Druckschrift 
1 (1888) [Hauptbd.]
Entstehung
Seite
254
Einzelbild herunterladen
 

254

Dem Rufe des Königs von Dänemark Folge leistend, begab er sich 1628 nachHamburg, wo er laut abgeschlossener Capitulation mit dem Range eines Obersten fürden König ein Regiment anzuwerben begann. Als aber der mit dem Kaiser zu Lübeckgeschlossene Frieden (12./22. Mai 1629) die weiteren Werbungen verbot, ging er eineZeitlang nach Braunschweig und Hildesheim, dann auf seine Güter, die er zwei Jahrelang bewirthschaftete.

Gleich nach der Landung des Schwedenkönigs auf deutschem Boden (6. Juli 1630)war der Landgraf Wilhelm V. von Hessen-Cassel als der erste Reichsfürst entschlossen,mit diesem ein Schutz- und Trutz-Bündniss einzugehen, dessen Abschluss jedoch erstim folgenden Jahre zu Stande kam. In Folge dieses Vertrages, welcher den Landgrafenverpflichtete, ein Heer von einigen 1000 Mann auf eigene Kosten zu organisiren undschwedische Werbeplätze im eigenen Lande zu errichten, warb er auf dem LeipzigerTage der protestantischen Fürsten durch Patent d. d. Cassel den 20. Mai 1631 ') denThilo Albrecht v. U. als Oberst zu Ross und zu Fuss über ein Regiment von 8 Compagnienä 125 Köpfe (das weisse 2 ) Infanterie-Regiment) an. Ausserdem erhielt U. eine Bestallungvom König von Schweden. 3 )

In dieser Stellung geschieht seiner zuerst Erwähnung am 7. September 1631 inder für die schwedischen Waffen siegreichen Schlacht bei Leipzig (Breitenfeld), in welcherThilo Albrecht mit 5 Compagnien Reiter zu der Reserve gehörte, welche hinter demCentrum der Schlachtordnung Gustav Adolfs stand. Ausser diesen 5 Compagnienbestand die Reserve aus 350 commandirten Musketieren des Jacob Ramsay, aus 4-00 com-mandirten Musketieren des Robert Monroe, aus 260 commandirten Musketieren Hamilton'sund 5 Compagnien Reiter des Leibregiments unter Friedrich Moritz von Uslar. 4 )

Nach der Leipziger Schlacht war der Landgraf von Hessen von Gustav Adolfermächtigt, sein Heer auf 12 Regimenter zu Fuss und 1500 Reiter zu erhöhen, mitdenen er in einer Stärke von 8000 Mann zu Fuss, 10 Fähnlein Reiter und 14 Kanonendem nach Hessen ziehenden Tilly folgte. 5 ) Der kaiserliche Befehlshaber der Stadt Mündenbeeilte sich nach der ersten Begrüssung des hessischen Obersten Thilo Albrecht v. U.zur Uebergabe. (6. Octbr. 1631.) Die Bedingungen: ehrenvoller Abzug der nur aus600 Mann bestehenden Besatzung mit fliegenden Fahnen, brennenden Lunten undmit Kugeln im Munde, Schutz aller Bürger und Dienerohne einige Plünderung" wurdestreng gehalten. Sodann eroberte Thilo Albrecht v. U. und die Obersten Curtvon Dalwigk, Johann Geiso und Jacob Mercier die Stadt Höxter mit dem wichtigenWeserpasse, so wie die Städte Brakel, Salzkotten und Lippstadt. Von hier ging derMarsch des Landgrafen durch das Waldecksche und Oberhessische zur Vereinigung mitGustav Adolf, welcher über Würzburg und Frankfurt marschirte, nach dem Rheine.Unterwegs nahm Thilo Albrecht am 31. October (1631) in Fulda Quartier, von wo aus erdas Barfüsslerkloster Frauenberg in seinen Schutz nahm. (Reg. 1040.) Mitte Novembererschien er in Kirchhain bei Marburg und fragte an, ob für ihn und sein in Kirrdorf liegen-des Regiment keine Ordonnanz eingetroffen sei. Da dies nicht der Fall war, so zog er wiederab, indem er die Absicht äusserte, sich nunmehr nach Homberg a. d. Ohm zu wenden. 6 )Am Rhein wurde beschlossen, die von 2000 Spaniern mit 80 Kanonen vertheidigteStadt Mainz von zwei Seiten anzugreifen. Während der König bei Rüsselsheim denMain passirte und die Bergstrasse gewann, dann den Rhein unweit Stockstadt Angesichtsder Spanier mit einigen Schiffen überschreitend, bis Mainz vorrückte, wurde demLandgrafen Wilhelm V. von Hessen der Rheingau angewiesen. Dieser zog überHochheim, welches Uslar am 3. December besetzte, Kostheim und Eltville, trieb denFehM vor sich her, unternahm einen glücklichen Angriff auf die Mainspitze, eroberteden Ehrenfels, den Mäusethurm, die Stadt Bingen, und unterstützte so kräftig die wichtigeEinnahme von Mainz. (13./23. Decbr. 1631.)

Als darauf Nachrichten von dem Anzüge Pappenheim's den Landgrafen nachCassel beriefen, bemächtigte sich am 25. December 1631 in der Nacht' der Oberst

1) Copie im Landeshauptarchive zu Wolfenbüttel. ff N ac h d er Farbe der Fahnen oderStandarten. Eine gleichmässige Uniformirung gab es noch nicht. 3) v . Rommel, neuere Gesch. vonHessen, IV, S. 148168; Stamm- u. Rangliste des kurf. hess. Armeecorps v.J. 1866, welche Thilo Albrechtv. U. auch als Oberst über das blaue Regiment (Cavallerie) von 16311633 aufführt. ff Hess, Gott-fried Heinrich, Graf zu Pappenheim, S. 151; ungenau im Theatr. Europ., II, S. 433. ff v. Rommel,1. c., IV, S. 160 u. ff.; Lotze, Gesch. der Stadt Münden, S. 86. ff Orig.- Bericht des Schultheissen zuKirchhain im Staatsarchive zu Marburg.