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man eine Wache hin, und eben so vergebens wurde dieselbe mehrfach verstärkt. Die Reiterdrangen zuletzt mit Gewalt vor und öffneten sich den Zugang. Anderwärts stiegen dieSoldaten über die Mauern. Die Ordnung löste sich immer mehr und die Befehle derOffleiere wurden nicht mehr beachtet. Auch das Fussvolk, eifersüchtig auf die Reiter,wurde jetzt störrig und verlangte mit jenen gleich gehalten zu werden. Anfangs gelanges zwar den Officieren, ihre Musketiere mehreremale wieder zusammen zu bringen,zuletzt aber rissen auch hier alle Bande des Gehorsams, die Regimenter lösten sichauf und die vor den Thoren stehenden Wachen folgten dem allgemeinen Strome, dersich plündernd und raubend in die Stadt wälzte. U. begab sich, um die Ordnungwieder herzustellen und die Soldaten heraus zu bringen, mit einigen Officierenselbst in die Stadt; es wollte ihm aber nicht gelingen, obgleich er, wie er später inseiner Vertheidigungsschrift sagt, dazwischen schlug „dass ihm vor Müdigkeit der Degenaus der Hand gefallen." Als der Morgen (17./27. Juni) kam, war der grösste Theil derTruppen zerstreut. Aber noch immer verzögerte sich der Auszug und schon war es9 Uhr, als dieser endlich aus dem Unterthore erfolgte. Ohne Waffen zogen dieBesatzungstruppen durch das Thor aus und schon wurde der Befehl zum Aufbruch derReiterei ertheilt, als in demselben Augenblicke ein überlegener Feind über die Sorglosenhereinbrach.
Als Uslar von Cassel aufgebrochen — so erzählten später Gefangene — war einReiter von dort weggeritten mit einem Briefe, in welchem dem Grafen Pappenheim,welcher damals zu Hameln lag, Nachricht von dem Unternehmen gegeben wurde.47 kaiserliche Fähnlein unter dem Grafen von Gronsfeld waren sofort aufgebrochen undin Eilmärschen, Tag und Nacht in Bewegung (7 Stunden in einem Futter), in 2 J / 2 Tagenbis Warburg geritten. Hier kam — ebenfalls nach Aussage von Gefangenen — einhessischer Reiter, um die Kaiserlichen zu führen, und erhielt für diesen Dienst 100 Thalervom Grafen Gronsfeld und eben so viel vom Obersten von Bönninghausen. Zu Warburghatte der Feind eine Stunde gefüttert, und noch diesseits Warburg 1 '/ 2 Stunden gehaltenund geschwankt, ob er mit seinen ermüdeten Pferden vorgehen sollte.
Wohl hatte auch Uslar erfahren, dass Pappenheim über die Weser gegangensei, l ) und noch am Sonnabend (16. Juni) mehrere Officiere zum Recognosciren ausgeschickt,durch welche ihm am Abend die- Nachricht zukam, dass sich nirgends der Feind inbedrohlicher Weise zeige. Dass Verrath im Spiele war, scheint zweifellos; jene Gefangenenhatten wenigstens Kaiserliche mit Entrüstung davon sprechen hören, dass unter denHessen Verräther seien. Der Ueberfall vom 17. Juni erfolgte also ganz unerwartet.Als die Kaiserlichen zuerst auf der Strasse bei Welda sichtbar wurden, hielt man siefür eine Patrouille der Warburger Besatzung, und die Rittmeister Raab Elger von Dalwigkund Stein wurden befehligt, den Pass zu besetzen. Aber diese Täuschung war vonkurzer Dauer. Beide wurden abgeschnitten und Stein, dem sein Pferd erschossenwurde, fiel in Gefangenschaft. Rasch entwickelte sich darauf der Feind, und der ersteStoss traf die beiden Reiterregimenter Uslar und Dalwigk; beide wurden sogleichgeworfen und sprengten in Unordnung zurück. Obwohl die 4 übrigen Regimenter sichgesammelt hatten und dem Feinde entgegen rückten, so wich doch die Arriergardeder Uebermacht und warf sich auf das Regiment Seekirch. (Landgraf Wilhelm.) 2 )Jetzt kam auch Uslar, der beim Erscheinen des Feindes noch in der Stadt gewesenwar, und befahl den Rückzug nach der AValdhöhe (wahrscheinlich dem Stromberge) zunehmen. Kaum vermochte aber die Infanterie einige Salven und eins der Feldstückeeinige Schüsse zu geben, so sass der Feind ihnen auch schon im Nacken. Die Reiter-regimenter Kurt von Dalwigk und Rostein zerrissen in ihrer Flucht sogar noch dieInfanterie und selbst am Walde konnte man zu keiner Stellung gelangen, indem dieUnordnung schon zu gross war; auch wurde den Reitern, welche sich hier sammelten,
') Nach Droysen in „Zeitschr. f. preuss. Gesch. u. Landeskunde, IX. Jahrg., S. 253 überschrittPappenheim am 16. Juni bei Polle die Weser, um durch seinen Vormarsch die Vereinigung der hessischenTruppen mit dem Herzog Georg von Lüneburg und dem General-Lieutenant v. Baudissin zu verhindern. —
2 ) v. Rommel, neuere Gesch. von Hessen, IV, S. 196, Note, nennt die Regimenter Uslar, Rostein, Dalwigk(Franz Elger), Seekirch, Kurt von Dalwigk und einen Major Geiso (Bruder des Johann von Geiso); nebenbeiaber werden das grüne, rothe und weisse Regiment wegen ihres starken Verlustes bezeichnet. Gegenwärtigzur Stillung des Tumults in der Stadt waren: Obrist Franz Elger von Dalwigk, Jacob Mercier (gen. derkleine Jacob), die Oberstlieutenants von Kalenberg, von Romrod, Esleben, Major Geiso, Rittmeister Baden-hausen und Oeppen und ein junger Graf Witgenstein, der früher bei der Belagerung von Amöneburg(1621) befehligt hatte. b b b