zwei von Hardenberg und Klaus Haferung mit 20 Pferden vor die Stadt, verwundetenauf dem Hohenrode (einer Anhöhe über dem Kuchengarten) zwei Bürger und einenauf dem Grimmelthore. (Reg. 647.)
Der friedliebende Ernst XII. v. U., der Letzte aus Hildebrand's IV. Nach-kommenschaft auf Altengleichen, war in demselben Jahre ohne bekannte Ursache mitdem Rathe und der Bürgerschaft Goslars in Differenzen gerathen. Die Urkunde, durchwelche er am 25. Juli den Streit beilegt (Reg. 649), deutet darauf hin, dass die Ent-scheidung diesmal nicht durch das Schwert herbeigeführt wurde, sondern dass der Spruchdes Schiedsrichters hier zum ersten Male den Sieg über die alte Barbarei davon trug.Einen weiteren Beleg für die Kraft der sich Bahn brechenden Civilisation liefert dieIntervention des Landgrafen Ludwig I. von Hessen zu Gunsten seines DienstmannesHerting von Eschwege. Diesem hatte der streitbare Ernst XIV. v. U. auf Neuengleicheneinige Kühe weggenommen, der Rath zu Göttingen aber hatte sie ihm wieder abgejagt.Der Landgraf bittet nun am 15. November 1443 den Rath, die Kühe seinem Dienst-manne zurückzugeben. (Reg. 652.)
Aber trotz der auf dem Reichstage zu Frankfurt im Jahre 1442 erneuertenSatzungen zum Schutze befriedeter Personen und Sachen hörten die raublustigen llitternicht auf zu fehden, und unablässig richtete sich ihr scharfes Schwert, gegen die fried-lichen Bürger in den Städten. So wurden Heinrich und Brun von Linde im Jahre 1444Feinde von Göttingen, weil zwei dortige Bürger dem Rathe zu Northeim den Aufenthalteines gewissen Jacob Fybian in Gittelde verrathen hatten. Zur Befreiung der beidenvon den Herren von Linde gefangen gehaltenen Bürger zogen die Göttinger und Nort-heimer nach Gittelde und steckten es in Brand.') Führer der Göttinger war dabei ihrStadthauptmann Günther von Uslar, dessen Fehdebrief an Fybian vom 1. Juni d. J. imEntwürfe aufbewahrt ist. (Reg. 655.)
Nicht bloss die kleinen Streitigkeiten der Uslar mit ihren Verwandten (Reg. 658),sondern auch ein aus unbekannter Ursache entstandener grösserer Streit der GrafenVolrad, Günther und Gebhard von Mansfeld mit Adeligen und Städten des Eichsfeldesfand im Jahre 1446 seine Erledigung vor dem vom Erzbischof Dietrich von Mainz zumRichter bestellten Grafen Heinrich XXVIII. von Schwarzburg. Günther v. U. alsmainzischer Amtmann auf dem Rusteberge, die Städte Heiligenstadt und Duderstadt,sowie die in Reg. 669 genannten Edelleute verpflichten sich am 6. December, denwiederhergestellten Frieden zu halten.
Im Jahre 1447 gerieth Herzog Heinrich III. von Grubenhagen in Fehde mit demLandgrafen Ludwig I. (d. Friedfertigen) von Hessen. Spöttische Reden einiger hessischerBeamten an der Diemel, 2 ) besonders des Vogts vom Schöneberge, Hans Weiluth, 3 ) undwahrscheinlich der Aerger über den Verlust des halben bei Hofgeismar gelegenen Schöne-berges, aus dessen Besitz die Braunschweiger in dem Kriege von 1402 durch Mainz ver-drängt worden waren, 4 ) erbitterten den Herzog so sehr, dass dieser im folgenden Jahremit 500 Pferden in das Land jenseits der Weser einfiel und den Bewohnern von Hof-geismar das Vieh wegnahm. Die hessischen Unterthanen, durch den Glockenschlagzusammengerufen, jagten den Heimkehrenden nach, wurden aber zurückgetrieben, undviele derselben, unter ihnen Hans Weiluth, geriethen in des Herzogs Gefangenschaft, dermit reicher Beute auf dem Grubenhagen wieder ankam. Der aufgebrachte Landgrafverband sich sogleich mit den Herzögen Heinrich dem Friedfertigen von Wolfenbütlelund Wilhelm d. Aelt. (dem Siegreichen) von Braunschweig, sowie mit den beiden Söhnendes Letztgenannten, brach am 22. Juli (1448) auf und lagerte mit mehr als 16000 Reisigender Städte Braunschweig, Hannover, Göttingen, Norfheim, Moringen, Hardegsen, Münden,Dransfeld, Gandersheim, Seesen, Helmstedt, Günther von Uslar, Amtmann zum Ruste-berge, sowie mit der Mannschaft der Städte Heiligenstadt, Fritzlar, Duderstadt, Hof-geismar, Höxter 5 ) und den Knechten des Erzbischofs von Mainz 6 ) am 24. Juli vor dem
') Schmidt, Gotting. Urkb., II, S. 182, Note. — 2 ) Landau, hess. Ritterburgen, IV, S. 223. —
3 ) Dieser in Hessen sonst unbekannte Name ist nach Falckenheiner, Gesch. hess. Städte u. Stifter, II,S. 303, Note 1, wahrscheinlich der Spitz- oder Beiname eines Herrn von Stockhausen, weil diese Familie(in welcher der Vorname Hans gewöhnlich) damals die Vogtei zum Schöneberge besass. — 4 ) Falcken-
heiner, 1. c., S. 302. — 5 ) Schmidt, 1. c. II, S. 209. Ueber Duderstadt siehe: Jaeger, Duderstadt gegen
Ende des Mittelalters (188G), S. IG. — 6 ) Archiv d. bist. V. f. Nieders., 184-0, S. GO. Der Führer der
mainzischen Knechte wird Günther v. U. gewesen sein, der übrigens seit Anfang 1448 nicht mehr auf demRusteberge, sondern in Lindau war (Reg. G70), was dem Berichterstatter (Schmidt, 1. c.) unbekannt blieb.