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er es ihnen wegnehmen könne. Als ich dann, seiner Aufforderung entsprechend, in dasHaus eingetreten war, liess Voipel den Hans Marggraf und Toldike Wolff rufen, woraufVoipel es unternahm, den Knecht des Edelmanns heimlich auszuforschen. Wir wurdeneinig, der Wirth solle in der Nacht das Geld aus dem Ranzen des Edelmanns stehlen,am anderen Tage wollten wir dann gemeinschaftlich die beiden Reisenden ermorden undberauben, was um so leichter auszuführen sei, als der Edelmann den Wirth gebeten,ihn durch das Holz zu geleiten.
Zur Ausführung der That begab ich mich mit Hans Marggraf der Verabredunggemäss früh morgens nach dem erwähnten, zwischen Wake und Landolfshausen gelegenenHolze, wo wir auf der s. g. Kolinge in dem „engen Stege" ') die beiden Genossen mitihren Opfern erwarteten. Als diese die bezeichnete Stelle erreicht hatten, schlugenVoipel, welcher den Reisenden voranschritt, und Wolff, welcher ihnen folgte, den Junkermit Kolben zu Boden, worauf Voipel ihn mit Axt und Messer vollends tödtete. DerKnecht entfloh, wurde aber von Marggraf und mir eingeholt und vermittelst des Spiesses,den Marggraf ihm durch den Leib rannte, und mittelst der Schläge, die ich mit demStocke gegen seinen Kopf richtete, ebenfalls umgebracht. Bei Plünderung der Leichenfanden wir in dem von dem Knechte getragenen Ranzen, sowie in des Junkers Taschenein Wams von himmelblauem Tafft und zwei goldene Ringe, von denen der eine einSiegelring mit blauem Steine war, an baarem Gelde aber nur 6 Schneeberger. 2 ) Ueberden Verbleib des übrigen Geldes äusserte Voipel auf unser Befragen, er habe dengeplanten Diebstahl in der vorigen Nacht nicht ausführen können, weil die Reisendendas Geld zu gut verwahrt hätten.
Nachdem wir dann die Leichen seitwärts des Weges eingescharrt, kehrten wirnach Wake zurück und theilten dort in meinem — Gruelein's — Stalle den Raub inder Weise, dass Wolff das Wams, Marggraf die Stiefel, den goldenen Hutkranz(Hutschnur) und das Rappier, ich selbst die Sporen, und mit Voipel zusammen diebeiden Ringe erhielt. Von des Junkers Rock bekam jeder einen vierten Theil; seinHut wurde, damit er nicht zum Verräther an uns würde, bei einem Hutmacher inGöttingen umgetauscht und der neu erworbene von mir und Marggraf abwechselndgetragen. Das Schwert (des Knechts?) ist ebenfalls in Göttingen gegen einen Dolch,den wir abwechselnd trugen, umgetauscht."
Auf besonderes Befragen: wer sie gewarnt, bevor sie sämmtlich die Fluchtergriffen hätten, erklärt Gruelein: „Eine gewisse Anna Toldike habe den Junker Christophvon Uslar zu Wake um Geleit gebeten, und nachdem sie eine Nacht von ihm beherbergtsei, sagte sie mir, der Junker wolle mich und Wolff des Mordes wegen greifen lassen,„wenn wir beide fort wären." Ich habe dann Wake mit dem benachrichtigten Wolffverlassen und mich in Weende und anderen Orten aufgehalten, während Wolff alsbaldzurückkehrte. Letzterer erzählte mir später, er habe dem Christoph v. U. das blauseidene Wams geschenkt, und dieser habe es selbst von ihm abgeholt. Er wolle —so fügte Wolff hinzu — dem Junker noch eine Verehrung schenken, damit er ihm„der Sach' halber" Geleit gebe, in Wake unter ihm zu wohnen. Weiter weiss ich nichtsanzugeben, Wolff aber und Voipel werden mehr aussagen können."
Befragt: ob Christoph v. U. gewusst, dass das Wams von dem Morde herrühre,erklärte Gruelein, das wisse er nicht, glaube es aber.
Befragt: ob er von Christoph v. U. Geleit erhalten, erwiderte er: „nein, ich binauf eigene Gefahr fortgegangen."
Schliesslich befragt, wer sie vor dem letzten in Gelliehausen gehaltenen Gerichtegewarnt, als die Gemordeten gefunden waren, sagte Gruelein, sie wären flüchtig ge-worden, weil sie von Wedekind von Uslar selbst die Worte gehört: „Ihr Gesellen vonWake, es geht ein böses Gerücht im Lande von Euch, wollt Ihr auch auf Galgen undRad dafür liegen. Plätte ich meine Söhne daheim, so würde ich die Thäter noch diesenAbend holen lassen, so aber habe ich alsbald ein peinlich Vestgericht nach Wakebestellt."
Der Hauptthäter Voipel wurde am 8. März 1536 zu Witzenhausen peinlich ver-hört. Seine über den Mord, sowie über die Vorbereitungen zu demselben gemachten
!) Anscheinend am jetzt sogenannten Wolfsgraben, (von Wangenheim, 1. c., S. 991.) — 2 ) EinSchneeberger = 12 Pfennige.