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1 (1888) [Hauptbd.]
Entstehung
Seite
263
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tapfer vertheidigt wurde, ein, und nach seinem energischen Auftreten gelang es ihmauch, von dem Herzoge Friedrich Ulrich die Theilnahme der wolfenbüttelschen Truppenan der Belagerung zu erwirken, jedoch nur unter der Bedingung, dass seine Regimenterals ein geschlossenes Corps unter den Befehlen des Generals von Uslar verbleiben undnach Einnahme der Stadt wiederum zur Verfügung des Herzogs Friedrich Ulrich gestelltwerden sollten. Diese Forderung wurde von dem Herzoge Georg zugestanden.

Im Januar und Februar 1633 stand, wie wir gesehen, Uslar im Göttingisclienmit der Aufgabe, die Verproviantirung Wolfenbüttels, dessen kaiserliche BesatzungMangel litt, zu verhindern. Trotz aller Wachsamkeit Uslars gelang es aber demligistischen General Gronsfeld, der Festung Lebensmittel auf 4 Monate zuzuführen. Am9. März marschirte U. nach Höxter, kam daselbst am 17. März an,') vertrieb mitseinen 400 Reitern und eben so viel Fusssoldaten die kaiserlichen Besatzungen aus denumliegenden Dörfern, und stellte die Weserbrücke daselbst wieder her. 2 ) Dann ginger, eine Besatzung in Höxter zurücklassend, 3 ) am 21. März auf Polle, woselbst dieKaiserlichen im vorigen Sommer eine Schiffbrücke über die Weser geschlagen hatten,und gewann nach einer zweitägigen Beschiessung am 27. März vermittelst Capitulationdas dortige feste Schloss mit einer Besatzung von SO Mann, die er in seinen Dienstzwang, worauf er eine wolfenbüttelsche Besatzung hinein legte, welche darin auchverblieb, trotz des Protestes Knyphausen's, der eine schwedische Besatzung forderte. 4 )

Unterdessen hatte der Herzog Georg zu verschiedenen Malen den General v. U.vergebens zur Beschleunigung seines Marsches aufgefordert. Erst in Folge der Drohung,dass er ihn seines Commandos entsetzen und in Arrest würde bringen lassen, wenn ersich mit den wolfenbüttelschen Truppen des ferneren Ausbleibens schuldig mache, stiessU. endlich am 21. April 1633 mit fast 1000 Mann zur Belagerungsarmee des Herzogs.

Unter solchen Umständen war ein gnädiger Empfang Uslars bei dem Herzogenicht zu erwarten. U., die gereizte Stimmung Georg's kennend, begab sich daher, bevorer sich meldete, zu Knyphausen nach Ohr mit der Bitte, dass dieser sich für ihn beimHerzoge verwenden möge. Knyphausen gelang es auch, nach längerer Privat-Audienzden Herzog günstiger zu stimmen, so dass dieser U. beim Empfange die Hand reichteund sagte, alles Vorhergegangene solle nunmehr vergessen sein. 5 )

Gleich nach seiner Ankunft wurde Uslar mit seinem Corps nach Wunstorfdetachirt, von wo der Anmarsch einer feindlichen Abtheilung gemeldet war. Er kehrtejedoch bald unverrichteter Sache zurück, 6 ) nachdem er in Erfahrung gebracht, dass derFeind die Ruhr passirt habe, 7 ) führte sein Corps über die untere Schiffbrücke nachdem linken Weserufer und übernahm das Commando über das kleinere Lager vor derwestfälischen Seite der Festung gegenüber der steinernen Brücke, welche die genannteSeite mit der braunschweigischen Seite verband und auf ersterer durch zwei Brückenköpfegedeckt war. Unter ihm stand der wolfenbüttelsche Oberst von Mützephal, welcheram 21. März mit zwei Compagnien Fussvolk und drei Fähnlein Reiterei zur Belagerungs-armee gestossen war, nachdem er einen Transport von Kriegsvorräthen und Lebens-mitteln, den er nach Befehl seines Landesherrn von Hannover aus dem General-Majorv. U. nach Höxter zuführen sollte, nicht diesem, sondern dem Herzog Georg vorHameln übergeben hatte. 8 )

Noch am Abend des Tages, an welchem der General-Major v. U. von Wunstorfzurückkehrte, machte die Besatzung Hamelns einen starken Ausfall, welcher jedochvon Uslar unter grossem Verluste des Feindes abgeschlagen wurde. 9 )

Trotz des in der Mitte des Aprilmonates noch herrschenden Nachwinters mitseinem kalten Schnee- und Regenwetter, trotz des Mangels an schweren Geschützen,an Munition und Proviant und der nothwendig gewordenen starken Detachirungen,

') Die folgenden Zeitangaben schwanken, je nachdem nach dem alten oder neuen Kalender ge-rechnet ist. 2 ) Justi, die Vorzeit, Taschenbuch für 1825, S. 34; v. Rommel, 1. c., IV, S. 264; Wigand,denkw. Beiträge für Gesch. u. Rechtsalterthümer, S. 53. 3) Controversen wegen Höxter; gedr. Wolfenb.1670 u. 71, S. 65; das. auch an anderer Stelle. 4 ) v. d. Decken, 1. c., II, S. 154 u. ff.; 330 u. ff.;Theatr. Europ. III, S. 37; Tross, Westphalia, Zeitschr. f. Gesch. etc. vom 26. März 1825, S. 94; Hall wich,

I. c., S. 82, setzt Uslar's Stärke in dieser Zeit auf 15 Compagnien Gavallerie. 5 ) v. d. Decken, 1. c.,

II, S. 161; das Folgende in der Hauptsache nach Schmidt, die Belagerung von Hameln u. die Schlachtbei Hessisch - Oldendorf inHalle'sche Abhandlungen zur neueren Gesch.", Heft 11, S. 32 u. ff.; auchSeparat - Abdruck (Halle, 1880) und Dissert. inaug. (1880) unter deins. Titel von dems. Verfasser.6) v. d. Decken, 1. c., II, S. 162, 164. 7) Cal. Br. Arch., Des. 16, Generalia Nr. 99, Blatt 46 im Staats-archive zu Hannover. 8 ) Schmidt, 1. c., S. 26. 9 ) v. d. Decken, 1. c., 11, S. 164.