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1 (1888) [Hauptbd.]
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Pferde geworfen, doch mit dem Schilde bedeckt, habe er sich gegen die heranstürmendenFeinde so lange gewehrt, bis es seinem treuen Knappen, dem langen Hans von Uslar,gelang, ihn empor zu reissen und auf ein frisches Pferd zu heben. Der Herzog erfochtdann an der Spitze der Seinen den entscheidendsten Sieg und zwei Grafen von Hoyablieben als Gefangene in seiner Gewalt. Der König vermittelte dann den brüderlichenZwist. ')

Wie sehr das mittelalterliche Fehdewesen in der zweiten Hälfte des 15. Jahr-hunderts im Niedergange begriffen war, zeigen deutlich unsere Urkunden, indem siewährend des nun folgenden Zeitraumes von 14 Jahren keine einzige kriegerische Thätig-keit der Uslar verzeichnen. Der in Reg. 797 angedeutete Heerzug vom Jahre 1476entsprang folgender Veranlassung:

Ruprecht von der Pfalz, Erzbischof von Cöln, hatte sich durch sein unwürdigesLeben, durch seine Erpressungen und sonstigen Gewaltthaten in seiner Stellung unmöglichgemacht, so dass Papst Paul II. ihn in den Rann that, das Domcapitel, die Ritterschaftund die Städte grösstentheils von ihm abfielen. Das Domcapitel wählte nun seinenDomherrn, den Landgrafen Hermann von Hessen, zum Administrator der Erzdiöcese,welcher durch seinen Bruder, den Landgrafen Heinrich III. von Hessen, kräftig unter-stützt wurde. 2 ) Schon 1474 verpfändete Hermann für die aus der ausbrechenden Fehdeentstehenden Kosten seinem Bruder mehrere kölnische Städte und Burgen, namentlich auchVolkmarsen und Kugelberg, allein weder der Aufforderung des Domcapitels, noch demBegehren des Landgrafen, die Thore zu öffnen, wurde entsprochen, Volkmarsen undKugelberg verharrten treu bei Ruprecht's Partei. So griff denn der Landgraf zurGewalt. Allein er vermochte in verschiedenen Zügen von 1474 bis 1476 gegen Volk-marsen nichts weiter auszurichten, als Verwüstung der umliegenden Felder und Weg-nahme der Heerden. Die Burg Kugelberg fiel zwar am 23. Mai 1475 in hessischeHände, das feste Volkmarsen aber widerstand. Bei einem dieser Rachezüge ackertendie Theilnehmer, meist Bürger von Kassel und niederhessisches Landvolk, die Wiesenvor der Stadt um und zerstörten die Saatfelder, richteten aber sonst nichts aus. Andiesem LIeerzuge nahm Diel rieh V. von Uslar als Mitglied der hessischen RitterschaftTheil. (Reg. 797.) Ob er auch im folgenden Jahre, als der Landgraf persönlich einneues Heer mit reichlichem Belagerungsmaterial vor die Stadt führte und nach ver-geblichen Stürmen im August endlich die Unterwerfung der Stadt herbeiführte, an der23tägigen Belagerung Theil nahm, erfahren wir nicht. 3 )

Die Landeshoheit der Fürsten, so kräftig sie sich auch entwickelte, war doch umdiese Zeit noch nicht im Stande, den Hass des Adels gegen die Städte völlig zubrechen. Auf dem durch den Krummstab der Mainzer Erzbischöfe nur schwach be-schirmten Eichsfelde scheint namentlich Heiligenstadt von dem umwohnenden Adelnoch oft heimgesucht zu sein. Werner von Hanstein, ein sehr gefürchteter Fehderitter,durch seine Streitigkeiten mit dem Grafen Heinrich XXX. von Schwarzburg, mainzischenOberamtmann (Provisor) des Eichsfeldes, als Feind Heiligenstadts schon früher bekannt, 4 )überfiel im Jahre 1474 die Stadt ohne Fehdeankündigung, raubte Menschen und Vieh etc.,so dass Kaiser Friedrich III. sich veranlasst sah, unterm 26. Juli d. J. den EdelherrnBernd VII. zur Lippe zu ermahnen, nicht den Friedensbrechern und ihren Helfern,sondern dem Erzbischöfe von Mainz auf dessen Begehren beizustehen. 5 ) Im Jahre1476 traten in Veranlassung einer Hinrichtung, welche der Rath zu Heiligenstadt anzwei Unterthanen der von Kerstlingerode widerrechtlich hatte vollziehen lassen, auchdie Herren von Kerstlingerode als Feinde der Stadt auf, indem sie, Rache übend, den

!) Vgl. (Koch), Versuch einer pragmatischen Gesch. etc., S. 306. Das Schweigen Havemann's inseiner (neueren) Gesch. d. Lande Braunschw. u. Lüneb. (1853/57) über diese Fehde, sowie das Fehleneines Knappen Hans von Uslar um diese Zeit in den Genealogieen beider Uslar'schen Familien, erregtZweifel an der Richtigkeit dieser Erzählung. Dennoch mag ein Knappe Hans v. U. dieser Zeit angehörthaben, der, weil er jung verstarb, in den Urkunden nicht vorkommt. Die Erzählung erinnert übrigensan den Sturz des Herzogs Erich I. von Calenberg in dem Treffen bei Schönberg unweit Regensburg (1504)und dessen Rettung durch seinen Knappen, den ,langen Heinz". (Brakenhoff, Gesch. der Ilannov. u.Braunschw. Lande, S. 138 u. a. 0.) 2 ) Hessische Blätter Nr. 761 vom 14. September 1881; Vaterl.Archiv, d. hist. V. f. Nieders., 1844, S. 100 u. ff 3 ) (Landau), das Kurfürstenth. Hessen in malerischenOrig.-Ansichten, S. 189 u. ff.; Landau, Beschreib, d. Kurfürstenth. Hessen, S. 217. 4 ) Duval, Eichs-feld, S. 81; Jaeger, Kurmainz u. Duderstadt in den Jahren 14771479, S. 15 (Sep.-Abdr. v. J. 1885);derselbe, Urkb. der Stadt Duderstadt (1886), S. 351. 5) Preuss u. Falkmann, Lipp. Regg., III, S. 466.