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1 (1888) [Hauptbd.]
Entstehung
Seite
56
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der ein Sohn seiner Tochter Elisabeth aus der Ehe mit dem Herzog Ernst d. J. vonBraunschweig-Göttingen war, zu seinem Nachfolger zu bestimmen, und berief ihn zumZweck der Verhandlung über das Erbe zu sich nach Cassel. Allein durch eine angeblichbei diesem Besuche gefallene unvorsichtige Aeusserung Otto's auf der Jagd) veranlasst,nahm der Landgraf im Jahre 1367 seinen Neffen Hermann d. J. (d. Gelehrten), denSohn seines längst verstorbenen Bruders Ludwig, zum Mitregenten und Nachfolger an.Dieser war zwar Kleriker, Domherr zu Trier und Magdeburg, aber er hatte die Priester-Weihe noch nicht erhalten, und es standen somit seiner Rückkehr in den Laienstandkeine Schwierigkeiten entgegen. Durch dieses Verfahren des mütterlichen Grossvaterswar Otto's Hoffnung, einst der Erbe des hessischen Fürstenhauses zu werden, gescheitert,und er sann auf Rache. Da er auf die Unterstützung seiner weifischen Vettern nichtrechnen durfte, so vermählte er, um sich unter dem Adel in Hessen Anhang zu ver-schaffen, am 3. August 1371 seine Schwester Agnes mit dem Grafen Gottfried d. J.von Ziegenhain, welcher mit seinem Vater, dem Grafen Gottfried d. Aelt. schon 1368und 1370 die Landgrafen von Hessen befehdet hatte, 2 ) und gewann hierdurch, so wiedurch seinen offenen Hass gegen die dem Landgrafen treuen Städte die Burgherren inHessen dergestalt, dass diese sich mit ihm und der Ritterschaft in Göttingen zu jenergrossen unter dem Namen des Sternerbundes bekannten Genossenschaft vereinigten.Diesem Bunde schlössen sich den Chronisten zufolge mehr als 2000 Ritter und Knappen(darunter allein 350 Burgbesitzer) vom Rhein bis nach Thüringen, von der Wetterauund dem Gebiete des Abts von Fulda (die Buchenau) bis zur Leine und bis in dasHerz von Westfalen hinein an.

Ueber die Organisation des Bundes ist nur bekannt, dass die Genossen unterLeitung gewählter Oberen standen, mit dem Namen von Bundeshauptleuten oder Königen.Diese Stellen bekleideten besonders die Grafen von Ziegenhain, zuerst Gottfried d. Aelt.und nach dessen am 8. October 1372 erfolgten Tode sein gleichnamiger Sohn, derSchwager des Herzogs Otto. Das gräfliche Wappenzeichen, den Stern, trugen dieBundesglieder als Erkennungszeichen auf der Brust (oft nur versteckt), die Ritter vonGold, die Knappen von Silber. Einer der vorzüglichsten Werber für den Bund war derRitter Hans von Heringen, der mit andern Bundesgliedern aus den Familien Spiegelvom Desenberge, von Isenburg, von Lisberg, von Falkenberg, von Hatzfeld, von Eisen-bach u. s. w. 3 ) am 20. October 1370 des Herzogs Gast beim Turnier in Göttingen war.Ebenso waren die dort geladenen Ritter Heinrich von Stockhausen und Hermann vonBrandenfels ohne Zweifel Mitglieder des Sternerbundes. 4 ! Die Stadt Göttingen, welcheder Herzog zum Beistande zwang, sandte im Jahre 1371 durch drei Adelige, unterdenen der im Jahre zuvor ebenfalls als herzoglicher Turniergast bekannte KnappeHildebrand V. von Uslar sich befand, den Fehdebrief nach Cassel. (Reg. 298.)

Gleich darauf erhob sich offen von beiden Seiten der Krieg, und zwar mit allder dem rohen Geiste jener Zeit eigenen Erbitterung. Während Otto's Mannen mitRaub und Brand die hessischen Landschaften an der Weser, Fulda und Werra heim-suchten, begann der Landgraf, nachdem er noch am 5. October ein Turnier in Göt-tingen besucht hatte, 5 ) wahrscheinlich im November 1371 mit gegen 1000 Rittern undKnappen die Belagerung des (hessischen) Schlosses Herzberg, dessen Besitzer Friedrichvon Lisberg 6 ) im Jahre 1370 die Hälfte der von seinem Vater Berthold im Jahre 1344durch Heirath erworbenen Burg an seinen nahen Verwandten, den von Falkenberg,ohne die lehnsherrliche Zustimmung des Landgrafen überlassen hatte. Dieser beabsich-tigte nunmehr die beiden hervorragenden Mitglieder des Bundes, deren feste Burg einHauptsammelplatz der Genossen war, zu züchtigen. 7 ) Allein die Belagerung lief un-glücklich aus. Herzog Otto schickte seinen Hauptmann Breido von Rantzau zum Ent-sätze, und der ganze Sternbund rückte an, gegen 1500 Ritter und Knappen stark.

') Neues vaterl. Archiv v. J. 1828, I, S. 88; Imhof, hess. Chronik inZeitschr. f. preuss. Gesch.u. Landesk.," 18. Jahrg., S. 433; vgl. über die fragliche Aeusserung, sowie über die dem Herzog Otto d. Q.gegebene bestimmte Zusicherung auf die Nachfolge in Hessen Landau's Zweifel in dessenRittergesell-schaften in Hessen", S. 32 (1. Supplementband der Zeitschr. des Vereins f. hess. Gesch. u. Landeskunde*.

2 ) Landau, Rittergesellschaften in Hessen, S. 34, 107. 3 ) Vgl. Roth v. Schreckenstein, 1. c. I., S. 460.

4 ) Daselbst, S. 461. 5 ) Schmidt, Gotting. Urkb. I, S. 291, Note. 6) Derselbe, der im Gefolge desQuaden 1369 in Münden war. 7 ) (Landau), das Kurfürstenth. Hessen in malerischen Orig.-Ansichten.(Darmstadt, 1850), S. 372; das Haus Rantzau, Fam. Chronik, S. 83.