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1 (1888) [Hauptbd.]
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hinter dem Goslarschen Thore zum Einsturz zu bringen, und richtete dann die Geschützeauf Thore und Wälle. Nach Eintreffen des von General Baner zugesicherten Regimentszu Pferde gedachte man auf der anderen Seite der Stadt ein zweites Lager zu errichten,und hoffte, die Garnison bald zur Uebergabe zu zwingen. Schon unter dem 30. Octobererliess Herzog Friedrich Ulrich eine Instruction für den Befehlshaber und die Kriegsräthevor Hildesheim für diesen Fall, deren Bestimmungen am 22. Januar des folgenden Jahres(1634) lediglich bestätigt wurden. Mit der Garnison, heisst es, soll der ganze Klerus dieStadt verlassen, höchstens solle einzelnen Geistlichen gestattet werden zu bleiben, keines-wegs aber den Stiftern,wodurch uns die Früchte der Victoriae gar zu Wasser werdenkönnten." Die Geistlichkeit solle 5060000 Thlr. zur Armatur bezahlen. Alle Archiveder Klöster sollen in der Stadt verbleiben.

Von dem Stande der Dinge im November und December erfahren wir wenig,weil vermuthlich die Jahreszeit auf beiden Seiten die Action lähmte. Am 15. Novemberwurde zur Erstürmung eines Ravelins ein Versuch gemacht, der jedoch misslang. M Am29. November waren die Approchen auf der Seite nach Steuerwald bis zur Contre-escarpe vorgerückt, und man ging daran, den 100 Fuss breiten und 4 Fuss tiefenFestungsgraben auszufüllen, allein den Belagerten gelang es immer, durch Ausfälle dasGewonnene wieder zu zerstören. Dazu machte der ausbleibende Sold die Soldaten miss-muthig, zahlreiche Desertionen fanden statt, und als in Folge eines am 10. Decemberunternommenen glücklichen Ausfalls der Belagerten es diesen gelang, sich des wolfen-büttelschen Lagers bei Steuerwald zu bemächtigen, es anzuzünden und viele Gefangenezu machen, 2 ) wurde Uslar's Lage sehr misslich. In dieser Noth sandte der HerzogGeorg auf die dringende Bitte Friedrich Ulrich's einige unter clem Feldmarschall von Knyp-hausen stehende schwedische Regimenter nach Hildesheim, und dieser selbst übernahmbereitwillig den Oberbefehl über die Belagerungstruppen. Demungeachtet nahm dieBelagerung keinen rechten Fortgang, weil es an Einheit des Willens und Energie derAusführung fehlte. Zu Anfang des neuen Jahres (1634) zogen die schwedischen Regi-menter in Folge einer Ordre Herzog Georgs thatsächlich aus dem Lager wieder ab, umdie ihnen angewiesenen Winterquartiere zu beziehen, und es bedurfte schriftlicher undmündlicher Verhandlungen, um sie in ihre Stellung zurückzuführen. Das Hauptaugenmerkder Belagerer richtete sich um diese Zeit auf ein Aussenwerk (Hornwerk), welches durcheine Mine in die Luft gesprengt wurde, nachdem kurz zuvor, am 7. Februar (1634),die dominirenden Thürme am Goslarschen Thore eingeschossen waren. :j ) Gleichzeitighatte man wiederholte Ausfälle der Besatzung aus dem Dammthore und nach Steuer-wald abzuweisen. Eine Aufforderung zur Uebergabe hatte der Commandant zu AnfangJanuar abgelehnt, und ein Schreiben der Bürgerschaft übersandt, in welchem sie sichzum äussersten Widerstande für die Sache ihres Landesherrn entschlossen bekannte.

Es lag auf der Hand, dass nur von einer Verstärkung der Belagerungstruppenein Erfolg zu erwarten stand. Nach allen Seiten richtete denn auch der Herzog seineBitten um Zuzug, zumal als im Februar die Gefahr eines Entsatzes der Kaiserlichengreifbare Gestalt annahm. Man hatte gewisse Nachrichten, dass der Feind in Westfalensich verstärke, und fürchtete eine Verbindung mit den Besatzungen von Wolfenbüttelund Neustadt. Es galt, die niedersächsische Kreisarmee etwa bei Stadthagen zu sammelnund dem Feinde den Uebergang über die Weser abzuschneiden. Bestimmt rechneteder Herzog auf den Anmarsch von 1500 Mann, welche Oxenstierna zugesagt hatte.Nach wie vor erwuchsen aus der Verpflegungsfrage die grössten Schwierigkeiten. Rath-los berichten die Kriegsräthe, sie hätten für Löhnung der Arbeiter 50 Thlr. borgenmüssen. Die fremden Offlciere hätten sie ein wenig gestillet, den ihrigen mangele esan Allem. Das Magazin in Hannover war leer; als Abschlagszahlung der Contributionverwilligte der Rath daselbst 100 Tonnen Broihan; das Transportwesen lag darniederunter der Saumseligkeit der Beamten und Bauern. Und dabei die drohende Gefahr vonWesten; dringend bittet der Herzog Baner um Anmarsch der zugesagten Truppen (1. und7. März), sonst müsse man mit Schimpf und Schande von Hildesheim abziehen, demOrte,an dessen Occupirung," schreibt er,wir unseres ganzen Landes Vermögen ge-stecket." 4 )

') Chemnitz, vom teutschen Kriege, II, S. 211, 270, 358360, 402, 48748S. 2 ) v. d. Decken,1. c., II, S. 201. 3 ) Unterhaltungsblatt cit. Nr. 79; v. Rothenburg, Wörterbuch aller in Deutschland u. s.w.vorgefallenen Schlachten etc., 3. Aufl., Heft 7, S. 423. 4) Unterhaltungsblatt cit. Nr. 79.