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1 (1888) [Hauptbd.]
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1605 zur förmlichen Belagerung der Stadt. Der tapfere Widerstand der mit der Hanseverbundenen Bürger führte am 9. Januar 1606 zu einem achtwöchigen Waffenstillstand.Aus dieser Zeit liegt ein Schreiben des Hans Emst v. U. aus Wolfenbüttel vom5. Februar 1606 vor, worin er und andere herzogliche Officiere auf Grund der Nr. 7des Waffenstillstandes von dem Stadtrathe zu Braunschweig die Entlassung der Ge-fangenen gegen Erlegung eines Monats-Soldes fordern. (Reg. 1022.) Der Waffen-stillstand wurde aber wegen der hohen Forderungen des Herzogs gekündigt und dieFeindseligkeiten dauerten sogar noch unter der Regierung des Herzogs FriedrichUlrich fort.')

Schon bald nach der erwähnten Verhandlung mit dem Rathe zu Braunschweighatte Hans Ernst das Belagerungsheer verlassen und sich wiederum in den Dienst desKönigs von Spanien begeben. Dass er am 5. Mai 1606 schon fort war, erfahren wiraus einer Aeusserung seiner Wirthin, der Wittwe des Hans Albers, welche berichtet, derOberstlieutenant sei eilig fortgegangen und werde wohl schwerlich nach Braunschweigzurückkehren. 2 )

Als spanischer Oberst über ein hochdeutsches Regiment zu Fuss 3 ) nahm er ander Einnahme der Festungen Bredevoort und Rheinberg, sowie der Städte Groenlo undLochern Theil, verblieb auch nach dem mit den Niederlanden im Jahre 1609 geschlossenenzwölfjährigen Waffenstillstände in Folge dessen sein Regiment aufgelöst wurdeauf königlichen Befehl in Brüssel im Dienste des österreichischen Erzherzogs Albrecht,Statthalters der Niederlande, für dessen Gemahlin Isabella Clara Eugenie er in demgenannten Jahre einen mit 3000 Diamanten und 20 000 Perlen besetzten Mantel imWerthe von 400 000 Kronen nach Italien für das Marienbild in Loreto gebrachthaben soll.

Erst im Januar 1613 treffen wir Hans Ernst wieder in der Iieimath bei Ertheilungeines Expectanz-Briefes (Reg. 1023), und als Herzog Heinrich Julius am 30. Juli zu Praggestorben war, schritt er bei dessen Bestattung in Wolfenbüttel am 4. October 1613unter anderen Edelleuten, eine schwarze brennende Fackel mit angeheftetem fürstlichenWappen und eine Trauerbinde tragend, neben der Leiche. 4 )

Den letzten Kriegsdienst leistete Hans Ernst seinem neuen Landesherrn, demHerzog Friedrich Ulrich, als Oberst über ein Regiment zu Fuss während der neuenMisshelligkeiten mit Braunschweig, welche im Jahre 1615 zu einer abermaligen Be-lagerung der Stadt führten. Erst am 21. December musste der LIerzog auf Zuredendes Kaisers und anderer Fürsten Frieden schliessen.

In seinen letzten Lebensjahren scheint Hans Ernst sich ausschliesslich den ihm alsDeputirten der calenbergischen Ritterschaft und als Senior der Familie obliegendenGeschäften gewidmet zu haben. In erstgenannter Stellung war er am 19. October 1614auf dem Landtage in Elze (Reg. 1025) und am 22. November d. J. auf dem Landtagein Einbeck (Reg. 1026) bemüht, die Stände zur Uebernahme ihres Antheils von600000 Thalern auf die Gesammtsumme von 1200000 Thalern zu bewegen, welche derHerzog zur Tilgung der ihm von seinem Vater überkommenen Schuldenlast bedurfte.

Als Senior zeigt er sich zuletzt 1614. (Reg. 1024.) 5 )

In der ersten Plälfte des Jahres 1618 ist Hans Ernst zu Wake gestorben unddort beigesetzt.

Eine mit schneidender Schärfe, aber nicht unparteiisch abgefasste, in die Jahrevon 1613 bis 1625 fallende Charakteristik des Ilofes Herzogs Friedrich Ulrich unter derRegierung des berüchtigten Statthalters Anton von der Streithorst führt den OberstHans Ernst v. U. mit dem Zusätze:Fortunae satelles" auf. 6 )

Hans Ernst hatte mit Elisabeth, des Adrian von Lüerwald a. d. LI. Suttrop undder Catharina von Schlingwurm a. d. H. Dinkeler Tochter, 7 Söhne und 8 Töchter.

') v. Vechelde, Braunsehw. Geschichten, S. 2860. 2) Braunschw. hist. Händel, III, S. 789.

3) In der Biographie seines Sohnes Georg wird dessen Stärke zu 3000 Mann angegeben. ') Rehtmeier,

I. c., S. 1187. 5) Vgl. Reg. 1028 und aus der früheren Zeit seines Seniorats die Regg. 996, 1000, 1002,1008, 1020._ 6) Vom Orig. vollständig gedr. inZeitschr. des hist. V. f. Niedersachsen, 1883, S.294";

unvollständig u. fehlerhaft: N. vaterl. Archiv, 1831, I, S. 346; Havemann, I.e. (Ausg. v. J. 1837/38),

II, S. 13, Note; derselbe (Ausg. v. J. 1853/57), II, S. 584, Note; Opel, der niedersächsisch-dänische Krieg,I, S. 228.