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1 (1888) [Hauptbd.]
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Gegner durch eine falsche Bewegung gegen Celle täuschte, hierdurch veranlasste, dassUslar mit etlichen Feldbannern über Göttingen bis Seesen, Goslar und selbst bisBraunschweig hin zog, ohne von den übrigen Truppen Kundschaft und Unterstützungzu erhalten. So erschien Pappenheim plötzlich mit 15000 Mann bei Hameln (20. Mai),brandschatzte von da aus die Städte an der Diemel und Werra und rückte bis vorCassel. Landgraf Wilhelm V. hatte unterdessen seinem Oberst von Uslar, der damalsbei Salzgitter stand, zum schleunigen Rückzug und Entsatz entboten und allen Befehls-habern zu Göttingen, Münden, Cassel etc. befohlen, die streifenden Parteien aufzuhebenund sich bis auf den letzten Mann zu vertheidigen. Der Landgraf selbst rückte ausCassel, trieb Pappenheim in das Eichsfeld zurück (28. Mai), und als Uslar nachmannigfachen Gefahren glücklich zurückgekehrt war, wurden auch die Städte an derWerra befreit. In einem Schreiben an den König Gustav Adolf vom 29. Mai 1632spricht der Landgraf die Ansicht aus, dass, falls Uslar sich weniger vertieft hätte undzeitiger von Salzgitter zurückgekommen wäre, er den Feind noch besser getrennt undgeklopft haben würde.')

Bei Witzenhausen war es Thilo Albrecht v. U. in demselben Monat Mai gelungen,eine Croatenschaar 2 ) zu überfallen, sie theils niederzuhauen und 600 Pferde zu erbeuten. 3 )Nach Pappenheim's Abzug auf das Eichsfeld eilte Landgraf Wilhelm V. nach Mainz,um sich mit dem schwedischen Reichskanzler wegen des von Gustav Adolf verlangtenZuzugs zu besprechen. Den General-Major 4 ) von Uslar, welcher an seiner Stelle denOberbefehl führte, berief der schwedische Generalcommissair zu Cassel gegen die Mittedes Monats Juni 1632 vor den Kriegsrath und berieth darüber, mit welchem Unternehmendie zu und um Cassel stehenden hessischen Truppen am zweckmässigsten beschäftigtwerden könnten. Nach mehreren nicht genehmigten Vorschlägen einigte man sichendlich dahin, die wichtige Stellung von Volkmarsen an dem Eingange Westfalenswieder zu gewinnen, die Stadt dem Feinde zu entreissen und die dort gesammeltenTruppen desselben zu zerstreuen. 5 )

Die Besatzung Volkmarsens hatte seit 1622 zwischen hessischen und kaiserlichenTruppen sehr oft gewechselt. Ende Mai 1632 commandirte der hessische OberstlieutenantSchaarkopf in der Stadt, der aber, als Pappenheim von der Weser her sich näherte,mit seiner geringen Mannschaft nach Cassel zurückgezogen wurde. Volkmarsen erhieltnun wieder eine kaiserliche Besatzung von 4 Compagnien Reiter und 200 Musketierenunter Commando des Oberstlieutenants von Oeynhausen; auch benutzte man den Ortzugleich zur Sammlung neu geworbener Truppen.

Der Kriegsrath in Cassel trieb den General-Major von Uslar zur raschenAusführung des ertheilten Auftrages an und versprach, ihm sofort 2 Mörser und 2Vierundzwanzigpfünder nachzuschicken. Ohne Säumen gab U. seine Befehle, und am14. Juni (a. St.) früh 6 Uhr standen 6 Regimenter Reiter und Fussvolk vor Wolfhagenvereinigt. Das Regiment des Obersten Kurt von Dalwigk bildete die Vorhut, und gegenMittag stand man vor Volkmarsen. Die Stadt wurde sogleich von allen Seiteneingeschlossen und zwar in der Weise, dass die Hauptmassen vorzugsweise die Thoreim Auge hatten. Nur das grüne Fussregiment wurde in 4 Haufen getrennt und je 100bis 150 Musketiere desselben vor jedes der 4 Thore beordert.

Als die Truppen vorrückten, hatte sich zwar ein Theil der Besatzung in denGärten aufgestellt, verliess dieselben aber sofort und zog sich eilig in die Stadt zurück,als eine Abtheilung Musketiere zu dem Zwecke vorgeschickt wurde, mit dem Feindeanzubinden und den Versuch zu machen, mit demselben in die Stadt zu dringen.Ueberhaupt war das feindliche Feuer so schwach, dass man daraus schloss, es fehle inder Stadt an Munition. Aber auch auf hessischer Seite war Mangel am Nothwendigsten.

) Zeitschr. f. preuss. Gesch. u. Landeskunde, 9. Jahrg., S. 252. 2) Es wird die Croatenschaar

unter Gil de Hasi und Lamhoi gemeint sein, die nach der Zeitschr. f. preuss. Gesch. u. Landesk., IX,

S. 252, furchtbar an der Werra hauste. 3 ) Landau, Beschreib, des Kurfürstenth. Hessen, S. 325Stamm- u. Rangliste des kurf. hess. Arineecorps v. J. 1866. 4) Es ist nicht bekannt, wann ThiloAlbrecht v. U. diesen Rang erhielt. 5) Die Erzählung der Ereignisse vor Volkmarsen im Wesentlichennach:Das Kurfürstenth. Hessen in malerischen Original-Ansichten (Darmstadt, 1850), S. 197 u. ff."(Verfasser ist nach denBeiträgen zur Gesch. der Fürstenthümer Waldeck u. Pyrmont, I, S. 635" derbekannte Historiker, Achivrath Dr. Landau in Cassel) und nach der Verteidigungsschrift Thilo Albrecht'sv. U. d. d. Cassel, 19. Juni 1632 im Staatsarchive zu Marburg. Siehe auch Landau, Beschreib, desKurfürstenth. Hessen, S. 218; Vgl. v. Rommel, neuere Gesch. von Hessen, IV, S. 196. Danach: v. Eberstein,Gesch. dieser Familie, S. 719, Note, sowie des Verfassers urkundl. Nachträge, 3. Folge, S. 156.