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Um die Mitte des folgenden Monats November erhielt der General in ErfurtIvenntniss von dem in der Volkmarser Angelegenheit ergangenen freisprechenden Er-kenntnisse des Kriegsgerichts, worüber er unterm 20. d. M. dem Landgrafen seinefreudige Genugthuung ausdrückt und zugleich bittet, seinen rückständigen Sold, sowiedie dem Landgrafen vorgeschossenen 7070 Rthlr. nunmehr, dem ihm ertheilten fürst-lichen Versprechen gemäss, durch das Kriegscommissariat seinem Bevollmächtigten aus-zahlen und ihm neben dem erbetenen Abschied zukommen lassen zu wollen. •) Dassihm der Abschied in Gnaden ertheilt wurde, und der General nicht, wie von Rommel 2 )behauptet, seines Dienstes „entsetzt" wurde, beweisen die guten Beziehungen zwischendem Landgrafen und dem General, welche noch über die Entlassung des Letzteren ausdem hessischen Dienste hinaus fortdauerten und in einem Schreiben des Generals anden Grafen Caspar von Eberstein vom 21. Januar 1633 3 ) einen beredten Ausdruck fanden.
Die eigentlichen Motive für Thilo Albrecht's Austritt aus dem hessischen Dienstesind nicht klar gestellt. Die Niederlage vor Volkmarsen, für welche ihm durch dasfreisprechende Erkenntniss des Kriegsgerichts eine eclatante Genugthuung zu Theilwurde, dürfte nicht der alleinige Grund dafür gewesen sein; es scheinen vielmehr diemancherlei Verleumdungen, denen der General sich schon vor jener Katastrophe aus-gesetzt sah, sowie die Eifersucht untergebener Truppenführer, ihn erbittert zu habenund für das Verlangen nach einem andern Felde seiner Thätigkeit vornehmlich be-stimmend gewesen zu sein. Das geht hervor aus einer Klage, welche U. gegen denOberst Friedrich von Rostein beim Landgrafen im Jahre 1632 anstrengte. Die 6 Be-schwerdepunkte des Aktenstücks 4 ) gipfeln in dem Vorwurfe Rostein's, dem Generalmangele die nöthige Energie und Geistesgegenwart, namentlich habe er bei dem über-eilten Rückzüge aus Höxter den Kopf verloren, den Ort ohne äusserste Noth, geräumtund die Geschütze nicht rechtzeitig zurückgenommen. Erst auf seine — Rostein's —Intervention sei dies schliesslich noch geschehen, und diejenigen Stücke nebst Munition,die man nicht habe fortbringen können, ins Wasser geworfen. U. beantragte kriegs-gerichtliche Untersuchung, die, wie aus einem Schreiben des Landgrafen an ihn vom7. April 1632 ersichtlich, 5 ) zunächst durch die Beurlaubung Rostein's nach Frankfurtverzögert und anscheinend durch die folgenden Kriegsereignisse später ganz nieder-geschlagen wurde.
Unwahr, wie alles, was LIerr von Rommel von dem Uebertritt Thilo Albrecht'saus dem hessischen in den braunschweigischen Dienst sagt, ist auch die Angabe, dassder General nur auf die Fürbitte des Herzogs Bernhard von Sachsen - Weimar in denschwedisch-braunschweigischen Dienst Friedrich Ulrich's aufgenommen sei.
Schon am 1. October 1632, also noch vor erfolgtem freisprechenden Erkenntnisse,trug Herzog Friedrich Ulrich von Wolfenbüttel, der seine geworbenen Truppen zu ver-mehren beschlossen, dem General - Major Thilo Albrecht von Uslar als dessen Landes-herr das Commando über seine Truppen an, und als er eingewilligt, fordert ihn derHerzog laut Schreiben d. d. Braunschweig, 6. November 1632 6 ) dringend auf, sofort zuihm zu kommen. Unterm 24, November wiederholt der Herzog seine Bitte und em-pfiehlt ihm Vorsicht auf der Reise, damit er nicht den ligistischen Truppen in die Händefalle. Wenige Tage zuvor, am 22. November, hatte Thilo Albrecht in einem Schreibenaus Erfurt den Herzog gebeten, sein Ausbleiben noch 3 bis 4 Tage zu entschuldigen,da seine Frau sehr krank sei und in Todesgefahr schwebe. 7 ) Nach ihrem Tode wirder sich unmittelbar nach Braunschweig begeben haben; den Tag seiner Ankunft erfahrenwir nicht.
Inzwischen hatte der Tod des Königs von Schweden es dem Herzog FriedrichUlrich rathsam erscheinen lassen, sich möglichst unabhängig von der schwedischenPolitik zu machen. Er schrieb daher einen Kreistag nach Lüneburg aus, wo er denniedersächsischen Ständen das Project vorlegen wollte, zur Aufrechterhaltung derNeutralität eine Kreisarmee aufzustellen. Daneben blieb der Entschluss des Herzogs,
1) Kriegssachen de 1632 im Staatsarchive zu Marburg. — 2 ) 1. c., S. 197, Note. — 3) Orig.
im Staatsarchive zu Marburg. — f) Kriegssachen, 1632, Fase. 9680 daselbst. — 5 ) Concept daselbst. —
6 ) Es war der Tag der Schlacht bei Lützen. Persönlich kann also „T. Albreckt Yssler", wie der schwedischeBericht bei Droysen in „Forschungen zur deutschen Geschichte", V, S. 98 angiebt, nicht an der Schlacht
Theil genommen haben. Dagegen focht sein Reiterregiment unter Georg von Seekirch's Führung in derSchlacht. (Vehse, Gesch. der deutschen Höfe, Abth. IV, Tli. V, S. 110; von Rommel, 1. c., IV, S. 210,Note.) — ?) Die vorerwähnte Correspondenz befindet sich im Landeshauptarchive zu Wolfenbüttel.