In Folge wiederholter Aufforderung seitens des Herzogs Georg traf schon amzweiten Tage nach der Capitulation Peines der General - Major von Uslar wieder inHameln ein, um von dem Herzoge die Erlaubniss zur Belagerung der am 29. September1632 nach viertägiger muthiger Vertheidigung der Bürgerschaft durch Capitulation inden Besitz Pappenheim's gelangten Festung Plildesheim einzuholen. ') Der Herzog hattesich in mehreren, zwischen ihm und dem General - Major stattgefundenen schriftlichenVerhandlungen gegen diese Unternehmung erklärt, die er in Rücksicht auf den schwachenBestand des wolfenbüttelschen Corps und bei dem Mangel an hinlänglichen Belagerungs-mitteln höchst bedenklich fand. Nach seiner Meinung sei es zweckmässiger, „dass sichdie gesammten Truppen vereinigten, um sich der für die Kriegsoperationen weitwichtigeren festen Plätze an der Weser zu bemächtigen, zugleich auch einem vomRheine her zu erwartenden Einfall begegnen zu können. Könne U. Hildesheim durcheinen coup de rnain nehmen, so sei der Versuch zu wagen. Auf jeden Fall wolle er,der Herzog, die Verantwortlichkeit einer so weit gehenden Operation, als die Belagerungvon Hildesheim sei, nicht allein auf sich nehmen, indessen möge U. auch die MeinungKnyphausen's einziehen."
Uslar schrieb sofort aus Hameln an Knyphausen, der zur Besetzung des nörd-lichen Theils von Westfalen mit einem starken Corps in Osnabrück stand. Dieserantwortete am 11. August 1633: „er habe soeben auf Befehl des Reichskanzlers Oxen-stierna 2000 Cavalleristen und 500 Infanteristen zur Hülfe der Generalstaaten abgehenlassen. Wenn U. dennoch auf der Belagerung von Hildesheim bestände, so würde er selbsteinsehen, dass er von der Armee des Herzogs Georg keine Hülfe zu erwarten habe."
Am 12. August ertheilte Herzog Georg dem General - Major von Uslar den schrift-lichen Befehl, von dem Projecte der Belagerung von Hildesheim abzustehen und sichmit seinem Corps der Blockade von Minden und Nienburg zu unterziehen. U. liess sichdurch diese Ordre von seinem einmal gefassten Vorsatze nicht abbringen; er schlossHildesheim ein. 2 )
Am 16. August schrieb Georg an den Herzog von Celle: „der General - Majorvon Uslar habe wider seinen Willen die Belagerung von Hildesheim angefangen, wozuihm die Mittel fehlten. Er, Georg, habe auf Oxenstierna's Befehl so viele Truppen ent-senden müssen, dass er nicht nur nichts unternehmen, sondern auch die Besatzungenvon Minden und Nienburg nicht im Zaune halten könne. Er halte für räthlich, dassder Herzog die lüneburgische Ritterschaft aufböte, um sein Land gegen Streifparteienzu decken. Er, für seine Person, sei jetzt mit Belagerung des Schlosses zu Pyrmontbeschäftigt, eine Unternehmung, mit der er bald fertig zu werden hoffe." 3 )
Der General-Major v. U. hatte kaum die am 10. August 1633 begonnene Ein-schliessung von Hildesheim vollendet, 4 ) als die ihm von dem Feinde zukommenden Nach-richten ihn veranlassten, dass er am 18. August kurz hinter einander zwei Schreibenabgehen liess, in welchen er dringend um Hülfe bat. Seine erhaltenen Nachrichtenbesagten nämlich, dass Wallenstein den General Holk auf Erfurt geschickt habe, der inNiedersachsen einzufallen beabsichtige, ungleichen, dass Detachements der Besatzungenvon Minden und Nienburg seinen Rücken bedrohten.
Beide Schreiben erhielt Georg zu Lügde, wohin er während der Belagerung desSchlosses von Pyrmont sein Hauptquartier verlegt hatte. In seiner Antwort vom21. August verwies er Uslar sein Vorgeben, als sei seine Unternehmung auf Plildesheimmit seiner und Knyphausen's Genehmigung geschehen. Er behauptet, ihm keine Hülfesenden zu können, und stellt ihm nochmals die Notwendigkeit vor, die Belagerung vonHildesheim bis dahin, dass man sich der festen Plätze an der Weser bemächtigt hätte,auszusetzen; alsdann würde diese Stadt, wenn mit gemeinschaftlichen Kräften angegriffen,um so leichter zu erobern sein. 5 )
Am folgenden Tage traf ein Schreiben des Herzogs von Celle an Georg ein,enthaltend die Anzeige, „dass ein aus den Garnisonen von Minden und Nienburg zu-sammen gezogenes Corps im Anmärsche sei. Der Vorschlag des Herzogs, die lüne-burgische Ritterschaft aufzubieten, sei unausführbar, der grösste Theil des Adels sei
') v. d. Decken, 1. c., II, S. 192 u. ff. — 2 ) Wachsmuth, Gesch. von Hochstift u. Stadt Hildes-heim, S. 184 u. ff.; Mithoff, i. c., III, S. 97, 224. — 3 ) Schloss und Grafschaft Pyrmont, seit 1G29 inpaderbornischem Besitz, nahm Herzog Georg schon im September 1633 und restituirte es an Waldeck.(Curtze, Beiträge zur Gesch. der Fürstenth. Waldeck u. Pyrmont, I, S. 70, 013.) — 4) Hildesh. Chronik.Mscpt. in der Biblioth. des hist. Vereins f. Nieders. zu Hannover. — 5) v. d. Decken, 1. c., II, S. 193, 344.