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Uslar seinerseits bat (3. März) den Herzog um Bestellung eines neuen Goraman-deurs an Stelle des Feldmarschalls Knvphausen, welcher sich einige Wochen lang imLager oder in Alfeld aufgehalten und bald (28. Februar) wieder abgereist war, weil ei-sernen Abschied genommen hatte; er (Uslar) sei nicht im Stande, solche indisciplinirteVölker zu commandiren. Es kam hinzu, dass Herzog Georg (7. März) die 300 Reiterdes Obersten Merode und die Königsmark'schen Dragoner zur Zerstreuung des Feindesjenseits der Weser abberief.
Endlich leuchtete ein Strahl der Hoffnung. Am 10. März benachrichtigte Herzog-Friedrich Ulrich den Commandeur vor Hildesheim (Uslar), nach Anordnung Baner'srückten 1400 Mann zu Fuss und 1200 zu Ross ') von der Altmark heran. Es galt,alles Misstrauen zu beseitigen, welches im schwedischen Hauptquartier gegen die Be-lagerung herrschte. Man fürchtete dort, dass auch diese Truppen im Lager ruinirtwürden. Deshalb schärfte der Herzog Uslar wie den Kriegsräthen die Herstellung derDisciplin aufs Ernsteste ein (10. März), „damit solchen grossen, ungeheuren und vomFeinde fast niemals erhörten Excessen gewehret und dem armen, ausgesogenen Land-manne Sicherheit geschafft werde." Aus seiner Residenz Braunschweig schreibt er,täglich fänden sich die armen Unterthanen haufenweise bei ihm ein und bäten um Re-medirung und Moderation der täglich überhandnehmenden übergrossen ; unerträglichenBeschwerungen. „Wir wollen geschweigen," fährt er fort, „der so schweren Verant-wortung, Winseln und Wehklagen unserer ausgemergelten Unterthanen, damit diejenigenihr Gewissen und Seele beschweren, so solchem Jammer und Unheil vorzubauen schuldigsein." Zur Abhülfe dieser Missstände wird die Anwendung der strengsten Strafen an-befohlen. Den Anmarsch der Hülfsvölker zu beschleunigen, liess der Herzog durchLudwig Ziegenmeyer in Magdeburg mit dem Reichskanzler verhandeln und feuerte denBefehlshaber Oberst King durch wiederholte Schreiben zur Eile an Es waren 900 Mannzu Fuss, an Cavallerie das Leibregiment Herzog Wilhelms von Sachsen-Weimar undKing's Regiment zu je etwa 600 Pferden, 500 Dragoner und 12 Geschütze mit etwa 200 MannBegleitung. Doch dauerte es lange, bis die Truppen die Elbe passirten und dem Kriegs-schauplatze sich näherten. 2 )
Inzwischen nahm die Beschiessung Hildesheims ihren Fortgang; von heftigenKämpfen erfahren wir wenig. Am 9. März Nachmittags 3 Uhr kam es vor, dass derFeind vom Walle um Einhalt des Feuers bat; dann traten Einzelne zum Gespräch mitden Wolfenbütteischen hervor und fragten, was es für eine Bewandtniss mit dem vonWallenstein umlaufenden Gerüchte — er war am 25. Februar ermordet — habe, ober wirklich entleibt sei, und baten um Mittheilung der Zeitung, die ihnen auch zugestelltwurde. Dann äusserten sie wohl, wenn man ihnen günstige Bedingungen gewähre,seien sie nicht abgeneigt, die Stadt zu räumen. Zuweilen wiederholten sich solchefreundschaftliche Gespräche der feindlichen Soldaten, doch legte man den Friedens-wünschen noch wenig Gewicht bei. Vielmehr waren die Berichte des Generals v. U.erfüllt von Klagen über die Schwierigkeit der Situation und den Mangel an Gehorsamund Thätigkeit bei den Mannschaften, während der Feind bei Tag und Nacht arbeite(12. März). Er habe keinen Menschen bei sich, dem er seine Gedanken eröffnen unddessen guten Rath er einholen könne. Er wünscht seiner Bürde entledigt zu werden.Täglich habe er mit wenig Völkern einen mächtigen Feind angegriffen, Tag und Nachtsich in steter Bereitschaft gehalten, darüber seien seine Truppen so schwierig geworden,dass er die grösste Mühe gehabt habe, sie zu befriedigen. Mangel an Mannschaften undandauernd schlechtes Wetter hätten ihn genöthigt, oft wochenlang die Belagerungs-arbeiten zu sistiren. (20. März.) Die einzige Hoffnung setzte man auf die nahe Hülfeder Schweden. Auf deren Marsche aber stellten sich bereits die Schwierigkeiten derVerpflegung und der Quartiere ein. Umsonst sträubte sich der Commissair des Herzogsgegen das Verlangen des Obersten King, das Leib-Regiment zu Ross in die fast ruinirteStadt Peine zu legen. „Denn kommen die Reuter erst in die Stadt, wird man ihrerin etlichen Wochen nicht wieder los." 3 )
In Peine erhielt King die Ordre des General - Majors von Uslar, sich sofort mitihm vor Hildesheim zu vereinigen, und zugleich von dem Herzoge Georg den Befehl,
1) So nach dem Unterhaltungsblatte cit.; v. d. Decken, 1. c., II, S. 215, hat umgekehrt — und
nach der später folgenden Specification wohl richtiger — 1400 Mann Cavallerie und 1200 Mann In-
fanterie. — 2 ) Unterhaltungsblatt cit. Nr. 79; v. d. Decken, 1. c., II, S. 215. — 3 ) Doebner, das cit. Unter-haltungsblatt, Nr. 80.