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1 (1888) [Hauptbd.]
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durch die Drangsale des Krieges so heruntergekommen, dass derselbe keine Pferdemehr besitze."

Georg erliess gleich nach Empfang dieses Schreibens unterm 21. August an denGeneral-Major von Uslar (dem er die von Gelle erhaltene Nachricht mittheilte) denbestimmten Befehl, die Belagerung von Hildesheim aufzuheben und die von der Weservorgerückten feindlichen Truppen nach Nienburg zurückzutreiben.

U. brach nach Empfang dieser Ordre von Hildesheim nach Hannover auf. Alser in der Nähe von Calenberg ankam, erfuhr er, dass eine feindliche Streifpartei sichzwar vor den Thoren von Hannover gezeigt habe, aber bald darauf zurückgegangen sei.Anstatt, wie der Herzog Georg ihm befohlen hatte, den Feind zu verfolgen und Nien-burg zu blockiren, blieb U. bei Calenberg stehen und schrieb an den Herzog FriedrichUlrich um Verhaltungs-Befehle. Diese erhielt er des Inhalts:er solle von Niemandemals von ihm, seinem Landesherrn, Befehle annehmen und noch weniger befolgen, über-haupt aber mit seinem Corps nicht über die Grenze des wolfenbüttelschen Landesmarschiren. Für jetzt habe er die Belagerung des Schlosses Calenberg vorzunehmen."

Die Festungswerke dieses Schlosses hatte Pappenheim im Jahre zuvor theilweisesprengen lassen, und obgleich sie nicht wiederhergestellt waren, vertheidigten die Kaiser-lichen sie doch 8 Tage lang, worauf am 4. September die Einnahme erfolgte. 600 MalterKorn und Mehl, 3 metallene Kanonen, 6 Centner Pulver, Munition etc. und eine AnzahlRindvieh fiel in die Hände der Sieger. ') Friedrich Ulrich wohnte in Veranlassung derbisher so glücklich geführten Operationen seines Generals von Uslar dieser Belagerungvom 1. bis 4. September in Person bei. 2 )

Auf Friedrich Ulrichs Anordnung kehrte U. sofort zur Fortsetzung der Belagerungnach Hildesheim zurück. Er wandte sich an den Herzog Georg mit der dringendenBitte, ihm, wenn auch nur mit 500 bis 600 Mann, dabei zu Hülfe zu kommen, Avurdeaber mit dem Bescheide abgewiesen, dass der Pierzog auch nicht einen Mann entbehrenkönne. U. musste diese Antwort um so auffallender sein, als Georg in dieser Zeit einganzes Infanterie - Regiment zur Besetzung einer Provinz 3 ) detachirt hatte, die nichtvom Feinde bedroht rvar. Die Bitterkeit, mit welcher die Antwort des Herzogs vom16. October an U. abgefasst ist, 4 ) zeigt deutlich, wie sehr er sich durch das VerfahrenFriedrich Ulrich's beleidigt fühlte. Auch der Reichskanzler Oxenstierna gab unterm7. September dem Herzog Friedrich Ulrich auf dessen rviederholte Gesuche um Plülfeden wenig tröstlichen Bescheid, dass er sich den unteren Quartieren nähern wolle, Avenner der kaiserlichen Armee in Schwaben Herr geworden sei. 5 )

Von dem inneren Zustande im Lager vor Hildesheim lauteten von Anfang an dieNachrichten wenig erfreulich. Schon klagen die Befehlshaber über die Lässigkeit derBeamten, die Widerspenstigkeit der Unterthanen, die Schwierigkeit der Soldateska. G )Die Bauern laufen unverwehrt von der Arbeit hinweg, die Werke schreiten langsamvorwärts. Von den freiwilligen Geldmitteln der geflüchteten Bürger hatte man sich mehrversprochen, als sie leisten konnten; zahlreiche Flüchtlinge, darunter der BürgermeisterJoachim Oppermann und der Syndicus, hielten sich in Hannover auf und wurden zuGeldsteuern herangezogen.

Im Laufe des September (1633) rückte man mit den Laufgräben näher an dieStadt heran, welche zunächst nur von der Ost- und Nordseite belagert Avurde. Am24. September vor Tagesanbruch nach Fertigstellung der Batterien legten Granaten undFeuerkugeln mehrere Häuser in Asche, ein Ausfall der Besatzung aus dem Osterthorewurde zurückgeAviesen; vergeblich suchte man in den folgenden Tagen die Thürme

') Theatr. Europ., III, S. 122. 2 ) Zeitschr. des hist. V. f. Nieders., 1873, S. 269; Zeiler, Topo-

graphie von Deutschland, S. 65; Annalen der braunschw. lüneb. Churlande, 6. Jahrg., 3. Stück, S. 495;

Mithoff, 1. c., I, S. 20, Note. 3) Die Grafschaften Hoya und Diepholz, in welchen das Leib-Infanterie-

Regiment cantonnirte. (v. Sichart, 1. c., I, S. 102.) 4) v. d. Decken, I.e., II, S. 197; Beilage Nr. 125.

5 ) Daselbst, II, Beilage Nr. 124. Der General-Major Kagge war auf Befehl Oxenstierna's nach dem Siege

bei Hessisch - Oldendorf mit 3 Regimentern zu Pferde und 23 Fussconipagnien nach Schwaben marschirt.Eine darauf bezügliche Truppenliste vom 4. October 1633 giebt die Stärke von Herzog Friedrich Ulrich'sCavallerie unter Gommando des General - Major Usslers zu 1000 Pferden, die Infanterie des Herzogs zu2000 Mann an. (Droysen, Bernhard von Weimar, I, S. 280.) 6 ) Die folgende Belagerung im Wesent-lichen nach den Akten der Belagerer im Staatsarchive zu Hannover. Siehe: Doebner im Unterhaltungs-blatt Nr. 79 der Beilage zur Hildesh. Allgemeinen Zeitung u. Anzeigen vom 5. April 1883. Die Zuständein der Stadt Avährend der Belagerung schildert ausführlich: Kayser,Aus vergangenen Tagen der Hildes-heimer Neustadt" (Hildesheim, 1885), S. 57 u. f.