die Nachricht vom Abmarsch derWeimarschen gewannen die Belagerten neuen Muth.
Nach dem Eintreffen der Hülfe wurde es möglich, durch ein Lager am Moritz-berge die Stadt auch von dieser Seite einzuschliessen; die Dislocation der Truppenführte zu heftigen Erörterungen mit den einzelnen Führern, welche die Lockerung allerBande der Disciplin aufs Neue an den Tag legten. „Die Last wird mir so schwer,"berichtete U. dem Herzog (27. März), „dass ich auch meinen Verstand dabei verlierenmuss, wenn es nicht gebessert werden sollte." Sogleich nach Veränderung der Lage,noch am 1. April, wurde der Gommandant in Hildesheim, Baron de Suys de Grysort,aufs Neue zur Uebergabe der Stadt aufgefordert. Er lehnte es ab, da er mit Ver-theidigungsmitteln und Unterhalt genügend versehen sei und Ordre habe, den Platz zuhalten, doch bat er um Durchlassung eines Officiers, der bei dem Feldmarschallvon Geleen in Minden Auskunft über den zu gewärtigenden Succurs hole. Schon zweiTage später hatten die weimarschen Truppen einen feindlichen Ausfall zurückgewiesen. 3 )Zu einer energischen Action konnte es nicht kommen, da Oberst King am 3. April aufBefehl des Herzogs Georg mit einem Theile der schwedischen Reiterei zur Beobachtungder Weser in der Richtung auf Holzminden abrücken musste.
Als gleich nachher die Meldung eintraf, dass die Kaiserlichen Höxter eingeschlossenund Streifparteien über die Weser gesandt hätten, sandte der um Hannover concen-trirte Herzog Georg sein Leib-Reuter-Regiment zur Verstärkung King's ab. Es warensechs kaiserliche Regimenter unter Geleen, welche zum Entsätze Hildesheims die Weserbereits passirt hatten. Drei von diesen Regimentern waren bis Bevern vorgerückt.G etäuscht über deren Stärke griff King diese dennoch mit dem Leib - Reuter - Regimenteund dem wolfenbüttelschen Regimente unter dem Oberstlieutenant Anton Meier ent-schlossen an, schlug sie und trieb sogar auch die übrigen drei feindlichen Regimenter,welche zur Unterstützung herbei eilten, über die Weser zurück. Daneben machte erzahlreiche Gefangene und reiche Beute, darunter sechs Standarten. Aus Rache zerstörteder fliehende Feind die Stadt Höxter (5. April) und die Weserbrücke, tödtete undplünderte viele Einwohner und beging die empörendsten Grausamkeiten. 4 )
*) v. d. Decken, 1. c., II, S. 216. — 2 ) Commandirender des schwedischen Corps vor Hildesheim.(Daselbst, II, S. 215.) — 3 ) Unterhaltungsblatt cit. Nr. 80. — 4) v. d. Decken, 1. c., II, S. 218; Görges,vaterl. Gesch. u. Denkw., 1. Aufl., I, S. 352; v. Rommel, Gesch. v. Hessen, IV, S. 307; Kampschulte,Chronik d. Stadt Höxter, S. 131.