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1 (1888) [Hauptbd.]
Entstehung
Seite
151
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Sein Begräbniss wird Werner in der Klosterkirche zu Reinhausen gefundenhaben. (Regg. 317, 403.)

53. Ernestus IX. 1378—1401. Wenige Monate früher als sein älterer BruderWerner wird uns der Knappe Ernst IX., der Sohn des Ritters Ernst VIII., bei Testirungeiner Urfehdeschwörung Ludolfs von Gadenstedt und Ludwig's Byhen gegenüber demRathe zu Goslar vom Jahre 1378 bekannt. (Reg. 311.) Als Sohn des genannten Rittersnennen ihn auch mit seinem älteren Bruder die uns bekannten Urkunden von 1378(Reg. 317) und von 1380 (Reg. 322); ohne den Vater erwähnt ihrer das Reg. 328 vomJahre 1382. Zusammen erscheinen die vier Söhne Ernst's VIII. zuerst am 8. December1385 beim Abschluss des Vertrages, durch welchen sie dem Landgrafen Balthasarvon Thüringen ihr Schloss Neuengleichen gegen Jedermann, ausser gegen den HerzogOtto den Quaden, öffnen. (Reg. 348.) Wir wissen aus der Erzählung unserer Fehden,dass der Landgraf Balthasar des Schlosses bedurfte für den Krieg, den sein Alliirter,der Herzog Otto d. Q. schon längere Zeit gegen den Landgrafen Hermann den Ge-lehrten von Hessen geplant hatte. Ob die vier Brüder von Neuengleichen sich persönlichan den verwüstenden Einfällen in das Gebiet des Letzteren betheiligten, erfahren wirnicht ausdrücklich, es ist aber nach ihrer Stellung zu Thüringen wahrscheinlich.

Die Stadt Göttingen hatte ihrem Herzoge Otto d. Q. in diesem Kriege Heeres-folge geleistet. Gegen sie richtete Hans von Bodenhausen die Klage, ihm gehörendesGetreide vor Witzenhausen zertreten zu haben, und der Rath ernannte durch Schreibenvom 30. Januar 1387 (Reg. 351) Ernst IX. v. U. zu seinem Schiedsrichter in der Sache.Bereits am 19. Februar entschied dieser in der Hauptsache zu Gunsten der Stadt.(Reg. 352.) Beide Documente nennen Ernst weder Ritter noch Hauptmann der StadtGöttingen. In die letztere Stellung muss er zwischen dem letztgenannten Tage und derMitte des April gelangt sein, da er kurz nach dem 14. April zuerst als Hauptmann er-scheint. (Reg. 352 a.) Es scheint daher, dass die Stadt erst dann, als die ihr vonihrem Landesherrn drohende Gefahr nicht mehr abzuwenden war, unsern Ernst in jeneangesehene Stellung wählte, die man nur einem bewährten Manne, der zugleich Rittersein musste, anzuvertrauen pflegte. r )

Wir haben in unserer Geschichte der Fehden die Motive kennen gelernt, welcheden langgenährten Hass des Herzogs Otto des Quaden gegen seine Stadt Göttingen imFrühjahr 1387 endlich zum offenen Ausbruche brachten und jene heftige Fehde hervor-riefen, an welcher Ernst IX. v. U. einen so ruhmvollen Antheil zu nehmen bestimmtwar. Der streitbare Herzog, welcher einen Vergleich der Stadt mit dem Kloster Walken-ried über den Zehnten auf den Feldern zu Göttingen und Rostorf für einen Eingriffin seine Hoheitsrechte hielt, glaubte vor Eröffnung der Feindseligkeiten einen Beweisseiner Friedensliebe geben zu müssen, indem er den Rath zu Hildesheim um seine Ver-mittelung zur Beilegung der schwebenden Differenzen bat. 2 ) Allein, wäre es ihm da mi t,wirklich Ernst gewesen, so war die Erklärung des Göttinger Stacltrathes, wie sie sichuns in seiner Antwort an den Rath zu Hildesheim darstellt (Reg. 352 a), ganz geeignet,jeden Stein des Anstosses zu beseitigen. Der Rath zu Göttingen hatte nämlich, sobalder die eigentliche Ursache des fürstlichen Zornes erfahren, sogleich seinen HauptmannErnst von Uslar an Ort und Stelle gesandt, um, so viel er konnte, die gescheheneGefangennahme zweier fürstlicher Knechte rückgängig zu machen. Doch der Herzoghatte die Züchtigung seiner Hauptstadt einmal beschlossen, und demgemäss erschien erbereits am 25. April im Dorfe Alten-Grone, brannte die Häuser auf dem Kirchhofe ab,verwandelte die dortige Kirche in eine feste Burg und plünderte von dort aus dieDörfer Burg-Grone und Rostorf. In Folge dessen sandten die Göttinger dem LIerzogeden Fehdebrief (27. April), bemächtigten sich des herzoglichen Schlosses Bolruz in der Stadt(28. April), stürmten Burg Alten-Grone und nahmen die Besatzung gefangen. Bolruzwurde von den Bürgern abgebrochen und die neuen Befestigungen zu Alten-Grone zer-stört. Nach diesen Erfolgen der Göttinger verband sich Herzog Otto mit einer grossenZahl geistlicher und weltlicher Fürsten und begann am 2. Juni, die Stadt zu belagern.Er baute ein neues festes Schloss zu Burg - Grone, zerstörte die Dörfer um Göttingenund zog dann ab. Am 12. Juli kehrte er zurück, äscherte das Dorf Rostorf ein undbrach am 15. Juli wieder auf, eine Schaar seiner Mannen auf der Brandstätte zurück-lassend. Jetzt hob sich der Muth der Bürger. Sie wagten mit ganzer Macht einen

') Vgl. Havemann, 1. c., I, S. 786. — 2 ) Doebner, Urkb. der Stadt Hildesheim, II, S. 387.