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1 (1888) [Hauptbd.]
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Nachtheile waren, werfen. Bald war die Brücke wieder im Besitze der Kaiserlichen,und obwohl die braunschweigischen Musketiere nur Schritt für Schritt zurückwichen,sah Uslar doch ein, dass die Verschanzungen auf die Dauer nicht zu halten waren. DieRäumung wurde in aller Ruhe vollzogen, nachdem die Soldaten, so gut es in der Eileanging, die Wälle und Pallisaden niedergerissen hatten. Bei diesen Kämpfen auf demlinken Weserufer waren die Verluste auf beiden Seiten ziemlich gleich. >)

Eine erst beabsichtigte Erneuerung des Angriffs in der folgenden Nacht mussteunausgeführt bleiben, da ein heftiger Sturm, mit kalten Regenschauern gemischt, vor-herrschte. Auch der folgende Tag, der 22. Mai, verlief in aller Ruhe. Für den 23. MaiHess man nach getroffener Verabredung Waffenruhe eintreten, um die beiderseitigenTodten zu begraben. Während dieses Stillstandes besichtigte der Oberstlieutenantvon Schellhammer mit seinem Stabe den Brückenkopf auf dem linken Weserufer. Nachder Sitte damaliger Kriegführung sandte der General-Major von Uslar einen Hauptmannzu seiner Begrüssung ab. Schellhammer wurde durch diese entgegenkommende HöflichkeitUslar's so angenehm berührt, dass er auf einem der vordersten Erdwälle Platz nahmund mit dem Hauptmann auf die Gesundheit des braunschweigischen Corpscommandantenein Glas Wein leerte, indem er gerade die Tapferkeit der braunschweigischen Truppengegenüber den Plessen hervorhob, die nicht in gleicher Weise ihre Pflicht und Schuldig-keit gethan hätten. 2 )

Unterdessen hatte der nach Westfalen am 24. April detachirte hessische General-Lieutenant von Melander gegen den kaiserlichen General-Wachtmeister von Bönninghausenglücklich gekämpft und diesen bis Dortmund zurückgedrängt, als ein von dem kaiserlichenGeneral Graf von Merode gebildetes frisches Corps von mehr als 4000 Mann ihm Plaltgebot. Merode gelang es nach erfolgter Vereinigung mit Bönninghausen, den Gegnerzurückzudrängen, und auch Bronsfeld, der in Minden stand, an sich heranzuziehen,obgleich zur Verhinderung dieser letzten Vereinigung der Feldmarschall von Knyphausenan der Spitze seiner schwedischen Infanterie- und Cavallerie-Regimenter aus dem Lagervor Hameln aufgebrochen und den bedrängten Generalen zu Hülfe geeilt war. DieGefahr, umgangen zu werden, nöthigte alle evangelischen Generale, ihre Positionenaufzugeben und nach Hameln zurückzumarschiren, wo sie sämmtlich am 27. Junianlangten.

Georg's Lage vor Hameln hatte sich unterdessen nicht gebessert, obgleich dieCernirungsarbeiten erheblich fortschritten und einzelne feste Positionen dem Feindeabgerungen waren. Indess die Soldaten waren durch Strapazen ermattet und durchVerluste decimirt; dazu bereitete die Herbeischaffung des Proviants von Tag zu Taggrössere Schwierigkeiten und vermehrte die Unzufriedenheit der Officiere wie Soldaten.

Nicht besser stand es beim Feinde. Dieser konnte die Festung höchstens noch3 4 Tage halten, als wirklich Merode zum Entsätze erschien und damit den HerzogGeorg am 27. Juni vor die Alternative stellte, entweder eine Hauptschlacht zu liefern,oder alles Errungene aufzugeben.

Der Herzog mit dem versammelten Kriegsrathe entschied sich für das Erstere.

Noch an demselben Tage (27. Juni) ging Herzog Georg mit der Armee auf dasrechte Weserufer über und bezog eine feste Stellung bei LIessisch- Oldendorf. ZurDeckung des linken Ufers liess er den General von Uslar mit dem wolfenbüttelschenCorps und 4 schwedischen Cavallerie-Regimentern 3 ) zurück, sandte aber, als er dieVereinigung der gesammten feindlichen Streitkräfte bei Bückeburg erkannt hatte, demGeneral den Befehl, sich mit sämmtlichen schwedischen Truppen zum Aufbruch bereitzu halten. Demgemäss ging die Cavallerie noch am Abend auf das rechte Weseruferüber, von wo sie nach kurzer Rast ein weiterer Befehl nach Oldendorf abberief. UmMitternacht ging auch U. auf erhaltene Ordre mit der gesammten braunschweigischenCavallerie über die untere Schiffbrücke und lagerte auf dem rechten Ufer im Nordostender Festung, zur Deckung des braunschweigischen Lagers nur 2 Mützephal'sche Infanterie-Compagnien zurücklassend. Diese wurden von dem auf allen Seiten aus der Festungzum Zerstören der verlassenen Laufgräben und Lagerstätten vordringenden Feinde hartgedrängt, so dass U. es für gerathen hielt, zu ihrer Deckung seine Schwadronen wieder

') Schmidt, 1. c., S. 3S; Annalen der braunschw.-lüneb. Ghurlande, 9. Jahrg., 4. Stück, S. 599.

2 ) Schmidt, 1. c., S. 38. 3) Es waren die Regimenter Sobbe, Sack, Isaak Axel und Steinbock,

(v. d. Decken, 1. c., II, S. 170, 335.)

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