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der weitere Rückzug durch einen tiefen Graben versperrt. Alle Bande militärischerOrdnung lösten sich, und ein jeder war nur noch für seine eigene Rettung bedacht.Es glich einer wilden, wüsten Flucht. Viele flohen durch die Waldungen nach Zierenbergund Wolfhagen hin, andere in's Waldeckische und bis nach der Herrschaft Itter. Wasden flüchtigen Truppen zu gute kam, war die Ermüdung der Kaiserlichen, welchedenselben eine eigentliche Verfolgung unmöglich machte.
Es war für die Kaiserlichen ein Sieg beinahe ohne Kampf. 200 Mann warengetödtet; der Oberst Seekirch, der Major Geiso, 1 ) die Rittmeister von Kalenberg,Badenhausen, Ungefug, Stein und Eberstein waren gefangen; die sämmtlichen Geschützeund 9 Standarten (welche der Feind theils noch in der Erde steckend fand), hatte maneingebüsst. 2 ) Nur mit Mühe konnten die nach allen Seiten hin versprengten Truppenwieder gesammelt werden. 3 ) Der Feind aber verfolgte seinen Vortheil nicht weiter,sondern zog sich nach Westfalen zurück. Am 21. Juni (a. St.) stand Pappenheim nochzu War bürg, von wo er zur Aufnahme Gronsfeld's, welcher von Volkmarsen aus denVersuch gemacht hatte, Calenberg zu entsetzen, vom Herzog Georg aber energischzurückgewiesen war, nach Hameln marschirte, von dort über Calenberg, dessenFestungswerke er theilweise sprengen liess, dem Herzoge in dessen Position bei Hildesheimfolgte und nach einer fruchtlosen Kanonade nach Paderborn zurückkehrte, wo wir ihnnoch am 9. Juli treffen, um bald darauf den abenteuerlichen Zug über den Rheinanzutreten. 4 )
Der General-Major von Uslar wurde später wegen der Katastrophe vor Volkmarsenvon dem Landgrafen vor ein aus Officieren der Armee des Herzogs Bernhard von Sachsen-Weimar gebildetes Kriegsgericht gestellt, von diesem aber im Quartier zu SchlossGochsheim bei Schweinfurt am 5./15. October 1.632 von allen gegen ihn erhobenenBeschuldigungen völlig freigesprochen. (Reg. 1042.) 5 )
Trotz dieses günstigen Erkenntnisses blieb U. der Vorwurf, die Niederlage beiVolkmarsen zum Theil verschuldet zu haben, nicht erspart. Der gelehrte ArchivrathDr. Landau in Cassel, welchem für die vorstehend gegebene Schilderung der Vorgängeunzweifelhaft die Akten des hessischen Staatsarchivs vorgelegen haben, spricht seineMeinung dahin aus, 6 ) dass, wenn auch dem Kriegsrathe zu Cassel viele Schuld an demUnglücke zufiele, doch auch Uslar nicht schuldlos sei. Beinahe alle Officiere — sagtLandau — hätten darüber geklagt, dass der General sie ungeachtet wiederholterAufforderung ohne Anweisung gelassen, die Unterhandlungen mit dem Feinde zu sehrin die Länge gezogen und nach Abschluss der Capitulation versäumt habe, die Stadtzu besetzen. Ebenso habe er, obwohl bekannt mit dem Nahen des Feindes, keinerleiVorkehrungen getroffen, um bei dessen Erscheinen gerüstet zu sein. Nach dem Urtheileder Kaiserlichen — fährt Landau fort — hätten 10 im Tliale aufgestellte CompagnienFussvolk hingereicht, sie von jedem Angriffe abzuschrecken. Aber Uslar, dem Landauübrigens das Zeugniss eines tüchtigen Soldaten ausstellt, schien gänzlich den Kopfverloren zu haben und dieses schiene auch bei den übrigen Officieren der Fall gewesenzu sein, denn selbst von den Regiments-Commandeuren vermochte nicht ein einzigerein klares Bild von dem Vorgange zu geben.
Sogar von dem Vorwurfe des Verraths blieb U. in der öffentlichen Meinung nichtverschont. Landau 7 ) und die Marburger Kriegsakten sagen darüber: „Als das Gerücht,Uslar habe mit dem Feinde im Einverständnisse gehandelt, auch zu Pappenheim kam,schrieb derselbe aus Warburg an den Landgrafen Wilhelm, dass er, „„weil Uslar einredlicher Kavallier sei,"" sich gedrungen fühle, für dessen Unschuld einzutreten. Undals ihm der Landgraf darauf d. d. Cassel, 27. Juni 1632 erwiederte, dass er Uslar
') Der spätere Generallieutenant von Geiso (stirbt 1. Mai 1061). •— 2 ) Der Landgraf selbst er-
wähnt in einem Schreiben an den Herzog Johann Ernst von Sachsen-Eisenach vom 24. Juni 1632 (Kriegs-
sachen 1632, Fase. 9682 im Staatsarchive zu Marburg) nur des Verlustes von 6 Geschützen, darunter
4 kleine Regimentsstücke, sowie eines Feuermörsers und 6 Standarten. Der Oberst Jacob Mercier, gen.der kleine Jacob, nahm schon Anfang September d. J. dem Grafen von Gronsfeld die sämmtlichenGeschütze bei Brakel wieder ab. (v. Rommel, 1. c., IV, S. 205.) — 3 ) Ein Ausschreiben des LandgrafenWilhelm V. vom 20. Juni 1632 verpflichtete alle Officiere, Beamte, Bürgermeister der Städte u. s. w., die
Flüchtigen zur Rückkehr zu ihrer Truppe zu veranlassen. Gleiches Ersuchen unter demselben Datum
erging an den schwedischen Kanzler Oxenstierna und an den Grafen von Waldeck; ebenso am folgenden
Tage an den Kurfürsten von Sachsen und den Herzog Wilhelm von Weimar. (Kriegssachen, 1632, Fase.9682 im Staatsarchive zu Marburg.) — i) v. Sichart, Gesch. der Kgl. hannov. Armee, I, S. 71. — 5 ) Vgl.die Chronisten der Familie, auch Thilo Albrecht's Leichenpredigt im St. - A. zu Hannover. — 6 ) In:(Landau), das Kurfürstenth. Hessen in malerischen Original-Ansichten. S. 203 u. ff. — 7 ) 1. c., S. 204.
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