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1 (1888) [Hauptbd.]
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(Reg. 294) nach Gruppen abgesondert, anscheinend in der Reihenfolge, wie sie an-kamen und ihnen der Willkommentrunk gereicht wurde. In der ersten Gruppe, welcherUslar angehören, werden der Ritter Hermann XII. und seine Vettern, die KnappenHildebrand V. und Heise II. genannt; in der zweiten Gruppe die ritterlichen BrüderErnst VIII. und Johann II.; ferner die Brüder Dietrich II. und Otto I., Knappen, undschliesslich in der dritten Gruppe ein nicht genau zu bestimmender Knappe Ernst v. U.,den wir aber, da er mit Gebhard von Saldern zusammen in der Urkunde erscheint,für Ernst XI. halten möchten, dessen Tochter Margarethe mit einem aus jenem Ge-schlechte verheirathet war. (Siehe St.-T. I.) Die Urkunde sagt am Schluss,' der Rathhabe zuvor um des Herzogs Otto willen von der Laube des Rathhauses aus allen denensicheres Geleit versprochen, die zu Hofe kommen würden.

Glänzender als alle die vorhergehenden Turniere war das letzte, welches amFastnachts - Sonntag >) (24 Febr.) 1376 begann und 3 Tage dauerte. (Reg. 308.) Vonder Pracht, welche die vielen anwesenden schönen Frauen hier entfalteten, und welchegegen die durch Kriege hervorgerufene Armutli des Landes weit abstach, sagt die Ur-kunde:sie (die Frauen) waren in Purpur gekleidet mit schellenbehangenen Gürteln,die schür, schür, schür, kling, kling, kling tönten, und am Gesäss von recht weitemUmfange waren." Unter der grossen Zahl der Gäste des Herzogs werden erwähnt:die aus den beiden vorigen Turnieren uns schon bekannten Ritter Ernst VIII. undJohann II. v. U., der Ritter Hermann XII. und die Knappen Ernst VII. d. Aelt. undErnst XI. d. J. v. U., sowie Hildebrand V. v. U., die wir mit Ausnahme des KnappenErnst VII. ebenfalls schon von dem zweiten Turnier her kennen.

Ausser diesen grösseren Turnieren fanden noch am 5. October 1371 und am25. Juni 1374 kleinere Turniere in Göttingen statt, bei welchen das Gotting. Urkb. 2 )jedoch nur einige Fürsten und Grafen als Theilnehmer nennt. 3 )

In der Zeit dieser ritterlichen Spiele hatte sich unter der oberen Leitung desHerzogs Otto des Quaden und des hessischen Grafen Gottfried d. Aelt. von Ziegenhaingegen den Landgrafen von Hessen ein gewaltiger Ritterbund gebildet, eine auf bestimmteGesetze gegründete Gesellschaft, welche sich von ihrem Erkennungszeichen die Gesellschaftzum Sterne" nannte. Auf dem zweiten Turnier zu Göttingen scheint der Grund zudieser Verbindung gelegt worden zu sein, weil che Theilnehmer des Festes vom20. October 1370 zum grossen Theile dieselben sind, welche später als Mitglieder derGesellschaft genannt werden. Ja es scheint, als ob schon die Zusammenkunft, welcheHerzog Otto am 5. October 1369 zu Münden mit dem hessischen Edelherrn Friedrichvon Lisberg, einem späteren Haupte des Bundes, hatte, und welcher auch der RitterHermann XII. von Uslar und der hessische Knappe Hans von Kolmatsch beiwohnten,(Reg. 288) sie Alle waren zum zweiten Turnier nach Göttiugen geladen, derGründung des Sternerbundes galt. 4 ) Obwohl als Zweck des Bundes nur gegenseitigerSchutz gegen ungerechte Gewalt und Rechtsgewährung genannt wurden, so ging ihreigentliches Ziel doch auf Bekämpfung des Landgrafen Hermann d. J. (des Gelehrten)von Hessen aus, dessen energisches Vorgehen gegen den Adel ihm seine Feindschaftzugezogen hatte. 5 )

Der Beitritt des Herzogs Otto zu diesem hessischen Ritterbunde entsprang folgenderVeranlassung: 6 ) Der betagte Landgraf Heinrich II. (der Eiserne) von Hessen hatte nachdem kinderlosen Tode seines einzigen Sohnes und Mitregenten Otto (der Schütze, welcher1366 angeblich durch Gift starb,) che Absicht, seinen Enkel, Herzog Otto den Quaden,

I) Auch Renn-Sonntag genannt, weil an diesem Tage in den grösseren Städten Turnieregehalten wurden. Allgemein war der Fastnachts-Sonntag (Esto mihi) im Mittelalter ein Tag der Freude,von welchem an bis zur eigentlichen Fastnacht man sich, den empörendsten Ausschweifungen überliess.

(Landau, hess. Ritterburgen, I, S. 82.) 2 ) Th. I, S. 291, Note. 3 ) Das in vielen Auflagen bekannteTurnierbuch des Georg Rixner, gen. Jerusalem, pfalzgräflicher Herold und Wappenkündiger (lebte zu An-

fang und um die Mitte des 16. Jahrb.), über dessen Wertlosigkeit Roth v. Schreckenstein, Gesch. der

ehem. freien Reichsritterschaft, I, S. 133 nachzulesen ist, nennt (Th. I, S. 194, b) im J. 1481 beim

30. Turnier in Heidelberg einen Hermann Uessler, welcher um diese Zeit in beiden Uslar'schen Familien

unbekannt ist. Nur das gefälschte Chron. Huxariense in Paulhni's Syntagina, S. 90, 104 kennt zumJahre 1488 einen Hermann de Uslaria in Höxter, welcher sonst nirgends erscheint. 4 ) Landau, hess.Ritterburgen, II, S. 74. 5) Simon, Geschichte Hessens in Biographieen, III, S. 109. 6 ) Rothv. Schreckenstein, 1. c. I, S. 459 u. ff.; Landau, Rittergesellschaften in Hessen, S. 24 u. ff.; Havemann,1 c. I, S. 438 u. ff.; Annalen des Vereins für Nassauische Alterthumskunde u. Geschichtsforschung,VIII, S. 293 u. f.