Druckschrift 
1 (1888) [Hauptbd.]
Entstehung
Seite
58
Einzelbild herunterladen
 

berge leisteten. Wir erfahren freilich die Gegenleistung der Uslar nicht, dürfen aberkaum zweifeln, dass diese in dem Versprechen bestand, die Landgrafen unterstützen zuwollen in der Fehde der Mainzer Gegenerzbischöfe, welche im Sommer 1375 entbrannte,und den von seinem anfänglichen Ziele ganz abgedrängten Sternerbund zum letztenMale in den Kampf führte.

Der erzbischöfliche Stuhl in Mainz war durch den am 4. April 1373 erfolgtenTod Johanns I. erledigt und Ludwig, Bischof von Bamberg, ein Bruder der Landgrafenvon Thüringen, unterstützt von den Landgrafen von Hessen und Thüringen, kämpftengegen den Grafen Adolf I. von Nassau, Bischof von Speier, und den seit 30. August1374 mit ihm und den Sternern verbündeten Otto d. Q. von Braunschweig um den-selben. ') Adolf war ins Eichsfeld gekommen, und nach mancherlei kriegerischenActionen warf er sich in das starke Erfurt, dessen Bürgerschaft und Geistlichkeit ihmanhingen. Die Stadt wurde 8 Wochen lang von einem zahlreichen Heere vergeblichbelagert, so furchtbar auch die Umgebung litt. Kaiser Karl IV. erschien im August per-sönlich und vermittelte zwischen den beiden Prätendenten am G. Septbr. 1375zuFelde vor der Burg Tonna" (Grafen-Tonna) einen vorläufigen Frieden, der bis zum24. Juni 1377 dauern sollte. 2 ) Am 13. April 1376 vertrugen sich Hermann der Ge-lehrte von Hessen und Adolf von Nassau, am 2. Juni 1377 auch Ludwigs Brüder mitihren thüringischen Gegnern, so dass der allgemeine Krieg wenigstens in diesen Ge-genden beseitigt war. 3 )

Wie die Uslar der Urkunde vom 20. Februar 1375 (Reg. 306) in dieser MainzerFehde treu zu Hessen werden gestanden haben, so werden ihre Vettern, die RitterErnst VIII. und Johann II. v. U. von Neuengleichen in treuer Erfüllung ihrer in denRegg. 264, 265 übernommenen Pflicht, die mit Hessen verbündeten thüringischen Land-grafen wiederum unterstützt haben.

Fast gleichzeitig mit der Sternerfehde entspann sich auf einem anderen Kriegs-schauplatze über die Nachfolge in der Regierung der Herrschaft Lippe ein langjährigerKrieg, an welchem wir in dessen erster Periode die Uslar betheiligt sehen. Der Edel-herr Bernhard V. zur Lippe war Ende 1364 oder Anfang 1365 ohne Hinterlassungmännlicher Erben gestorben und es erhoben nun in Folge einer unglücklichen Glauseiin dem zwischen Bernhard V. und seinem Bruder Otto am 16. Octbr. 1344 geschlos-senen Vertrage über die Theilung des Landes, die Schwiegersöhne Bernhards, so wiedessen Schwäger bedeutende Ansprüche an Bernhards Landeshälfte, so dass dieserTheil der Herrschaft in Gefahr stand, in Trümmer zu gehen. Den Prätendenten gegen-über stand der Edelherr Simon III., der Erbe Ottos und seit 1361 Inhaber der anderenLandeshälfte mit seinen Ansprüchen und dem festen Entschlüsse, das ehemalige Gesammt-gebiet wieder in eine Hand zu bringen. An der Spitze aller Parteien machte GrafOtto VI. von Tecklenburg die ersten Ansprüche geltend als Schwiegersohn Bernhards,so wie als Vormund seiner Schwiegermutter und deren unvermählter Tochter. Diebeiden Letzteren traten zwar im Jahre 1366 auf die Seite Simons; immer aber befandsich noch ein ansehnlicher Theil der Flerrschaft in den Händen des Grafen Otto,namentlich das Schloss Lipperode und die Herrschaft Rheda, deren Herausgabe dieserhartnäckig weigerte und Simon daher mit dem Schwerte zu fordern sich gezwungensah. 4 ) Verbündeter des Grafen Otto war der Graf Wilhelm II. von Berg und Ravens-berg, als Bundesgenosse Simons wird der Herzog Ernst II. von Braunschweig-Gruben-hagen, der dritte Sohn Emsts I., und ehemals Abt von Corvey, genannt. 5 )

Ueber die Fehde selbst sind uns nur dürftige Notizen überliefert, die noch dazuvon Preuss und Falkmann 6 ) grösstentheils widerlegt werden. Fest steht jedoch, dassder Kampf im Ravensbergischen geführt wurde, und zunächst mit der völligen Besiegung

') Sudendorf, Urkb. z. Gesch. d. Herzz. v. Braunschw. u. Lüneb., V, S. 39; Landau, Rittergesell-

schaften, S. 67, Note 2; Zeitschr. d. Vereins f. hess. Gesch. u. Landesk., N. F. XI, S. 20 u. f. 2 ) Regg.

irnp. VIR, S.456. 3 ) Lindner, Gesch. des deutschen Reiches, I, 1, S. 23, 30, 312; Botho Graf zu Stol-berg-Wernigerode, Gesch. des Hauses Stolberg v. J. 12101511, S. 132; die cit. Zeitschrift, S. 21, 22.

4 ) Falkmann, Beiträge z. Gesch. d. Fürstenth. Lippe, 1. Aufl., I, S. 166 194. Die westfäl. Provinzial-

Blätter, III, H. 4, S. 4, geben als Ursache des Kampfes Händel wegen der gräflich Sternbergischen Güteran. 5 ) Die Theilnahme dieses Herzogs an der Fehde beruht auf den Notizen, welche uns die bei Preuss

u. Falkmann, Lipp. Regg. II, S. 343 genannten Chronisten überliefert haben. Dieselbe kann nicht vordem 10. Febr. 13/0 stattgefunden haben, da der Herzog erst an diesem Tage aus der Haft der von Dal-wigk entlassen wurde. (N. vaterl. Archiv, 1831, II, S. 133; Max, Grubenhagen, I. S. 254; Havemann,1. c., I, S. 426, Note 2.) Lipp. Regg., II, S. 343.