Druckschrift 
1 (1888) [Hauptbd.]
Entstehung
Seite
220
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wollten gern Deutsch lernen und für Einspännige reiten. Da habe Kersten Gunters,des Wedekind v. U. Vogt, gesagt:das diente meinen Junkern wohl," was aber derEdelmann geantwortet, wisse sie nicht.

Vor dem Schlafengehen habe sie dem Edelmanne für sein Geld ein Strohlagerbereiten müssen, darauf habe sich dieser, mit dem Ranzen unter dem Kopfe, gelegt,und als ein gewisser Hildebrand Peters versucht habe, sein Lager neben dem Edelmannezu nehmen, habe des Letzteren Knecht sich zwischen Beide gelegt. Dennoch sei derEdelmann für die Sicherheit seines Geldes in dem Ranzen besorgt gewesen und habedeshalb sie, die Wirthin, gebeten, ihm den Ranzen sicher zu verwahren, worauf siedenselben in einen Kasten ihrer Kammer gelegt habe. Als ihr Mann dies vernommen,habe er trotz ihrer Warnungen den ledernen Sack geöffnet, einen schwarzen Beutel,dessen Inhalt ihr unbekannt geblieben, heraus genommen und den Sack wieder anseinen Platz in den Kasten gelegt.

Bevor die beiden Gäste am andern Morgen ihre Reise fortgesetzt, habe sie ihnenauf ihr Begehren den Ranzen zurückgeben müssen. Den Verlust des Geldes hätten siesogleich bemerkt, und sie dies ihrem Manne mitgetheilt, dieser aber sei ihrer Besorgnissmit den Worten begegnet:Was geht das Dich an, dafür lass mich sorgen." Dann seiihr Mann mit den Reisenden fortgegangen, wohin, wisse sie nicht. Nicht lange nachher so lässt die Voipel sich weiter vernehmen kam der Uslar'sche Vogt KerstenGunters zu mir und fragte, wohin mein Mann mit den beiden Wanderern gegangen sei.Als ich ihm bedeutet, dass mir solches unbekannt sei, ging er fort; ob er ihnen folgte,weiss ich nicht. Erst Abends kehrte mein Mann zurück, erzählte mir den verübtenMord und erwiderte auf meine geäusserte Besorgniss, dass die Junker von Uslar dasVerbrechen erfahren könnten, nur:dafür lass mich sorgen, wir wollen uns mit unserenJunkern von Uslar schon so vertragen, dass es dieserhalb keinen Mangel haben soll."

Befragt: ob sie den Edelmann nicht als einen von Bodenhausen erkannt hätte,erklärt die Voipel, sie habe nicht darauf geachtet; hätte sie solches nur vermuthet, sowürde sie besser auf ihn Acht gegeben haben; es sei ein feiner und grosser jungerMann mit gelbem krausen Haar und einem Gesicht wie Milch und Blut gewesen, dessenTod ein unermesslicher Verlust sei.

Befragt: ob ihr Mann ihr nicht Auskunft über die Personen gegeben, erklärte sie:Ja, er sagte, der junge Mann habe, als sie auf ihn los schlugen, gerufen:Herr Wirth,schonet meiner und seid der beste Freund, ich bin ein Edelmann von Bodenhausen!"Als ich dann in meiner Betrübniss meinem Manne die Frage stellte, was daraus werdenwürde, wenn ich seine an mir geübte Behandlung damit vergelten wollte, dass ich denMord ausbrächte, erwiderte er:Thätest Du das, so würde ich Dich derart zurichten,dass mir für Deine Nachsagen nicht leid sein sollte."

Befragt: ob die Junker von Uslar um den Mord gewusst, erwiderte sie, dasmüsse sie glauben, weil der Vogt Kersten Gunters mit anwesend gewesen sei, und dessenKenntniss von der Sache vermuthe sie aus seiner in ihrem Hause am andern Morgengemachten Nachfrage. Ausserdem habe Christoph v. U. dieses und jenes von den vierMördern angenommen, und insbesondere sei ihr Mann öfters von dem Junker angesprochen.Einst, als Beide sich eines Weibes wegen entzweit hätten, habe der Junker gedroht, erwürde es ihrem Manne gedenken, falls dieser nicht wolle wie er. In Folge dessen seiihr Mann zu Christoph v. U. nach Benniehausen gegangen, habe dort zwei Tage langmit ihm Bier getrunken und sich anscheinend mit ihm vertragen, wenigstens habe ihrMann seitdem nicht nur friedlich unter dem Junker gewohnt, sondern sogar später, alsdie That ruchbar geworden, von ihm die Erlaubniss erwirkt, sein Haus, Hof und seinesonstigen Güter verkaufen zu dürfen und fort zu ziehen.

In Uebereinstimmung mit den beiden vernommenen Mördern bestätigt die Voipelauf Befragen, dass Christoph v. U. das Wams des Ermordeten von Toldike Wolffangenommen, damit dieser frei gehen könne; auch den goldenen Hutkranz habe ererhalten; dagegen macht sie über die Theilung des Raubes Angaben, die von denfrüheren abweichen. Die That sei ruchbar geworden, weil Marggraf und Gruelein die,wenn auch veränderten, Kleider aus der Beute öffentlich getragen hätten.

Schliesslich über den Verbleib des Geldes befragt, sagt sie, sie wisse davon nichts.Ihr Mann habe dasselbe in der Dorntzen ') von einem Balken genommen und gesagt,

b Heizbare Stube.