Druckschrift 
1 (1888) [Hauptbd.]
Entstehung
Seite
229
Einzelbild herunterladen
 

229

Der nun folgende Abschnitt unserer Familien - Geschichte führt uns eine Reihevon Mitgliedern der Familie vor, denen es im Laufe der Jahrhunderte vergönnt war,ihren erwählten fürstlichen Dienstherren, wie dem Vaterlande mehr oder minder er-spriessliche Dienste zu leisten. Fast ausschliesslich geschah dies in Kriegsdiensten, undinsbesondere war es den Brüdern Georg, Thilo Albrecht und Friedrich Moritz (Nr. 175,177, 178 der Biographien) vergönnt, mit kräftiger Hand in die Geschicke des Vater-landes einzugreifen.

Glaubten wir in dem ersten Abschnitte dieses genealogischen Theiles möglichstvollständig bei jedem einzelnen Familien-Mitgliede dasjenige beibringen zu müssen, wasAvir aus alten Urkunden und sonst beglaubigten Quellen zu schöpfen und im engenAnschluss an die Geschichte der Länder dem Leser vorzuführen vermochten, so tretenwir mit dem zweiten Abschnitte in die Zeit der Ausbreitung der Buchdruckerkunst undder Vielschreiberei ein, welche der Geschichtschreibung ein wesentlich anderes Geprägegaben. Wir glaubten daher, je mehr Avir uns der Gegenwart nähern, auch unsere, imdritten Buche dieses Werkes niedergelegte Urkunden-Sammlung auf solche Documentebeschränken zu müssen, Avelche ein mehr oder weniger bleibendes Interesse beanspruchendürfen, und namentlich Alles ausscheiden zu müssen, was ausserhalb des uns gestecktenZieles lag. Dahin gehören insbesondere die grosse Menge der durch die stete Wieder-kehr ihres einförmigen Inhalts ermüdenden Lehnbriefe unseres Familien-Archivs, sowie diebedeutende Sammlung Uslar'scher Akten, welche vornehmlich das hiesige Kgl. Staats-archiv beherbergt. Die Benutzung dieses schätzbaren Materials bleibt dem künftigenBearbeiter einer ausführlichen Geschichte des Güterbesitzes unserer Familie vorbehalten;unsere Aufgabe erachten Avir für gelöst, Avenn es uns gelingt, unsere lebenden Ver-Avandten, Avie unsere Nachkommen an der Hand authentischer Stammtafeln bis in diedunkele Zeit des beglaubigten Anfangs unseres Geschlechts zurückzuführen, damit einer-seits unter den Lebenden das Gefühl der Zusammengehörigkeit und der Sinn für dieGeschichte der Väter geweckt wird, andererseits den kommenden Generationen eineGrundlage und Anregung zu weiterer Forschung gegeben wird.

Dass das bescheidene Maass unserer Fähigkeit trotz des besten Willens und trotznie erlahmter Freudigkeit an der Arbeit nicht ausreichte zur Bewältigung der sich auf-thürmenden Schwierigkeiten, dessen sind wir uns voll bewusst. Dazu gesellte sich derMangel brauchbarer Vorarbeiten und die für den Verfasser schmerzliche Erfahrung, dassein Theil der Familien - Mitglieder sich seiner durch das Circular vom 27. Februar 1880ausgesprochenen Bitte um Auskunft bezAV. Mitarbeit verschloss und damit die Lloffnungauf Ausfüllung der in den nachstehenden Biographien vorhandenen Lücken wohl füralle Zeiten vernichtete.

fSU

Zehntes Capitel.

Die Luclolf'sche Linie.

Wir haben am Ende des ersten Abschnitts unserer genealogischen und biographischenNachrichten gesehen, dass beim Absterben Wedekind's II. im Jahre 1540 oder 41 dessenfünf Söhne: Christoph, Jobst, Ludolf, Hans VIII., Ernst XVL und Melchior den Stammdes Uslar'schen Geschlechts repräsentirten. Christoph's Descendenz erlosch bereits inder folgenden Generation und ist deshalb von uns schon im vorigen Abschnitt besprochen.Jobst, Hans VIII. und Ernst XVI. starben ohne Leibeserben und nur Ludolf und Melchiorwaren bestimmt, das Geschlecht bis auf unsere Tage fortzusetzen.

Wir beginnen mit Ludolf, als dem Aelteren der Stammväter beider Hauptlinienund seiner Descendenz.

110. Ludolf. Wenn die Angabe richtig ist, dass Ludolf im Jahre 1510 dasLicht der Welt erblickte, so muss er etAva acht Jahre alt gewesen sein, als er und seineBrüder Christoph und Jobst zu Lebensrettern ihres Vaters wurden. Wie bekannt,machte um's Jahr 1518 ein s. g. Einspänniger mit seinem Knechte auf dem SchlosseAltengleichen ein Attentat auf das Leben des Schlossherrn, Avelches nur durch denglücklichen Zufall vereitelt Avurde, dass seine genannten, auf der Schlossbrücke spielendenSöhne einen schweren Stein in den trockenen Schlossgraben hinabAvälzten, welcher' den

Stamm-tafel II.

XIII. Gene-ration.