Grebenhagen. (Reg. 675.) Die Göttinger lieferten mit schweren Unkosten nebst andererKriegsrüstung (1000 Mann) zwei grosse Geschütze, die „grotesten bussen" und die„scliarpen Greyten", die auch redlich mithalfen, so dass die erstere 4 ) endlich platzte.Während einer fast 4 wöchigen Beschiessung stritten sich die Fürsten über den Besitzdes noch nicht eroberten Schlosses. Der Landgraf wollte im Fall des Gelingens desSturmes die Burg behalten, dagegen wollte Herzog Wilhelm d. Aeli. das Schloss denweifischen Landen nicht entzogen wissen, und die Städte verlangten, dass die Burg ge-brochen werde. Darüber zogen die Verbündeten endlich ab. Den Vogt Weiluth liessHerzog Heinrich III. aufhängen, obgleich ein Junker von der Malsburg 100 Markfür seine Freiheit bot; die übrigen Gefangenen entliess er gegen ein Lösegeld von3000 Gulden. 2 ) Dann verheerten die Verbündeten die Dörfer in der Umgegend vonEinbeck und legten sich vor Salzderhelden, um von hieraus, wenn es gefallen, Einbeckmit Erfolg zu bekriegen. Auf diesem Schlosse wohnte damals Elisabeth, Aebtissin vonGandersheim, Witwe des Herzogs Casimir von Pommern und, Schwester Herzogs Hein-rich III. von Grubenhagen, 3 ) welche aus Furcht vor der Pest ihr Kloster verlassen hatte.Bei der Annäherung der hessischen Truppen — so erzählt man — liess Elisabeth stattder Fahne ein Frauenhemd aus dem Fenster flattern, um symbolisch anzudeuten, dassder Landgraf hier mit Weibern kriege. Sei es nun, dass dies oder die Zusage einerGeldsumme von Seiten Einbecks den Landgrafen zum Abzüge bewog, der Zweck derhessischen Rüstung wurde nicht erreicht.
Von den nun immer seltener werdenden Fehden der Uslar in den folgendenDecennien erfahren wir wenig. Der ältere Zweig auf Altengleichen starb um diese Zeitaus und die jüngeren Sprossen des fortblühenden Zweiges scheinen wenig Lust amKriegshandwerk gehabt zu haben. Nur in den Letzten des erlöschenden Stammes aufNeuengleichen zeigt sich noch bisweilen der alte kriegerische Geist. Sie, die BrüderErnst XIV., Plans VII. und Borchard, zogen im Jahre 1449 das Schwert gegen dieHerren von Hardenberg, wie wir aus ihrem, dieser Fehde wegen an das Kloster Weendegerichteten Verwahrungsbriefe erfahren. (Reg. 681.) Dann schloss der eine der Brüder,Hans VII. v. U., am 18. August 1451 noch einmal ein Bündniss mit dem Grafen Hein-rich XXVIII. zu Schwarzburg (Reg. 693), das indess nur von kurzer Dauer gewesensein kann, weil schon am 22. October d. J. er und sein einziger nun noch lebenderBruder Ernst XIV. ihr Schloss Neuengleichen, sowie bald nachher alle ihre sonstigenLehn- und Allodialgüter veräussern, 4 ) um in der Abgeschiedenheit des Klosters ihreletzten Lebensjahre frommer Andacht zu weihen.
In der ersten Hälfte des Jahres 1451 waren die Uslar in Fehde mit der StadtGoslar. Dass hier nicht die Letzten des Stammes auf Neuengleichen gemeint sind,scheint ausser Zweifel; ob aber die Söhne Wedekind's I. oder Günther und sein Sohnauf Altengleichen Feinde der Stadt waren, bleibt ungewiss. Nur den Ursprung derFehde, welcher auf den im Jahre 1445 ausgebrochenen Conflict zwischen den Gildenund der Gemeinde Goslar und ihrem Bürgermeister Heinrich von Alfeld 5 ) zurückzu-führen ist, und zu dessen Beilegung schon auf den 17. September 1447 ein „Tag" inBraunschweig angesetzt war, 6 ) erfahren wir aus Reg. 692.
Drei Jahre später, am 13. Juli 1454-, mussten die Brüder und Vettern auf Alten-gleichen Güter verpfänden, um Georg (Jürgen) von Uslar aus der Gefangenschaft zubefreien. (Reg. 725.) Wir dürfen vermuthen, dass Georg dem Herzog Friedrich d. J.(dem Unruhigen) von Braunschweig in den Kampf gefolgt war, welcher nach dem Todedes Bischofs Pleinrich von Münster 7 ) um die Nachfolge auf dessen Bischofsstuhl zwischendem Grafen Walram von Mörs und Erich von Eloya entbrannt war. In diesem unter-lag Herzog Friedrich d. J. mit den übrigen Anhängern Erichs. Da die den Kampfentscheidende Schlacht beim Kloster Varlar, in welcher der Herzog selbst in Gefangen-
1) So nach der gleichzeitigen Aufzeichnung eines Rathsmitgliedes bei Schmidt, 1. c. S. 20S u. 210,
und nach der Zeit- u. Gesch.-Beschreib. von Göttingen, I, 1, S. 103. Nach sonstigen Berichten (Hansische
Geschichtsblätter, Jahrg. 1878, S. 34 u. a. O.) platzte die „scharfe Grete", während das andere Geschütz
(Makefrede) heil blieb. — 2 ) Am 2. September wurde die Fehde zn Northeim gesühnt. (Schmidt, 1. c., II,
S. 210.) — 3 ) Rommel, alt. hess. Gesch., II, S. 311, verwechselt sie mit der seit 1439 verstorbenenAebtissin Agnes von Gandersheim, auch einer Schwester Herzogs Heinrich III. — 4 ) Vgl. Regg. 695, 696und die Verkaufsurkunden der Jahre 1452 u. ff. (Regg. 708 u. ff., 722.) — 5 ) Bürgermeister von Goslar
von 14-28—144-4. (Crusius, Gesch. d. Stadt Goslar, S. 173, 185; Hansische Geschichtsblätter, Jahrg. 1877,
S. 144-.) - 6) Schmidt, Gotting. Urkb., II, S. 192, 202. — ') Starb 1450.
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