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Friedrich Ulrich von Wolfenbüttel befohlen hatte, wegen der vielen im Lande raubendenStreifschaaren die Stadtthore gut zu verwahren und nur Bekannte einzulassen. VollMissmuth erwiedert Thilo Albrecht dem Rathe, er müsse bitten, sich eines Besserenzu besinnen, da der landesherrliche Befehl doch nicht untersage, ihm und dem Herzogevon Weimar und einem dritten „ansehnlichen Legaten" als wohlbekannten Personendie Herberge zu gönnen, und entgegnete, als der Rath versicherte, dass es selbst dazueines besondern Creditivs des Fürsten bedürfe, jener ansehnliche Legat sei kein anderer,als der Bruder des Landesherrn, Bischof Christian von Halberstadt. Dessen ungeachtetverharrte der Rath bei der einmal abgegebenen Erklärung. „Wenn," schrieb hieraufUslar (3. Februar 1622) „ein ehrbarer Rath sich der Auf- und Einnehmung halber zumhöchsten geweigert hat und gleichwohl des Bischofs fürstliche Gnaden itziger Zeit nichtunter dem blauen Himmel commoriren mögen, so muss und will ich alsbald in dieserBeziehung mein unterthäniges Gesuch an den Landesherrn richten." 1 )
Noch in demselben Jahre (1622) wurde Thilo Albrecht als Oberstlieutenant zuRoss über eines der beiden Regimenter, welche der Herzog Wilhelm von Weimar fürden Markgrafen Georg Friedrich von Baden-Durlach geworben hatte, von Letzterem mitanderen Truppen dem wegen seiner Tollkühnheit unter dem Namen „der tolle Christian"bekannten Herzog Christian von Braunschweig, Bischof zu Halberstadt, zu Hülfe geschickt.Als dieser jedoch am 20. Juni 1622 bei Höchst geschlagen wurde, erhielt Thilo Albrecht,der in der Schlacht rühmlich mitgefochten, seinen Abschied und ging nach Wake, woer sich noch in diesem Jahre mit Sophie, der Tochter des Christian IL von Adelebsenund der Margarethe geb. von Steinberg-Wispenstein verheirathete.
Auf dem am 26. Januar 1623 in Braunschweig eröffneten Kreistage wurde dieAufstellung eines Heeres beschlossen, an dessen Spitze der Herzog Georg von Lüneburgdie Neutralität des niedersächsischen Kreises gegen die nahenden Heerhaufen Tilly'sbehaupten sollte. Für die Charge eines General-Wachtmeisters über die Infanteriedieser Armee wurde Jost Andreas von Waldhausen oder Thilo Albrecht von Uslarvorgeschlagen, allein der kühne Vormarsch des Herzogs Christian von Braunschweignach Westfalen zur Vereinigung mit den Niederländern liess die beschlossene Kreis-bewaffnung bald ins Stocken gerathen, und der unglückliche Ausgang der Schlacht beiStadtlohn (6. August) bewirkte vollends, dass sie nie ganz zur Ausführung kam. 2 )
Im Februar 1624 wurde vom Herzog Friedrich Ulrich die Defensionsverfassungin's Leben gerufen und Thilo Albrecht v. U. zum Oberstlieutenant über die Truppender calenbergischen Landschaft bestellt. 3 ) Da sie nie in Aktion kam, so konnte ThiloAlbrecht schon im Herbste 1625 wiederum in den Dienst des Herzogs Christianvon Braunschweig treten, 4 ) von welchem er jedoch erst am 20. April 1626 eineBestallung als Oberstlieutenant über 500 Arkebusier-Reiter mit dem Auftrage erhielt,eine Compagnie von 120 Köpfen anzuwerben. 5 ) Das Regiment kam jedoch nicht zuStande, weil Herzog Christian am 6./16. Juni 6 ) starb und die feindliche Invasion dieWerbung unmöglich machte. Deshalb focht er ohne Bestallung in der Schlacht beiLutter am Barenberge (17./27. August 1626) mit, in welcher König Christian IV.von Dänemark eine völlige Niederlage erlitt.
Wenige Tage vor der Schlacht war Herzog Friedrich Ulrich zum Kaiser über-getreten, in Folge dessen er seine Regimenter von den dänischen Fahnen zurückrief. 7 )Ein besonderer Befehl des Herzogs, alle Werbungen einzustellen und dem Dienste gegenden Kaiser zu entsagen, zwang Thilo Albrecht, sich mit einer Sauvegarde des GrafenTilly auf seine Güter zu begeben. Diese fand er arg verwüstet, sich selbst sah er baldden härtesten Bedrohungen, bald hohen Versprechungen ausgesetzt, um seinen Uebertrittin den Dienst der Liga und zum Katholicismus zu bewirken. Aber allen VerlockungenTrotz bietend, blieb er ruhig in der Heimath.
Im folgenden Jahre treffen wir ihn in Weimar, wo er am 18. Juli (1627) bei der Be-erdigung des Herzogs Johann Ernst zu Sachsen-Weimar der fürstlichen Leiche voranschritt. 8 )
!) Archiv des hist. V. f. Nieders., 1848, S. 75, wobei jedoch zu bemerken, dass Herzog Christianzu den hier angegebenen Zeiten mit dem Heere in Westfalen stand. (Vgl. das cit. Archiv v. J. 1845,S. 20 u. ff.) — 2 ) Opel, der niedersächsisch-dänische Krieg, I, S. 392. — 3 ) Ribbentrop, Landtagsabschiede,11, S. 2; Havemann, 1. c. (v. J. 1853/57), II, S. 632, Note 1. — 4 ) Opel, 1. c., II, S. 359. — 3 ) Patentim Landeshauptarchive zu Wolfenbüttel. — 6 ) Nicht Mai, wie mehrfach angegeben wird. 7 ) KönigChristian IV., welcher die herzoglichen Truppen mit sich in Stade hatte, entliess sie nicht. Es war das Regi-ment Garde, das rothe, blaue und gelbe Infanterie-Regiment, die Garde du Corps, die später v. Rauchhaupt-schen Reiter und ein Theil der Artillerie. — 8j Müller, Sächsische Annalen von 1400—1700, S. 332.