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1 (1888) [Hauptbd.]
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Es fehlte an Kraut und Lotli (Pulver und Blei), es fehlte an Lebensmitteln, ja es fehltesogar schweres Geschütz, denn das versprochene blieb aus. Und zu allem diesem kamnoch ein in Strömen sich ergiessender Regen. Bis zum Abend standen die Truppen, ohnedass etwas vorfiel; nur die Reiterei sass kompagnieweise ab, um zu fouragiren. Alsdie Nacht eintrat, mangelte es an jeder Bestimmung über die aufzustellenden Wachen undman begann sich vor dem Oberthore darüber zu streiten, denn, da man glaubte, derFeind werde in der Nacht sich durchzuschlagen versuchen, wollte jedes der dortaufgestellten Regimenter die Ehre haben, ihn zuerst zu empfangen. Man einigte sichjedoch endlich dahin, die Wacht der Avantgarde zu überlassen, und das Dalwigk'sche,vom Rittmeister Badenhausen befehligte Regiment rückte hierauf dicht vor das Thor.Die Nacht verging indessen ruhig, obwohl der Soldat wenig Erholung fand, weil derdurch den fortdauernden Regen durchweichte Boden eben kein erquickendes Lagerdarbot und an die Aufschlagung von Hütten niemand dachte.

Eben so regnerisch wie der Donnerstag war auch der Freitag. (15. Juni.) Estraf jetzt noch der Oberstlieutenant Johann von Uffeln mit 333 Mann vom grünenFussregiment ein, welche ebenwohl in 4 Theile getheilt und den schon gestern gebildeten4 Haufen zugegeben wurden. Der Lieutenant von Dalwigk mit 70 Musketieren erhieltden Befehl, der Stadt das Wasser zu . nehmen (den Mühlgraben abzudämmen) und aufdem Bruche vor der Mühlpforte Laufgräben zu machen. Am Abend beabsichtigte man,sich der Mühlpforte und der davor aufgeworfenen Redoute zu bemächtigen. Als jedochein Corporal vom Regimente des Landgrafen Friedrich und ein Soldat vom grünenRegiment auf Händen und Füssen näher krochen, fanden sie den Posten durch 50 Mus-ketiere besetzt, und man stand deshalb davon ab.

Auch am Sonnabend (16. Juni) dauerte der Regen fort. Trotz desselben rückteman mit den Laufgräben immer weiter vor und auch die Posten wurden dem Stadtgrabennäher geschoben. Erst am Morgen dieses Tages traf ein Mörser ein. Man benutztedenselben sogleich und schon der zweite Schuss zündete, an einigen Orten der Stadtbrach Feuer aus. Der heftige Regen löschte jedoch immer wieder den Brand. Einwährend dessen versuchter Angriff auf das Oberthor schlug fehl, indem von der Stadt-mauer und aus zwei Thürmen ein so heftiges Feuer auf die Angreifenden erfolgte, dass6 Soldaten verwundet wurden. Nicht besser glückte ein Versuch auf die Obermühle.Mit 16 Mann stürzte sich der Fähnrich von Keudel im vollen Laufe auf dieselbe zu,das heftige Feuer, wodurch zwei seiner Leute verwundet wurden, nöthigte ihn aber, aufhalbem Wege hinter dem Ufer des Mühlgrabens Schutz zu suchen, wo er dann bemerkte,dass die Mühle gegen die Stadt hin gänzlich fachlos war und also keinen Haltpunktabgeben konnte.

Aber noch immer fehlte es an schwerem Geschütz, an Munition und Proviant.Vergebens hatte Uslar wiederholt und immer dringender gemahnt; endlich schickte erden Hauptmann Burghard von Baumbach nach Cassel und empfahl demselben diegrösste Eile. In 3 1 / 2 Stunden war derselbe dort. Bei Harleshausen war ihm eineOrdonnanz begegnet, welche die Truppen zurück rufen sollte. In Cassel fand Baumbachzwar die Geschütze bereit, es fehlten aber die Pferde. Als er dem Kriegsrathe dieLage der Dinge vorstellte, nahm dieser den Rückzugsbefehl zurück und versprach diesofortige Nachsendung des Verlangten. Ohne einen Bissen genossen zu haben, war!sich Baumbach wieder aufs Pferd und sprengte zurück. Eine halbe Stunde vor Volk-marsen fand er U. und mehrere Officiere bereits auf dem Rückmärsche und auch dieTruppen theilweise schon in Bewegung. Es wurde nun wieder Kehrt gemacht undAlles nahm die frühere Stellung wieder ein. Doch erst am Abend langten 6 leichteRegimentsstücke an, sonst nichts. U. drückte zwar darüber seinen Unwillen aus, es waraber nicht mehr zu ändern. Man setzte diese Stücke nebst dem Mörser unverweiltin Thätigkeit, und beschoss die Stadt bis Abends 8 Uhr, wo man das Feuer wiedereinstellte. Drei Stunden später verlangte die Besatzung zu capituliren. Es wurdenUnterhandlungen angeknüpft, dennoch dauerten vor dem Oberthore die Feindseligkeitenfort, weil man hier von den angeknüpften Verhandlungen nichts erfuhr und erst Morgens3 Uhr zufällig die Kunde davon erhielt.

Die Unterhandlungen zogen sich die ganze Nacht hindurch und der Soldat wurdeimmer ungeduldiger. Müde, durchnässt und hungrig, und dazu auch noch beutegierig,verliess einer nach dem andern die Reihen und suchte in die Stadt zu kommen.Anfänglich drängten sie sich besonders nach der geöffneten Mühlpforte. Vergebens stellte

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