Druckschrift 
1 (1888) [Hauptbd.]
Entstehung
Seite
92
Einzelbild herunterladen
 

92

Namen gegeben haben, und zu Ehren seiner Gemahlin soll von ihm Gieselwerdererbaut sein.

Mit Osselarius floh nach der Legende aus Rom sein Lehrer, der PhilosophFenestella und liess sich in München nieder. Von hier aus soll er in einem Schreiben,welches später bei dem Helmershäuser Mönch Conrad Fontanus l ) gefunden und an-geblich in dem dortigen Kloster aufbewahrt wurde, seinem ehemaligen Schüler inNiedersachsen Glück und Segen gewünscht haben.

Die Descendenz von Osselarius' Söhnen blieb Letzner unbekannt. 2 ) Erst 204 n. Chr.kennt er wieder einen Bodo, der sich Dorfeidt 3 ) nennt, und auf der Reise nach Rommit Hinterlassung von vier Söhnen: Wallo, Florian, Mango und Adelopli gestorben seinsoll. Dann weiss er erst 776 wieder von einem Fleino von Dorfeidt zu berichten, 4 )dass dieser unter den Sachsen eine Veste gegen Karl den Grossen vertheidigte. Unterdem Sohne dieses Kaisers kennt Letzner einen Hanno von Dorfeiden, der sich um 842taufen liess.

Von jetzt an fehlt Letzner kein Glied mehr in der genealogischen Reihen-folge seiner Helden. Hanno von Dorfeld's Sohn, nach dem Vater genannt, lebte nachseiner Angabe 933, kämpfte bei Merseburg gegen die Ungarn, und starb 1040. Vondem Sohne dieses zweiten Hanno, der wieder Hanno hiess, weiss Letzner nur zu sagen,dass er um 1049 lebte, dagegen ist er glaubwürdig unterrichtet, dass dessen Sohn Gott-hard 5 ) von Dorfeiden, der um 1063 lebte, der Erste war, der sich zu Ehren seinerAhnherren Usslar oder Osslar nannte.

In den ältesten Generationen werden uns die Geburten, Verheirathungen undLebensumstände jedes Einzelnen mit einer Zuverlässigkeit aufgetischt, als wenn Letznerund seine Panegyriker v. Steinmetzen und Praetorius wohlgeführte Kirchen- und Tage-bücher, oder dokumentirte Ahnentafeln vor Augen gehabt hätten. Aus einer Zeit, woes keine erbliche Familiennamen gab, es also absolut unmöglich ist, Personen nachFamilien zu unterscheiden, führen sie die Gemahlinnen ihrer Ritter aus allerlei obscurenoder später auftretenden Familien an, als wenn sie bei den Trauungen zugegen ge-wesen wären. Nach irgend einem Beweise oder selbst nur Wahrscheinlichkeitsgrunde,auf den sich eine Vermuthung stützen könnte, sieht man sich vergeblich um.

Vergleicht man die auf diese Weise von den Chronisten aufgestellte Ahnenreihemit der Genealogie, wie sie sich vom Anfange des 12. Jahrhunderts an nach unan-fechtbaren Urkunden jener Zeit in unserer Stammtafel I darstellt, so ergiebt sich, dassjene nichts weiter ist, als eine willkürliche Zusammenstellung von Vornamen, die damalsin der Familie gebräuchlich waren. Noch Praetorius, der Jüngste der Uslar'schenChronisten, war in der Genealogie seiner Zeitgenossen so unbewandert, dass er den derFamilie ganz fremden dänischen Oberst Albrecht Wilhelm von Uslar 6 ) (stirbt 1754)mit seinen Geschwistern und Vorfahren die er übrigens bis in das 16. Jahrhunderthinein ganz richtig angiebt, zu directen Nachkommen unseres Wedekind I. (Taf. I)macht! Was darnach von Letzner's und seiner Nachbeter Geschichtschreibung zuhalten, giebt eine gesunde historische Kritik an die Hand, und es bedarf nicht erst derAutorität bewährter Historiker, 7 ) um ihre Erzählungen in das Reich der Fabeln zuverweisen.

Von den Thaten eines urkundlich ganz unbekannten Heinrich von Uslar, der1199 sich als Führer der Reiterei des Pfalzgrafen Heinrich (longus) bei Rhein vorHildesheim ausgezeichnet, und zum Dank dafür von dessen Bruder, Kaiser Otto IV.,öffentlich zum Ritter geschlagen sein soll, wissen authentische Schriftsteller 8 ) eben so

1) Dieser Fontanus lebte im 14. Jahrh. und schöpfte seine Nachrichten angeblich aus den Schriftendes Albertus Thunerius, eines Historiographen, welcher 1196 lebte. (Harland, Gesch. d. Stadt Einbeck,1881, S. 46, Note a.) Nach Grimm, Mythologie, S. 129, starb Fontanus schon im 13. Jahrhundert.

2 ) v. Steinmetzen, 1. c. S. 6, gelingt es später, diese Lücke mit den fürchterlichsten Namen vollständig

auszufüllen. 3) Offenbar das corrumpirte Dorocampo. Von einer Verbindung mit der 1701 erloschenen

alten hessischen Familie von Dorfeiden zeigt sich nirgends eine Spur. 4 ) v. Steinmetzen und nach ihm

Praetorius sind auch in dieser fast 600jährigen Periode bezüglich der vollständigen Genealogie nicht in

Verlegenheit. 5 ) Ein Mscpt. von Letzner's Hand in der Kgl. Bibliothek zu Hannover (Jung's Collectaneen)nennt ihn Thethardus (alias Eckhard). 6 ) Er gehörte der Patrizier-Familie von Uslar an. 7 ) (v. Praun),Biblioth. brunsv. luneburg., Nr. 164; Orig. Guelf., IV, S. 76 u. 531; Wenck, hess. Landesgesch., II,

S. 763 u. a. O. 8) l . von Heinemann, Heinrich von Braunschweig, Pfalzgraf b. Rh., S. 80. Nur der

unkritische Rehtmeier, braunschw. luneb. Chronik, I, S. 421, druckt Letzner gläubig nach.