Seit dem Jahre 1400 waren auch die Edelherren von Plesse in Fehde mit derStadt, welche jedoch in den Grafen von Schwarzburg und den mit diesen seit dem17. März d. J. verbündeten Herren von Hardenberg kräftige Bundesgenossen gegen dieEdelherren fand. Ob nun die Uslar in den oben erzählten Fehden gegen Mühlhausenmit den von Plesse im Bunde waren, oder ob sie selbstständig ihre Streifzüge unternahmen,verschweigt unsere Quelle. 4 ) Der Umstand, dass die plessischen Herren bei einem ver-eitelten, am 24. Juli 1401 unternommenen Einfalle in das mühlhäuser Gebiet sichnach den Gleichen zurückzogen, 2 ) deutet nicht unwahrscheinlich auf eine gemeinsameAktion hin.
Die schonungslose Strenge, mit welcher der Herzog Otto (cocles) die Störer desLandfriedens verfolgte (er hatte im Jahre 1396 achtzehn Wegelagerer dem Strange über-geben), 3 ) hielt drei Knechte Ernst's X. v. U. nicht ab, einen Pilger Conrad Reymer ausWinzenburg, welcher sich mit seinem Gefährten Reinbrecht Pytik am 2. Februar 1401auf die Reise nach Ulrichshausen begeben hatte, zu St. Nicoläus ihrer Pferde und Hab-seligkeiten sammt dem Pilgrimsbriefe zu berauben. Die Räuber, von den Beraubtennachher ergriffen und vor den Rath zu Göttingen gestellt, entschuldigten sich damit,dass nach ihrer Meinung der Angegriffene den Landfrieden nicht mehr gemessen sollte,weil sein Brief, der nur auf 9 Tage galt, abgelaufen war, und der Raub geschehen sei,weil er zu den Leuten des Ernst von Bock gehöre, mit welchem ihr Herr in Fehdewar. Darauf hin sprachen die vom Rathe angerufenen Landrichter von Braunschweigund Hessen durch Urtheil vom 16. April 1401 die drei Angeklagten frei. (Reg. 413.)
Aehnliche Verletzungen des Landfriedens Seitens der Schlossherren auf den Gleichenscheinen die Heerfahrt vor die Gleichen veranlasst zu haben, zu welcher der Bürgermeisterder Stadt Hannover mit seinen Gesellen Ende Juli 1402 auszog. Die Urkunde (Reg. 422)überliefert uns die Summe Geldes, welche zur Zehrung mitgenommen wurde, sowie dieAusgaben für Lebensmittel und Inventar, über den Zweck des Feldzuges (Fehdezuges)aber lässt. sie uns ungewiss. Wir erfahren nur aus der Geschichte, 4 ) dass in derPfingstwoche desselben Jahres (1402) der Bischof Johann III. von Hildesheim, die wei-fischen Brüder Bernhard I. und Heinrich, Herzog Friedrich (zu Osterode) und Otto(cocles) mit dem Edelherrn Heinrich von Homburg die Burg Freden zerstörten, 5 ) weildie darauf sitzenden Ritter gleichen Namens den Landfrieden gebrochen, und schliessendaraus, dass eine ähnliche Execution wegen des gleichen Vergehens der Zweck desZuges nach den Gleichen war. Nicht ausgeschlossen freilich ist die Möglichkeit, dassdie Herzöge ihre Uslar'schen Vasallen strafen wollten für die Hülfe, die sie in der ebenjetzt mit grösster Erbitterung geführten mainzer Fehde dem Erzbischofe, ihrem Gegner,leisteten, zumal da die Stadt Hannover dem Bunde der Herzöge angehörte. 6 )
Eine ähnliche Heerfahrt scheint im folgenden Jahre (1403) stattgefunden zuhaben, weil Reg. 428 von einer Fehde vor den Gleichen spricht, in welcher der be-rittene Diener am Marstalle des Raths zu Braunschweig, Lüddeke Preddeger gefangengenommen 7 ) und dem reichen braunschweigischen Bürger Hennig Zaleghe oder Saleghe(Salge) ein Pferd erschossen wurde. 8 ) Es dürfte hiernach in diesem Jahre der StadtBraunschweig die Aufgabe zugefallen sein, die Verletzer des öffentlichen Friedens aufden Gleichen zum Gehorsam gegen das Gesetz zu zwingen.
Ob auch eine Belagerung der Gleichen durch den Landgrafen Hermann den Ge-lehrten von Hessen, deren um diese Zeit in einem Rechtsausspruch des Königs Ruprechtzwischen dem Erzbischof Johann II. von Mainz und dem genannten Landgrafen vom3. Februar 1403 Erwähnung geschieht, 9 ) in diesem Sinne zu verstehen ist, steht dahin.Später scheinen die Herzöge Bernhard I. und Heinrich von Braunschweig noch eineHeerfahrt vor die Gleichen unternommen zu haben, wenigstens deutet eine gegen die
•) Schöttgen u. Kreisig, Diplomataria et Script, hist. Germ., I, S. 405. — 2 ) Daselbst. —
3 ) Havemann, 1. c., I, S. 597. — 0 Havemann, 1. c., I, S. 601; Sudendorf, 1. c., IX, S. 241, Nr. 172.
- 5 ) wobei die „groteste bussen" (Kanone) zersprang. (Schmidt, 1. c. II, S. 9, Note.) Vgl. O. v. Heine-mann, Gesch. von Braunschw. und Hannover, II, S. 172. Der braunschw. Rathsherr Hermann vonVechelde war Theilnehmer an der Heerfahrt. (Sack, Gesch. der Schulen zu Braunschweig, 1. Abth., S. 140.)— 6 ) Hartmann, Gesch. der Residenzstadt Hannover (1880), S. 68. — ') Nach der in Reg. 428 citirtenQuelle S. 149 war Preddeger auch im J. 1408 mit in den Fehden vor Duderstadt und Gieboldehausen.Bei der Einnahme des letzteren Orts war die gefürchtete „grote bussen" thätig, durch welche viel„roveryg inynner worden." (Schmidt, 1. c. II, S. 9, Note.) — 8) Sack, I. c., 1. Abth., S. 135. — 9) Weiz-säcker, 1. c., V, S. 478.