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1 (1888) [Hauptbd.]
Entstehung
Seite
231
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in die Heimath zurück. Zu dem Reichstage, welcher am 1. September desselben Jahres(1547) in Augsburg eröffnet wurde, entsandte Erich mehrere seiner Käthe und Edlen,unter den Letzteren auch Ludolf v. U. (Reg. 944), weil ihn der Herzog nach der Ver-sicherung Specht's nicht nur sehr hoch schätzte, sondern ihn auch stets in seiner Nähehielt. Erich selbst blieb daheim, verfolgte mit immer grösserer Härte die Anhängerder neuen Lehre und belastete durch seine Verschwendung sein Fürstenthum mit immerneuen Pfandschaften. Im Jahre 1548 fand er sich in so bitterer Bedrängniss durchseine Gläubiger, dass er am 2. Februar von Ludolf v. U. 1000 Rh. Gulden leihen musste,und ihm für die Zinsen dieses Capitals die Einkünfte des Klosters Reinhausen l) ver-pfändete. (Regg. 945, 946.)

Inzwischen hatte der Sieg des Kaisers bei Mühlberg (24. April 1547) dem vorfast zwei Jahren beim Kloster Höckelheim gefangenen Herzog Heinrich II. (d. J.)von Wolfenbüttel die Rückkehr in sein Land erschlossen. Als künftiger Erbe von Erich'sLändern erwirkte Heinrich im Jahre 1551 vom Kaiser ein Edict, durch welches erselbst und die Kurfürsten Joachim IL von Brandenburg und Moritz von Sachsen zuCuratoren über das Vermögen des verschwenderischen LIerzogs ernannt wurden. DieserEingriff in seine Regierungsrechte trieb Erich in ein Bündniss mit dem unruhigen Mark-grafen Albrecht von Brandenburg-Culmbach, gegen welchen sich eben damals Moritzvon Sachsen mit Heinrich II. (d. J.) von Wolfenbüttel verband, um ihn zum Aufgebenseiner räuberischen Pläne gegen die Stifter Bamberg und Würzburg zu zwingen. Ander blutigen Schlacht bei Sievershausen, in welcher der Markgraf geschlagen wurde,nahm weder Erich noch Ludolf v. U. persönlich Theil. Letzteren sandte der Herzogmit dem Fähnlein umherschweifender Landsknechte, welches ihm Ludolf bei seinerRüstung gegen den Vetter von Wolfenbüttel in Hardegsen zugeführt hatte (Reg. 952),zur Verstärkung nach der Festung Erichsburg. Als er auf dem Marsche dorthin vorder Stadt Dassel eintraf, erhielt er von dem Commandanten der Erichsburg den Befehl,100 Knechte bis auf Weiteres nach Markoldendorf zu detachiren, den Rest aber nachder Stadt Moringen zu verlegen. Ludolf leistete der Entsendung nach Markoldendorfkeine Folge, sondern marschirte am 21. Mai mit seiner ganzen Mannschaft nach Moringen.Allein die Bürger dieser Stadt weigerten sich, mehr Knechte aufzunehmen, als ihnenvon den fürstlichen Räthen befohlen war, so dass Ludolf v. U. sich genöthigt sah,ausserhalb der Stadt zu lagern. Als er am dritten Tage hinein gelangte, und dieLandsknechte sich durch allerlei Muthwillen an den Bürgern rächten, verlangten plötzlichdie Befehlshaber der Erichsburg, weil das Gerücht eines feindlichen Anmarsches vonDuderstadt her zu ihnen gedrungen war, die sofortige Verstärkung der Festung durchLudolfs Landsknechte. Diese aber wandten sich ob mit oder ohne Ludolfs Willenlässt unsere Quelle 2 ) nicht erkennen anstatt nach Norden südwärts nach Göttingen,wo derzeit Herzog Erich sich aufhielt und Ludolf mit harten Vorwürfen empfing. Dieserschob alle Schuld (unsere Quelle sagt:ohne allen Grund") auf die Moringer und reizteden Herzog so sehr gegen diese, dass er sie zu züchtigen befahl. Demgemäss zogLudolf v. U. mit seinen Knechten und einigen Reutern vor ihre Stadt, riss den Wallein, nahm 113 Doppelhaken und Feldschlangen weg, und liess sie auf die FestungErichsburg bringen. Auch beide Bürgermeister und zwei Rathsherren Namens DetmarReffkarn, Hans Wendel, Curd Manshusen und Curd Castrop wurden als Gefangene mit-genommen, auf Wilhelm von Grumbach's, Claus Barner's und Henni von Bortfeld'sFürsprache beim Herzoge aber gegen ein Lösegeld von 1000 Gulden wieder frei gegeben.

Beim Anmärsche des siegreichen Herzogs Heinrich II. nach der Schlacht beiSievershausen (9. Juli 1553) zur Demüthigung Erich's II. und zur Belagerung der Erichs-burg, deren Besatzung 3 ) die Unterthanen der Herrschaft Homburg beraubt hatte, 4 ) warLudolf v. U. nach dem Zeugniss der Chronisten Befehlshaber in der Festung. SeinerUmsicht und Tapferkeit soll es gelungen sein, durch zahlreiche glückliche Ausfälleden Feind zum Aufgeben der Belagerung zu zwingen. Auch auf einem ganz unbekanntengräflichen Schlosse Werdeburg soll er zu einer ungenannten Zeit, nachdem er esgenommen, Commandant gewesen sein.

') Nach dem Reinhäuser Copialbuche (im Staatsarchive zu Hannover) dauerte die Pfandschaftbis Novbr. 1551; nach einer anderen Nachricht 5 Jahre lang (vgl. Reg. 900). 2 ) Der hier glaub-

würdige, weil zeitgenössische Letzner inHandschriften XXIII, 774 der Kgl. Bibliothek zu Hannover."

3) Nach Mithoff, 1. e., II, S. 56 bestand sie aus 500 Bauern und Landsknechten. 4 ) Havemann,

Gesch. d. Lande Braunschw. u. Lüneb. (1853/57), II, S. 339.