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1 (1888) [Hauptbd.]
Entstehung
Seite
85
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Altengleichen dem Landgrafen Ludwig II. zu Lehn auf und machen dasselbe zu seinemoffenen Schlosse gegen jedermann, mit Ausnahme der Herzöge von Braunschweig undLüneburg. Unter den weiteren Bedingungen kennzeichnet die von den Uslar über-nommene Verpflichtung, dem Landgrafen auf sein Verlangen das Schloss zu öffnen,wenn er gejagt oder gedrängt wird, oder wenn er dasselbe zu seinen Kriegen gebrauchenwill" genügend den für den bevorstehenden Krieg beabsichtigten Zweck des Vertrages.

Sogleich begann nun der Landgraf, das ihm verpfändete mainzische Diemellandzu unterwerfen, und sich dadurch in den Besitz dieser Pfandschaft zu bringen. Schonam 15. Juni 1462 erschien sein Heer vor Hofgeismar und zwang die Stadt am 2. Julizu einem Vertrage, der jedoch erst durch einen zweiten Zug am 13. August zur Aus-führung gebracht werden konnte. >) Dann zog der Landgraf am 21. October vonGrebenstein aus mit seinem bedeutend verstärkten Heere vor das von ihrem Pfand-inhaber Hermann Spiegel tapfer vertheidigte feste Schloss Schöneberg, dessen Eroberungam 6. November nach 16tägiger Belagerung gelang. 2 )

Der eichsfeldischen Pfandschaften zu Duderstadt und Gieboldehausen geschiehtnicht weiter Erwähnung. Ihre Unterwerfung scheint nicht versucht zu sein, weil Erz-bischof Adolf IL durch die schon am 28. October 1462 durch Verrath bewirkte Er-oberung von Mainz das Erzstift für sich errang, und Diether in Folge dessen im Friedenvom 5. October 1463 förmlich auf dasselbe verzichtete, bis er nach Adolfs Tode (1475)durch Wahl wieder in den Besitz desselben gelangte. 3 )

Während dieser Vorgänge an der süd - westlichen Grenze der weifischen Landeerhob sich im Norden zwischen dem Grafen Moritz V. und seinem Bruder Gerhard(den Streitbaren) von Oldenburg über die Herrschaft Delmenhorst ein Krieg, in welchender braunschweigische Herzog Wilhelm d. Aelt. (der Siegreiche) verwickelt wurde. Esergriff nämlich der dritte der oldenburgischen Brüder, König Christian I. von Dänemark,Partei für Gerhard, und da ihn selbst die Entfernung abhielt, dem Bruder die ver-sprochene Unterstützung zu leisten, so rief er den Herzog Wilhelm d. Aelt. und denBischof Johann II. von Münster zur Hülfe desselben herbei. Als diese zum Entsätzevon Delmenhorst aufbrachen, zog ihnen Graf Moritz, unterstützt durch Söldner vonBremen und die Ritterschaft der Grafen von Hoya, entgegen, wurde aber am 1. Sep-tember 1462 auf der Borstelheide bei Siedenburg 4 ) völlig geschlagen. 5 ) Es wird be-richtet (Reg. 762), ein Lanzenstoss habe den Herzog Wilhelm im Schlachtgetümmel vom

1) Falckenheiner, 1. c. II, Urkb. Nr. XXXVI, XXXVII u. XXXIX. 2) Ausführlich hei Landau,

hess.Ritterburgen, IV, S. 225 u. ff.; Falckenheiner, 1. c. II, S. 311. Während der Belagerung des Schöne-

berges hatte eine Abtheilung des landgräflichen Heeres unter Friedrich von Uslar die Stadt Trendelburgbesetzt. Später muss sie wieder zum Belagerungsheere vor den Schöneberg gestossen sein, da Friedrich v. U.

am 4. November 1462 vor diesem Schlosse fiel. (Landau, 1. c. IV, S. 227; v. Wangenheim, Regg. u.Urkk. zur Gesch. d. Geschlechts Wangenheim, I, S. 236.) Dieser Friedrich von Uslar gehörte übrigensnicht zu der jetzt freiherrlichen Familie, sondern zu den gleichnamigen Patriziern, unter denen einFrederick Usslers, Bürger in Einbeck, erscheint, welcher als Aeltester im J. 1454 von der Herrschaft Plessebelehnt wird (Plessisches Copialbuch X, 17, im Staatsarchive zu Hannover; auch Orig. - Lehnreversvom 30. Mai 1454 im Pless. Archive daselbst), und der in einem plessischen Lehnbriefe v. J. 1463 alsverstorben erwähnt wird. (Pless. Copialbuch X, 17 daselbst.) Wahrscheinlich gehörte dieser Friedrich v. U.zu denjenigen Bürgern Einbecks, welche (nach Falckenheiner, 1. c. II, S. 312; Landau, I. c. IV, S. 227;mit den Bürgern der Städte Göttingen, Northeim u. s. w. unter dem Herzog Wilhelm d. J. von Braun-schweig das Belagerungsheer vor dem Schöneberge verstärkten. Falls ein bei Preuss u. Falkmann, Lipp.Regg., III, S. 324 genannter Friedrich Uslers, welcher am 12. Juli 1456 die Refutirung eines Lehns andie Edelherren Bernd VII. und Simon III. zur Lippe bezeugt, nicht identisch ist mit jenem, so kann deram 4. November gefallene Friedrich v. U. mit dem Edelherrn Bernd VIT., der Ritterschaft und denStädten des Stifts Paderborn, in deren Fehde gegen die Herzöge Otto II. (den Siegreichen) und Wil-helm d. J. von Braunschweig-Lüneburg und die Städte Göttingen, Einbeck und Northeim gerathen sein,welche der Landgraf Ludwig II. von Hessen im Felde vor dem Schöneberge am 1. November 1462 sühnt.(Schmidt, Gotting. Urkb., II, S. 270.) Die Erzählung der Zeit- u. Gesch.-Beschreib, v. Göttingen, I, 1,

S. 106 zum J. 1462 ist im Wesentlichen falsch. 3 ) Hennes, Bilder aus der Mainzer Geschichte, S. 273 u. ff.Noch am 6. Juni 1463, also vor dem Friedensschlüsse, besass der Erzbischof Diether das Schloss Giebolde-hausen. (Wolf, Denkwürdigk. von Gieboldehausen, Beilagen, S. 11.) Im folgenden Jahre war ErzbischofAdolf II. im Eigenthume desselben, wie die Urkunde vom 5. Juni (Reg. 769) zeigt, worin er den wider-rechtlichen Besitzer des Schlosses, Dietrich V. von Uslar, zur Räumung desselben auffordert. Ueber dieMainzer Stiftsfehde vgl. Zeitschr. d. Vereins zur Erforschung der Rhein. Gesch. u. Alterthümer in Mainz,Bd. III (1883), S. 273 u. ff. 4) nicht Siderförde, wie die Quellen fast übereinstimmend angehen.Vgl. Note zu Reg. 762. 0. v. Heinemann, Gesch. v. Braunschw. u. Hannover, II, S. 209, nennt einen mirunbekannten Ort Siburg. 5 ) v. Halem, Gesch. d. Herzogth. Oldenburg (1794), I, S. 340, setzt die Fehdeim Widerspruch mit seinen eigenen Angaben auf S. 341, in das Jahr 1463.