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1 (1888) [Hauptbd.]
Entstehung
Seite
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fanden, ihre Geschicklichkeit in der Führung der Waffen zu zeigen und den Muth derJugend, wie ihren Sinn für Ritterehre immer lebendig zu erhalten.

Zu den Turnieren, welche Herzog Otto in der auf dem s. g. Freudenbergezu Göttingen eingerichteten Stech- und Rennbahn hielt,') fanden sich zahlreiche fürst-liche Personen, insbesondere aber der Adel des Landes ein; die Namen hat die Ge-schichte aufbewahrt. Ausserdem erschienen dabei Rathsmänner und Bürger aus denStädten der Umgegend, selbst aus Braunschweig und Cassel. Allen Turniergästenwurde von der Stadt eine Verehrung an Geld oder Wein, auch an Hafer, zu Theil.

Nur den Rittern öffneten sich die Schranken des Turniers. Die Knappen pflegtenmit leichteren Waffen an der Turniervesper (dem Vorabend) ein Gestech abzuhalten,das Vorspiel des Ritterturniers, das den folgenden Tag gegen 1 Uhr Nachmittags ge-wöhnlich den Anfang nahm. 2 ) Die Turniervögte besorgten alle Anstalten, die Ein-richtung des Platzes, die Schranken, das Geleite, die Quartiere und Lebensbedürfnisse,die Tribünen, etc. Die Herolde waren ihre Adjutanten und hatten vorzüglich dieWappenschau und Ahnenprobe 3 ) zu besorgen, auch die Turniere feierlich anzusagen,in der Regel 3 Monate zuvor. Sollten die Kampfübungen ihren Anfang nehmen, soritten die Ruhmbegierigen in die Schranken ein, die Reihen wurden geordnet, 3 Trompetenstösse die Seile fielen, und die erste Linie der Ritter rannte mitden (stumpfen) Lanzen gegen einander, um sich aus dem Sattel zu heben. Waren dieLanzen zersplittert, worüber oft Stunden vergingen, so nahm man das Schwert oderdie Kolbe, um sich die Helmkleinodien 4 ) abzuhauen. Hatten auch diese das Ihrigegethan, so kam zuletzt der Dolch, gewöhnlich das Ende vom Liede. 5 ) Einzelne fochtengegen Einzelne, Haufen gegen Haufen, und endlich die ganze Masse als echtes Sinnbildder Schlacht. Der Ritter kämpfte vor Tausenden von Zeugen aus den edelsten Ge-schlechtern, um nach dem Urtheile der Kampfrichter den Dank aus den Händen einerDame, deren Losungswort ihn im heissesten Kampfe stärkte, in Empfang zu nehmen.Der Dank bestand in schönen Waffen, goldenen Ketten, Kränzen, Sporen, etc., auchwohl in einem von dem lohnenden Fräulein selbst gefertigten Gürtel, Armband, Hand-schuh u. dgl., das der Glückliche auf seinen Helm steckte. Das non plus ultra warein Kuss Halb Ja! Halb Nein! wie man es nannte. Wer die meisten Lanzen ge-brochen, sich am längsten auf dem Pferde gehalten, ohne den Helm abzuthun, oderdas Visir nach frischer Luft zu öffnen, erhielt den schönsten Dank. Ausser dem Ritter-dank gab es aber noch Danksagung für die Turniervögte und Kampfrichter, die ihreSache gut gemacht hatten, und selbst den Zierdank wegen einer schönen Rüstung, dieden Beifall der geschmackkundigen Damen verdient hatte. Nach dem Turnier erhieltjeder vom Turniervogt seinen Turnierbrief. Jeden Abend war Tanz; wer den Dankerhalten hatte, tanzte vor und der Herold rief seinen Namen durch den Saal, wie durchdie Strassen der Stadt.

Unter den Theilnehmern an dem ersten bekannten Turniere, welches HerzogOtto der Quade am 6. Februar 1368 in Göttingen veranstaltete, 6 ) begegnen wir denuns schon aus mehreren Fehden bekannten Brüdern Ernst VIII. und Johann II. v. U., sowie einem, von seinen gleichzeitigen Namensvettern nicht zu unterscheidenden KnappenErnst (VII. oder XI. ?) v. U. (Reg. 387.) Die Urkunde erwähnt, dass unter den Gästenviele sehr schöne, in Purpur gekleidete Frauen waren, welche an ihren Gürteln klin-gende Knöpfe oder Glöckchen trugen. Ob die Uslar selbst turnierten, oder nur Zu-schauer waren, erfahren wir bei diesem Turnier so wenig, wie später. 7 )

Zahlreicher erschienen die Uslar bei dem zweiten Turnier, welches derselbeHerzog am 30. October 1370 abhielt. Die Gäste erscheinen diesmal in der Urkunde

') Jetzt befindet sich die Reitbahn der Universität an der Stelle. 2 ) C. J. Weber, das Ritter-wesen, 2. Aufl., I, S. 282 u. ff. 3 ) 3 Ahnen von väterlicher und eben so viele von mütterlicher Seilemussten bewiesen werden. (Weber, 1. c. I, S. 279.) 4 ) Auch Helmschmuck, Helmzeiehen genannt.Gewöhnlich waren es Flügel, Fahnen, Federn, Hörner, allerlei Menschen- und Thiergestalten etc. 5 ) ImJ. 1175 waren in Sachsen Ritter in Turnieren umgekommen, in Folge dessen Erzbischof Wichmannvon Magdeburg alle die in den Rann that, welche künftig ein Turnier besuchen würden. In demselbenJahre blieb auch Conrad, Sohn des Markgrafen Dietrich von Meissen, in einem Turnier; im J. 1268 auchMarkgraf Johann III. von Brandenburg (de la Curne de Sainte - Palaye, Ritterwesen des Mittelalters, II,S. 4, Note; S. 287, Note; Cohn, Stammtafeln [1871], Taf. 59, 73.) 6) Veldeek (Klippel), Göttingen undseine Umgebungen, I, S. 125 bringt fälschlich dies Turnier mit Herzog Otto's zweiter Vermählung in Ver-bindung, die erst 1379 stattfand. 7 ) Der allgemeinen Sitte nach wurde nur einer von jeder Familiezum Turnieren zugelassen; nur ein besonders berühmter Ritter machte eine Ausnahme. (Weber, 1. c. I., S. 280.)