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1 (1888) [Hauptbd.]
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waren die Laufgräben um diese Zeit doch schon an einigen Stellen bis an denFestungsgraben vorgeschoben, so dass Herzog Georg den Sturm bald wagen zu dürfenglaubte. Da meldete der mit einem Streifcorps gegen Gronsfeld detachirte schwedischeOberst Stahlhans (Stalhanske), dass ein starkes kaiserliches Heer zum Entsätze Hamelnsan der Ruhr zusammen gezogen würde. In Folge dessen rückte wenige Tage nachUslar's Ankunft im Lager ein Theil der schwedischen Cavallerie und Infanterie unterdem General-Major Kagge, sowie der grösste Theil der eben erst eingetroffenen Hessenunter dem Oberbefehle des hessischen General-Lieutenants Melander (Peter von Holz-apfel) x ) nach Westfalen ab.

Unter dem Schutze eines dichten Nebels gelang es am 7. Mai 200 Dragonern vonder Garnison in Minden sich in die Festung einzuschleichen. 2 )

Gegen die Mitte des Monats Mai verrieth die Rührigkeit der Kaiserlichen imnordwestlichen Theile der Festung, dass ein Ausfall in dieser Richtung zu erwartenwar. Deshalb wurde zur Verstärkung der bei der Cernirungsarmee zurückgebliebenenund unter dem Grafen von Eberstein vor dem Weserthore placirten Hessen, derGeneral-Major von Uslar mit seiner Reiterei von dem Herzog Georg beordert und ihmder Befehl ertheilt, dem beabsichtigten Ausfalle zu begegnen. Man brauchte nicht langezu warten: in der Nacht vom 16./17. Mai schickte der Commandant von Schellhammerin aller Stille einige Wagen unter einer 250 Mann starken Bedeckung voraus. Dieselbebestand theils aus Musketieren, theils aus Reitern. Erstere sollten an dem bewaldetenUfer der Weser Reisig und Buschwerk abhauen, es auf die Wagen laden und in dieFestung schaffen, während Letztere einen Ueberfall seitens der Schweden verhindernsollten. Der Commandant hatte sich zu diesem Wagestück entschliessen müssen, da erzur Ausbesserung der Wälle und Schanzen Buschwerk in grösserer Menge sehr nöthighatte. Der General - Major v. U., der schwedische Oberst Gustavson 3 ) mit seinenschwedischen Reitern und der Graf von Eberstein mit einer Abtheilung des hessischenFussvolks standen schon auf der Lauer, um womöglich den ganzen kaiserlichen Wagen-transport sammt den Begleitungsmannschaften abzuschneiden. Diesen von Uslar wohldurchdachten Plan vereitelte indess die Kampfeslust der schwedischen Reiterei, die allzufrüh hervorbrach. Die Kaiserlichen erkannten dadurch zu zeitig, dass ihre Absichtverrathen war, und kehrten um, ohne ihren Zweck zu erreichen. 4 ) Dabei büssten sie30 Gefangene und gegen 60 Todte ein, indem bei der dunklen Nacht über 30 Soldatenin den Fluthen der Weser ihren Untergang fanden.

Einige Tage später sollte ein allgemeiner Sturm unternommen werden. Aufdem linken Weserufer sollte Uslar den Feind aus den Brückenköpfen verjagen. DieFührung der Sturmcolonne wurde einem Capitain des Regiments Mützephal übertragen,der sich freiwillig dem General-Major zu verschiedenen Malen dazu erboten hatte.Allein auf der Ostseite der Festung wurde der Angriff abgeschlagen und auf den dreianderen Seiten unterblieb er ganz, weil man den zum Angriffs-Signal bestimmtenKanonenschuss überhört hatte. Mangel an Munition gestattete erst in der Nacht vom20.(21. Mai einen neuen Sturmversuch, allein auch dieser scheiterte auf allen Punktenan der energischen Vertheidigung der Belagerten. Uslar's Angriffe auf die beiden Horn-werke an der Brücke wurden drei Mal zurückgeschlagen, endlich aber setzte er sichdoch in den Besitz der Schanzen, nachdem deren Besatzung theils niedergemacht, theilsüber die Brücke in die Stadt gejagt worden war. Mützephal überschritt sogar an derSpitze einer Compagnie die Brücke; er wäre fast mit den geworfenen Kaiserlichen indas Thor eingedrungen, wenn er nicht unmittelbar an demselben der feindlichenUebermacht hätte weichen müssen. Denn den Braunschweigern konnte diesmal alleihre Tapferkeit nichts helfen, da auf den anderen Seiten das Geschick schon zuUngunsten der evangelischen Waffen entschieden hatte. Dort waren die Angriffe derBelagerer in verhältnissmässig kurzer Zeit abgeschlagen, und so konnte der Festungs-commandant seine ganze Macht nach dieser Seite hin, wo allein die Seinigen im

0 Er hiess eigentlich Peter Eppelmann und schrieb sich spätervon Holzapfel gen. Melander".(v. Arnoldi, hist. Denkwürdigkeiten, S. 166; Hofmann, Peter Melander, Reichsgraf zu Holzappel, 1885,

2. Aufl.) 2 ) Gal. Br. Arch., Des. 16, Generalia Nr. 99, Blalt 81 im Staatsarchive zu Hannover; vgl.Schmidt, 1. c., S. 32. 3) Graf Gustav Gustavson von Wasaburg, ein unehelicher Sohn Gustav Adolfs.(Wehrhahn, Hess. Oldendorf u. seine Schlachtfelder, S. 62 inZeitschr. d. V. f. hess. Gesch. u. Landesk.,"

Jahrg. 1875; Mittheil, des hist. Vereins zu Osnabrück, XI, 1878, S. 404; XII, 1882. S. 192.) 4 ) Schmidt,

1. c., S. 34; Theatr. Europ., III, S. 72.