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1 (1888) [Hauptbd.]
Entstehung
Seite
76
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den Rittern und Armbrostirn (Geschiitzmeistern) wurden Geschenke an Geld, Wein undGetreide gemacht, alle eintreffende Bewaffnete auf des Erzbischofs Kosten frei beherbergtund gastlich bewirthet. Bei Juden und Christen wurden bedeutende Summen geborgt,Pferde gekauft und die Beitreibung der Ketzersteuer mit aller Strenge befohlen.

Als so alles für den Krieg wohl vorbereitet war, gab der Erzbischof, der imVertrauen auf die Zahl seiner Streiter und die Macht seiner Verbündeten schon vonSiegen träumte, das Zeichen zum Kampfe. Am 21. Juli 1427 sandte er von Steinheimaus dem Landgrafen, welcher dem Bündniss gegenüber fast ganz allein stand, denFehdebrief. Während er selbst mit der grösseren Hälfte des Heeres nach Fulda zog,fiel sein Neffe, der Graf Gottfried von Leiningen, zu welchem in Fritzlar 600 Pferdegestossen waren, in die Gegend von Gudensberg und Melsungen sengend und brennendein. Hier trat ihm der junge Landgraf (er war erst 25 Jahr alt) mit einem kleinen,aber muthigen Heerhaufen gegenüber, drängte die Mainzer bis hinter Fritzlar zurück undnöthigte sie am 23. Juli beim Dorfe Udenborn zum Treffen. Nachdem er seine Hessenan alles Ungemach erinnert, welches über ihr Vaterland von Mainz schon gebrachtworden war, stürzte er sich mit den Worten:heut Landgraf oder keiner" auf die Feindeund schlug sie. Ein hessischer Chronist, welcher die Begebenheiten von einem, der dieSchlacht mitgemacht, vernommen hatte, erzählt unter anderen:Die Hessen gewannenvon dem Erzbischofe 400 gesattelte Pferde und fingen ihm ab 200 reisige Männer."Der Sieger eilte dann der Stadt Fulda zu Hülfe, welche von dem Erzbischofe belagertwurde, setzte den Abt wieder in seine Stelle ein, und lieferte diesem am 10. August1427 auf dem Münsterfelde, einer Ebene neben der Stadt, eine blutige Schlacht. Nacheiner männlichen Gegenwehr, und nachdem die Tapfersten niedergestreckt waren,mussten die Mainzer dem Landgrafen weichen, welcher sogar das grosse Stiftsbannererbeutete und gegen 300 Ritter gefangen nahm.*) In Folge dieses Sieges wurde derErzbischof gezwungen, schon am 8. Septbr. 1427 Frieden zu schliessen. Der Landgrafverstand sich dazu, die Verpfändung der Grafschaft Waldeck gegen Erstattung derPfandsumme aufzugeben, der Erzbischof verpflichtete sich zur Zahlung von 44 000 Gulden.

Hans V. v. U. hatte sich am 16. November 1426 dem Sieger mit dem SchlosseNeuengleichen gegen den Erzbischof Conrad III. von Mainz und die Grafen Heinrich V.und Wolrad I. zu Waldeck verbunden. (Reg. 533.) Er wird also in diesem Kampfeseinen Vettern von Adtengleichen feindlich gegenüber gestanden haben, falls nicht diein den undatirten Regesten 535 und 536 angedeuteten Verwickelungen mit Mühlhausen welche nach unserer Annahme in die Zeit jenes Kampfes fielen, ihn an derAusführung des Vertrages verhinderten. 2 )

Nach Angabe der Chronik 3 ) verlangte Friedrich I. (d. Streitbare) von Sachsen 4 )im Jahre 1427 mit dem Grafen Günther XXXI. von Schwarzburg von dem Rathe zuMühlhausen Hülfe gegen die Hussiten, und weil ihnen diese verweigert wurde, sah sichder kriegerische Bischof Magnus von Plildesheim nach dem Chron. Engelhusii (Reg. 536)aus Liebe zu Hans (V.) von Uslar veranlasst, die Stadt zu befehden, viele Bürgergefangen zu nehmen und die Dörfer mit 6000 Gulden zu brandschatzen. Dem Fehde-briefe, welchen Hans V. anscheinend in Veranlassung dieser Fehde an Mühlhausensandte, 5 ) fehlt freilich die Jahreszahl, doch dürfte er ziemlich sicher in das Jahr 1427zu setzen, und darnach Hans V. bereits am 21. März d. J. in die Fehde gegen die freieReichsstadt eingetreten sein. Nachdem der Bischof gegen 100 Pferde von Mühlhausenweggeführt (Reg. 536), machten die Bürger zur Wiedervergeltung einen Einfall in seinGebiet bis an die Leine, wofür wiederum Papst Martin V. den Bannstrahl gegen Mühl-hausen schleuderte. 6 ) Bevor dieser (im Jahre 1429) aufgehoben wurde, beendete dievon dem Domherrn Peter von Mainz, Johann von Rengelrode und Heinrich von Wintzin-gerode vermittelte 7 ) Sühne vom 25. Juni 1428 (Reg. 544) eine neue Fehde zwischenHans V. v. U. und der Stadt.

') (Landau), das Kurfürstenth. Hessen in malerischen Original-Ansichten, S. 586. 2 ) Rommel,

alt. hess. Gesch., II, Anmerkk., S. 197, 236, meint, diese Verbindung Hans V. v. U. mit dem LandgrafenLudwig I. habe die spätere Lehns - Unterwerfung von (Neuen-) Gleichen vorbereitet. (Reg. 695.)

3 ) Frantz, Geschichten etc. aus der Vorzeit Mühlhausens, S. 63. 4 ) Es scheint Friedrich d. J.

(d. Friedfertige) von Thüringen gemeint zu sein. 5 ) Der Brief kann auch der am 25. Juni beendeten

ersten Fehde des folgenden Jahres (1428) angehören (Reg. 544), nicht aber der zweiten Fehde am

Ende dieses Jahres, weil diese ohne Ankündigung begann. (Reg. 545.) 6) Frantz, 1. c., S. 63.

?) Daselbst, S. 62.