Bürgern einiges Vieh wegnahmen, das sie auf die Gleichen und Niedeck trieben. DieErbitterung wuchs, als es den Bürgern im Jahre 1477 gelang, Hildebrand IX. von Uslar,den vertrautesten Freund Heise's von Kerstlingerode, zu fangen und auszuplündern.Vergeblich bemühten sich die vom Erzbischof Diether von Mainz bestellten Schiedsrichter:Graf Heinrich XXVIII. (d. Aelt.) von Schwarzburg, Graf Heinrich XXX., sein Sohn undOberamtmann des Eichsfeldes, die eichsfeldische Bitterschaft und der Rath zu Duder-stadt, eine Aussöhnung herbeizuführen. Der Hader erreichte den höchsten Grad, alsein Herr von Hanstein (wohl der obige Werner), durch Heiligenstadt reitend, von einemBürger Hans Osenburg und dessen Zechbrüdern verhöhnt wurde. Der von Hanstein undseine Freunde machten in Folge dessen die Sache der von Kerstlingerode zu ihrereigenen, und ruhten nicht eher, bis sie den Osenburg erwischt und ihm den Kopf ab-geschlagen hatten. Die Bürger, ausser sich vor Zorn, schwuren, den Tod ihres Mit-bürgers blutig zu rächen, und wahrscheinlich würden die Feindseligkeiten einen sehrernsten Charakter angenommen haben, wenn sich nicht der Erzbischof von Mainz, derLandgraf von Hessen und die Herzöge von Braunschweig in's Mittel gelegt und eineSühne bewirkt hätten. Dennoch gelang es erst im Jahre 1513, lange nach dem TodeHeise's von Kerstlingerode, die Gemüther ganz zu beruhigen. (Reg. 800.)
Das Fehlen der Uslar bei den kriegerischen Begebenheiten des nun folgendenZeitraumes von 1477 bis 1485 erklärt sich nicht allein durch den wachsenden Verfalldes Fehdewesens, sondern mehr noch durch die rasche Abnahme der Glieder deseinzigen noch übrig gebliebenen Zweiges des Geschlechts auf Altengleichen. Von diesemwaren zu Anfang des letzten Viertels dieses Jahrhunderts nur die Brüder Jürgen, Moritzund Hildebrand IX. v. U. und deren Vetter Dietrich V. im wehrfähigen Alter, undnach dem söhnelosen Tode von Jürgen und Hildebrand IX. lebten im Jahre 1485überall nur noch Moritz mit seinen Söhnen Wedekind IL und Martin, sowie Dietrich V.und sein Sohn Ernst XV. Ausser Martin, welcher jung gestorben zu sein scheint, er-griffen sie anscheinend alle Partei in dem Streite, welcher sich bald nach der Berufungdes Bischofs Barthold auf den bischöflichen Stuhl zu LIildesheim zwischen diesem undseiner Stadt Hildesheim erhob und zu einer der verderblichsten und blutigsten Fehden(s. g. Accisefehde) führte, welche bisher in Niedersachsen stattgefunden.
Die Veranlassung des Krieges lag in dem Umstände, dass der Bischof sich ausserStande sah, mit den durch die Verschwendung seiner Vorgänger verkürzten Renten dasStift von seinen Schulden zu befreien und die versetzten Häuser desselben wieder ansich zu bringen. Als er zu diesem Zwecke von den Bürgern der Stadt Hildesheim imWiderspruch mit deren Privilegien im Jahre 1482 *) eine gemeine Steuer und Schätzungbegehrte, diese ihm aber verweigert wurde, verband er sich am 27. Februar 1483 mitdem Herzog Wilhelm d. J. von Braunschweig und dessen Sohne Heinrich I. (d. Aelt.)auf 20 Jahre, 2 ) und schritt im Jahre 1485 zur Gewalt. 3 ) Auf die Seite der Stadttraten die Bundesstädte Goslar, Braunschweig, Magdeburg, Lüneburg, Hannover, Göt-tingen, Einbeck, Northeim und Stendal; bald darauf auch der Herzog Heinrich IV. vonGrubenhagen, so wie für kurze Zeit die Bischöfe Conrad IV. von Osnabrück und Hein-rich III. von Minden nebst anderen Fürsten und Herren aus Westfalen. (Reg. 823.)Ernst XV. von Uslar erklärte sich für die mit dem Bischöfe verbündeten I-Ierzöge undsandte zu einer nicht näher bezeichneten Zeit seinen Fehdebrief an den Stadtrath.(Reg. 821.) Mit grosser Erbitterung wurde in einem weiten Ländergebiete auf beidenSeiten gefochten, besonders zeichnete sich die Goslar'sche Mannschaft mehrfach aus.Die Bürger dieser Stadt unternahmen im Jahre 1485 einen verheerenden Zug in dieliebenburger Börde und das Gericht Schladen, auch gelang ihnen am 5. Juli 1486 clieEroberung der Harzburg, doch wird nicht gesagt, wer dabei ihr Führer war. ImJahre 1486 war es zuverlässig der Stadthauptmann Goslars, Wedekind II. von Uslar.Seiner geschieht Erwähnung, als zwei Tage nach der Einnahme der Harzburg HerzogHeinrich I. (d. Aelt.), um sich zu rächen, mit seinen und den stiftischen Schaaren herbei-eilte und versuchte, durch List der Stadt Goslar zu schaden, da er einen offenen Angriff
!) Preuss u. Falkmann, Lipp. Regg., IV, S. 72, Nr. 264-8; Stüve, Gesch. d. Hochstifts Osnabrück,I, S. 430. — 2 ) Rehtmeier, Rraunschw. - Lüneb. Chronik, S. 757. Herzog Friedrich d. Unruhige ergriffPartei für die Stadt, wurde aber bald von seinem Bruder Wilhelm d. J. gefangen genommen. (Havemann,1. c. I, S. 729.) — 3 ) Die abweichende Meinung Vogell's über die Ursache des Krieges siehe in dessenGeschichte des Hauses von Schwicheldt, S. 155 u. ff.