Druckschrift 
1 (1888) [Hauptbd.]
Entstehung
Seite
207
Einzelbild herunterladen
 

am 6. Juni 1463 das Schloss Gieboldehausen 1 ) für 1200 Gulden den Städten Heiligen-stadt und Duderstadt. 2 ) Ob nun die Pfandbesitzer den Dietrich v. U. als Amtmanndort einsetzten, oder auf welche Weise sonst Dietrich in den Besitz des Schlossesgelangte, ist nicht erkennbar. Wir erfahren nur, dass der Gegner Diether's von Isen-burg, der Erzbischof Adolf IL, nachdem er in Folge des wenige Monate später (am5. October 1463) geschlossenen Friedens in den ruhigen Besitz des Erzstifts gelangtwar, am 5. Juni des folgenden Jahres den Günther v. U. auffordert, bei den Eiden, dieer dem Stift geleistet, das Schloss sofort zu räumen und es einer oder allender in Reg. 769 genannten Personen zu überantworten, andernfalls aber am 16. Juliin Mainz zu erscheinen, um dort den Spruch des Gerichts zu empfangen. Dietrichscheint der Räumung Folge geleistet zu haben, da später das Amt in Gieboldehausenan Heinrich von Bodenhausen überlassen wurde. 3 )

Dem Kloster zur Klus bei Gandersheim sagte Dietrich v. U. im Jahre 1465 seinenbesonderen Schutz zu und bat die dortigen Mönche für sein Seelenheil und das seinerVorfahren, welche dem Kloster Güter zugewandt (vgl. Regg. 596, 597, 698, 703, 729,770), beten zu wollen. (Reg. 776.) Welcher Art das Versprechen war, welches erCord von Hanstein gegeben und nun von diesem am vorletzten Tage des Jahres 1465wegen desselben gemahnt wurde (Reg. 779), steht dahin. Für den Bürger HermannStekel zu Göttingen verbürgte sich Dietrich im folgenden Jahre beim Kloster Rein-hausen über 100 Rh. Gulden und gestattete dem Kloster, falls er säumig werden sollte,sich wegen allen etwaigen Schadens an einer der bei ihm deponirten Urkunden überden halben Zehnten zu Wollbrandshausen zu erholen. (Reg. 784.)

Mit dem Jahre 1465 erhoben sich wiederum Klagen über den Herzog Friedrich(den Unruhigen) und seinen Bruder Wilhelm d. J. von Braunschweig, welche Waaren-züge auf offener Landstrasse beraubt hatten. Braunschweig, Hannover, Hildesheim undGöttingen mit dem Aufgebot des sächsischen Städtebundes beschlossen, das Unrecht zurächen. Im Verlauf der Fehde 4 ) erbauten die Göttinger (1466) gegen die Brüdervon Kerstlingerode, welche es mit den Herzögen hielten, auf dem Felde von Wüsten-Kerstlingerode einen Wartthurm, den sie spottweise den Käsenapf nannten. Darübererbittert, überfielen die Herren v. K. ohne Verwahrung die Warte und zerstörten sie. 5 )Der Streit überdauerte den zwischen den Herzögen und den Städten am 29. Mai 14-67geschlossenen Frieden. 6 ) Erst am 13. Januar 1469 vermitteln Dietrich V. v. U., Bodevon Adelebsen und Günther von Boventen alle Knappen genannt eine Aussöhnungmit der Stadt, bei welcher die von Kerstlingerode versprachen, die Warte wieder-herzustellen oder die Kosten zu bezahlen, auch den dem Wartmanne zugefügten Schadenzu ersetzen, Alles unter Bürgschaft der Friedensstifter. (Reg. 791.) Zwei Monatespäter nennt Reg. 792 unsern Dietrich unter den Mitgliedern der göttingischen Ritter-schaft, welchen Herzog Otto II. (der Siegreiche) von Braunschweig - Lüneburg anzeigte,,dass er den vierten Theil des Landes Göttingen für 14-500 Rh. Gulden seinem Vetter,.Herzog Wilhelm 1. (d. Aelt.) auf 10 Jahre verpfändet habe.

Es folgt nun ein Zeitraum von mehr als vier Jahren, in welchem wir vonDietrich nichts hören. Das muss um so mehr aulfallen, als wir sonst in dem zweitenAbschnitte seines Lebens kaum ein Jahr lang der Nachrichten über ihn entbehren.Wir werden ihn deshalb in dieser Zeit auf irgend einem Schlosse als herzoglichenAmtmann oder dgl. zu suchen haben, schwerlich wohl als Theilnehmer an auswärtigenoder heimischen Kriegen, wozu die Neigung ihm gefehlt zu haben scheint. Erst am:9. Juni 1473 begegnen wir ihm wieder, als Mitglied der Ritterschaft den Friedens-

0 Zum Jahre 1477 kennt Wolf, eichsf. Urkb., Abhandl. über den eichsf. Adel, S. 40 u. a. O.,einen Henrich von Uslar als Burgmann in Gieboldehausen. Das ist falsch. Er hiess Heinrich Ysselraer(Leuckfeld, Antiq. Poeld., S. 80) oder Ysselvar, und erscheint unter diesen Namen schon 1457 als dortigerBurgmann und plessischer Vasall (Pless. Copialbuch, X, 17 im Staatsarchive zu Hannover), sowie am13. April 1474- (Orig. Pless. Arch. im Staatsarchive zu Hannover) und am 22. Septbr. 1475 (im Uslar-schen Familien-Lehns-Archive) als Burgmann daselbst und Aussleller einer Urkunde. Zuletzt ist er am17. Januar 1480 als Burgmann in Gieboldehausen bekannt. (Orig. Pless. Archiv daselbst.) Nach denAntiq. monast. Poeled., S. 124 (Mscpt. Staatsarchiv zu Hannover) war er der Letzte seines Geschlechts.Von seinen Vorfahren ist 1437 Ludegher Ysilvar, Burgmann zu Gieboldehausen (Pless. Copialb., X, 17im Staatsarchive zu Hannover) und 1447 der Knappe Luder Yselfar (wohl derselbe) als quedlinburgischerLehnsmann (ab Erath, Cod. dipl. Quedlinb., S. 754) bekannt. - 2 ) Wolf, Denkwürdigk. von Giebolde-hausen, Beilagen, S. 11. 3) Daselbst, Beilagen, S. 14-. ") Siehe Vaterl. Archiv, 1841, S. 209;Dürre, 1. c., S. 235; O. von Heinemann, 1. c., II, S. 209. 5 ) Vgl. Schmidt, 1. c., II, Nr. 307.6) Daselbst, II, S. 281.