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1 (1888) [Hauptbd.]
Entstehung
Seite
212
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XII. Generation.

91. Ermengard. Todt 1505. Das einzige über diese Tochter Jürgens redendeZeugniss, das wir kennen, ist uns durch eine Urkunde vom 3. Februar 1505 (Reg. 850)erhalten, worin ihre verwittwete Mutter dem Cisterzienser - Nonnenkloster Höckelheini200 Gulden gegen die Verpflichtung schenkt, für sich und ihre Schwester Jutta von Iberdavon jährlich 10 Gulden auf Lebenszeit zu empfangen, in die Brüderschaft des Klostersaufgenommen zu werden und, falls sie es wünscht, Wohnung, freie Kost und Pflege imKloster zu erhalten. Ausserdem bedingt die Schenkgeberin, dass für die genanntenUslar, für ihre Tochter Ermengard, sowie für Luleff von Iber und dessen HausfrauBertheide (offenbar die Eltern der Jutta) und für alle aus dem Uslar'schen undIber'schen Geschlechte Jahresgedächtnisse im Kloster gehalten werden sollen.

Ermengard v. U. weilte also im Jahre 1505 nicht mehr unter den Lebenden.

92. Wedekind II. Geb. 1453(?), 1483todt 1541. Wedekind II., der Stamm-vater der Ludolf'schen und Melchior'schen Linien, kommt in den uns bekannt gewordenenDocumenten bis zum Tode seines Vaters wenig vor, da er vor dessen Ableben schonselbständige Stellungen einnahm, also im reiferen Mannesalter stand.

Sein erstes urkundliches Erscheinen datirt vom Jahre 1483, wo er mit seineinVater und seinem einzigen Bruder am 13. Januar dem Kloster Reinhausen die Mittelgewährte, um für nicht genannte Verstorbene Seelenmessen lesen zu lassen. (Reg. 819.)Drei Jahre später begegnen wir Wedekind in jener verderblichen s. g. hildesheimischenAccise-Fehde der Jahre 1485 und 86, zu welcher der Bischof Barthold durch die Ein-führung einer Steuer, welche die Stadt Hildesheim zu entrichten sich weigerte, dieVeranlassung gegeben hatte. Der Bischof fand Unterstützung bei dem Herzog Wilhelmd. J. von Braunschweig und dessen Sohne Heinrich 1. (d. Aelt.), während der Bundder Hanse der bedrängten Schwesterstadt Plülfe leistete. Dem Bunde der Städte schlössensich auch Herzog Heinrich IV. von Grubenhagen und der Bischof Heinrich III. vonMinden mit anderen Fürsten und Herren aus Westfalen an. Wer die Hülfstruppen derStadt Goslar in diesem Kriege bis um die Mitte des Jahres 1486 befehligte, ist nichtersichtlich. Am 7. Juli d. J. war Wedekind v. U. ihr Führer; denn er hielt an diesemTage die Stadt besetzt, als Herzog Heinrich I. (d. Aelt.) mit seinen und den stiftischenSchaaren herbeieilte, um die wenige Tage vorher 1 ) anscheinend unter Wedekind's Führungvollzogene Eroberung der Harzburg an den Bürgern der Stadt zu rächen. Da derHerzog einen offenen Angriff auf Goslar nicht wagte, so griff er zur List. Beim KlosterRiechenberg wurden 400 Reiter in einen Hinterhalt gestellt; er selbst ritt nahe vor dieStadt, um die Bürger zur Jagd auf ihn zu veranlassen. Das geschah. Die ausfallendenBürger wurden in den Hinterhalt gelockt; 20 Bürger verloren ihr Leben, viele trugenWunden davon und 450 nebst ihrem Hauptmann Wedekind von Uslar geriethen inGefangenschaft. Man brachte die Gefangenen zuerst nach Bockenem, später nach nahe-gelegenen Schlössern, bis sie sich durch hohes Lösegeld (200 Gulden) wieder frei machten.(Reg. 823 und Seite 87.) Dann wurde durch die beiden Frieden vom 20. December1486 2 ) dem wüsten Treiben der Kämpfenden ein Ziel gesetzt.

Es scheint, dass Wedekind nach seiner Befreiung aus der Haft den Dienst derStadt Goslar verlassen und still auf Altengleichen gelebt hat, denn ausser der Erwähnungseines Namens im Jahre 1488 (Reg. 830) hören wir nichts von ihm bis zum Jahre 1490,wo er als Hauptmann im Solde des Raths zu Lüneburg 3 ) wieder auftaucht. (Reg. 834.)Ohne irgend welche Auskunft über seine dort entfaltete Thätigkeit bezeugt uns Reg. 838seine dortige militairische Stellung noch im Jahre 1492, indem er am 1. März Namens

) Die Zeitschr. des Harz-Vereins, 1884, S. 170 nennt den 4. Juli und lässt auch die Braun-schweiger an der Eroberung der Harzburg Theil nehmen. 2 ) Schmidt, 1. c. II, S. 330; 334, Note 1;Kleinschmidt, 1. c. I, S. 204 u. ff, S. 209. 3) Durch einen Lesefehler verleitet, macht der ChronistSpecht (Seite H, 4) unsern Wedekind II. v. U. zum Gouverneur und Hauptmann der Stadt Nürnberg(statt Lüneburg). Die späteren Chronisten von Steinmetzen (S. 15) und Praetorius (Seite H, 2) schreibenihm gläubig nach, lassen aber denHauptmann' fallen. Nach einer gef. Mittheilung des Herrn SecretairsBoesch vom germanischen National-Museum in Nürnberg gab es Stadthauptleute in Nürnberg überallnicht. Auch findet sich weder in einem Manuscript des genannten Museums, welches alle ^ adeligenFamilien aufführt, von denen wenn auch nur vorübergehend das eine oder das andere Glied inNürnberg gewohnt hat, noch in den bis in die ersten Jahrzehnte des 16. Jahrhunderts reichenden Nürn-berger Chroniken, eine Spur von einem Uslar.