— 266 —
an der Brücke aufmarschiren zu lassen. In diesem Augenblicke überbrachte ihm einCourier die Gegenordre des Herzogs, sich, da der Feind auf dem Rückzüge begriffen,der verlassenen Positionen und Werke wiederum zu bemächtigen. Kaum hatte U. andas schwedische Fussvolk und seine braunschweigische Brigade die nöthigen Befehleertheilt, als auch schon ein braunschweig - lüneburgisches Infanterie - Regiment eintraf,das der Herzog aus seiner Schlachtordnung hatte abgehen lassen. Dasselbe ging sofortallen Ernstes daran, die Stellungen an der Nord- und Nordostseite wieder einzunehmen,was aber nicht recht gelingen wollte, vielmehr wurden seine Angriffe zu mehrerenMalen von der Besatzung abgeschlagen. Trotz einer ins Einzelne gehenden Disposition,die der Herzog an Uslar übersandt hatte, schickte derselbe, indem er das Vergeblichejener Angriffe auf dieser Seite von vornherein erkannt haben mochte, nur die schwedischeSchwadron und seine eigene schwache Infanterie - Abtheilung nach dem linken Ufer ab,während er mit seiner Reiterei vor der Schiffbrücke halten blieb. Die von ihm ab-gesandte Infanterie hatte mehr Glück als die Lüneburger: im Bunde mit der Mützephal-schen Infanterie drangen sie im Sturmschritt vor und bemächtigten sich des verlassenenbraunschweigischen Lagers wieder, das bereits in Brand gesteckt worden war; dasFeuer wurde sofort gelöscht, die beiden Schanzen auch wieder von den Kaiserlichengeräumt.
Als unter diesen Vorgängen der 28. Juni zu dämmern begann, kam wiederumein Bote von dem Herzoge mit der Meldung, dass der Feind sich doch bei Hessisch-Oldendorf zeige, worauf Uslar, ohne sich weiter um die beiden, zur Deckung der grossenSchanze zurückbleibenden Compagnien vom Regimente Mützephal zu kümmern, mitseiner Cavallerie nach Oldendorf abtrabte und in dem Centrum der Schlachtstellung,links des Dorfes Barksen, seinen Platz erhielt. In der sich nun entwickelnden Schlachtwird gleich anfangs bei dem heftigen Kampfe um das Plateau östlich von dem DorfeSegelhorst des wuchtigen und erfolgreichen Eingreifens der Uslar'schen Cavallerie, sowiedessen später wiederholten und gelungenen Angriffe gegen den feindlichen linken Flügelgedacht. Dem General v. U. wurde in der Schlacht ein Pferd unter dem Leibe er-schossen. 2 )
Die Niederlage der kaiserlichen Generale Merode und Bönninghausen war einevollständige. Die Ueberreste ihrer Truppen flohen nach dem Dorfe Welsede 3 ) zu, woder im Lager stehende Gronsfeld, ohne zum Angriff zu gelangen, von der siegreichenCavallerie niedergeritten wurde. Den Verlust der feindlichen, nahezu 15 000 Mannstarken Armee giebt Uslar in einem Schreiben aus Ohsen vom 30. Juni an den Rathzu Göttingen auf 3000 Todte und mehr als 1500 Gefangene an, 4 ) in Wirklichkeit warer nach anderen Berichten 5 ) weit grösser und wird allein an Todten auf abgerundet7000 zu beziffern sein. Dazu fielen 49 Fahnen, 39 Standarten, sämmtliche Geschütze,Munition, Bagage, die Kriegskasse u. s. w. in die Hände der Sieger, während der Herzogden Verlust seiner etwa gleich starken Armee nur auf 60 Todte und 100 Verwundeteberechnete. 6 )
Die nächste Folge des Sieges bei Hessisch - Oldendorf, der als einer der ent-scheidendsten des ganzen 30jährigen Krieges bezeichnet werden kann, war die CapitulationHamelns. Am 3. Juli eröffnete der Rittmeister Wolff die Verhandlungen, die sich aberbis zum 8./18. hinzogen. Am 11. Juli zog die Garnison, die während der viermonat-lichen Belagerung den enormen Verlust von 1500 Mann gehabt hatte, in einer Stärkevon 782 Mann nach Minden ab. General - Major Kagge besetzte vorläufig mit demschwedischen Leibregimente als Auszeichnung für die bewiesene Tapferkeit bei Oldendorf,die Festung. Später nahm sie Herzog Georg in Besitz. 7 )
Obgleich Herzog Georg hiernach die Belagerung von Minden unternehmen wollte,und dazu der unter dem Befehle des General-Majors von Uslar stehenden wolfenbüttel-schen Truppen nothwendig bedurfte, so konnte er dennoch nicht verhindern, dass dieser,
!) Wehrhahn, Festschrift zur 250jähr. Gedächtnissfeier der Schlacht bei Hess.-Oldendorf (1883),
S. 9, 11, i3; Schmidt, 1. c., S. 52 u. ff. — 2 ) Cal. Br. Arch., Des. 16, Generalia, Nr. 99, Blatt 160, im
Staatsarchive zu Hannover. — 3) Schmidt, 1. c., nennt es S. 51 fälschlich Wilsdorf. (Vgl. Wehrhahn, die
cit. Festschrift, S. 7.) — 1) Archiv des hist. V. f. Nieders., 1848, S. 163; vgl. Hallwich, 1. c., S. 96, Note. —
5 1 Wehrhahn, die cit. Festschrift, S. 13; v. Soden, Gustav Adolf u. sein Heer, II, S. 206 u. a. O. —
6 ) v. d. Decken, 1. c., II, S. 178, 179. — ') Wehrhahn, die cit. Festschr., S. 16; Schmidt, 1. c., S. 69;
v. Sichart, I.e., I, S. 95 u. ff.; Mittheilungen des hist. Vereins zu Osnabrück, XI, 1878, S. 399; B. vonL.-G.,Aus Hannovers milit. Vergangenheit, S. 6 u. a. O. Die Capitulations-Bedingungen bei Hallwich, 1. c.,S. 109 u. f.