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1 (1888) [Hauptbd.]
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I

königlichen Gebote zur Wiederherstellung des Castrum imperiale nicht nachgekommenwaren, auf das Drängen der Ritter der niedergelegten Bnrg, die Acht über die Stadt aus.

Viele vom Adel waren bereits früher von der Reichsburg herab in die Stadt ge-zogen und lebten friedlich daselbst; andere ehemalige Burgbewohner, als: die von Hagen,von Uslar, von Hanstein u. a. verbanden sich mit dem benachbarten Adel und befehdetenund beraubten so lange die Bürger, bis König Rudolf f. am 30. Januar 1290 diesewieder zu Gnaden aufnahm und die Acht aufhob. ') Die Burg brauchte nicht wiederaufgebaut zu werden.

Neben dem das ganze Fehdewesen des 14. und 15. Jahrhunderts beherrschendenHass der Ritterschaften gegen die städtischen Gemeinen mögen diese gegen Mühlhausenverübten Feindseligkeiten die mittelbare Veranlassung zu den Kämpfen geworden sein,in welche die Stadt mit den genannten Familien bis weit in das 14. Jahrhundert hineinverwickelt wurde. Von ihren Fehden mit den von Hanstein erfahren wir Näheres zwarerst um das Jahr 1330, 2 ) doch ruhten dieselben bis dahin wohl eben so wenig, wie dieFehden gegen die von Hagen, denen die Mühlhäuser ihr Dorf Rüdigershagen im Jahre1315 zerstörten, 3 ) nachdem 10 Jahre zuvor schon Reinhard von Hagen am 18. Januar1305 eine Sühne mit der Stadt geschlossen hatte. 4 )

Um dieselbe Zeit finden wir die Uslar im Kampfe mit der alten Reichsstadt.Letztere hielt den Knappen Johann von Heiligenstadt gefangen und der Ritter Her-mann VII. von Uslar mit seinem Bruder Alberich III. versprechen der Stadt in der am22. Mai 1307 geschlossenen Sühne (Reg. 161), sich wegen des ihnen durch Johannzugefügten Unrechts nicht an ihr rächen zu wollen. Näheres über die Sache erfahrenwir nicht.

Neuer Anlass zum Kampfe gegen die verhasste Stadt fand sich für die Uslar balddurch ihre Theilnahme an den Kämpfen, welche König Albrecht I. und nach dessenErmordung sein Nachfolger Heinrich VII. von Luxemburg bis 1315 zum Zweck derUnterwerfung der Landgrafschaft Thüringen für das Reich führten. 5 ) Schon auf demHoftage zu Fulda im Juli 1306 hatte Albrecht den Feldzug verkündet, in Folge dessendie verbündeten königlichen Städte in Thüringen nachdrücklicher gegen den MarkgrafenFriedrich (den Freidigen) 6 ) und dessen Bruder Diezmann (Dietrich) auftraten, welchenoch beim Leben ihres Vaters, des alten Landgrafen Albrecht (d. Entartete, stirbt 1314)sich Thüringens zu bemächtigen suchten. Im Juni 1307 zog der König ein Heer in derNähe von Frankfurt zusammen, um das Land gegen die genannten Söhne des Land-grafen zu behaupten, musste jedoch nach vielen Verwüstungen, ohne seinen Zweckerreicht zu haben, wieder abziehen, und bevor er seinen versprochenen neuen Feldzugunternehmen konnte, fiel er durch Meuchelmord am 1. Mai 1308. Leicht wurde es nundem Markgrafen Friedrich, dessen tapferer Bruder Diezmann schon am 10. Decbr. 1307ermordet war, sich der Landgrafschaft zu bemächtigen und sich darin festzusetzen.Dabei konnte es nicht fehlen, dass sein auf Machterweiterung gerichtetes Bestreben mitden nach Selbständigkeit ringenden Städten oft feindlich zusammentraf. Mit Erfurtgerieth er schon 1308, wahrscheinlich wegen der, der Stadt übertragenen vormalsorlamündischen und hohensteinschen Güter in Ichtershausen, in Streit, und Mühlhausen,das sich vom Markgrafen in Recht, Ehre und Freiheit angegriffen fühlte, schloss sichgegen das Versprechen einer Flülfe von 250 Reitern nebst 510 gewappneten Schützendurch das Bündniss vom 8. Juli 1308 an Erfurt an. 7 ) Bundesgenosse des MarkgrafenFriedrich war sein Schwager, der Herzog Heinrich I. (der Wunderliche) von Braun-schweig - Grubenhagen, 8 ) welchem anscheinend die Städte Mühlhausen und Nordhausenspeciell zur Befehdung überwiesen waren und an dessen Seite die (in den Regesten163, 164, 171 und 174 genannten) Uslar sich an dem Kampfe gegen den König und dieihm verbündeten Städte betheiligt zu haben scheinen.

x ) Böhmer, 1. c. II, S. 145; Grasshof, 1. c. S. 179. In demselben Jahre (1290) zerstörte König

Rudolf I. 70 Raubschlösser. (Senckenberg, Select. II, S. 594.) Kirchhof, Erfurt im 13. Jahrh., S. 121 nennt

etwa 66 Raubburgen, die in der Fastenzeit 1290 zerstört wurden. '-) Urk. Gesch. der von Hanstein,

II, S. 74. 3 ) Max, Gesch. d. Fürstenth. Grubenhagen, I, S. 133; Wolf, Gesch. d. Geschlechts v. Har-denberg, I, S. 39. *<) Herquet, 1. c. S. 245. *>) Förstemann, Lessers hist. Nachrichten von Nord-hausen, S. 272; Michelsen, die Landgrafschaft Thüringen unter den Königen Adolf, Albrecht u. Heinrich VII.,

S. 19 u. ff.; Lambert, die ältere Geschichte u. Verfassung der Stadt Erfurt, S. 94 u. ff. 6 ) Er nannte

sich zur Unterscheidung von seinem Vater gewöhnlich der jüngere Landgraf. 7 ) Grasshof, 1. c. S. 138;

Frantz, 1. c. S. 48; Herquet, 1. c. S. 268. 8 ) Förstemann, 1. c. S. 276.