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1 (1888) [Hauptbd.]
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Und weil der Väter Eintracht wich,Gebeugte Feinde regten sich:

Leicht ist's, mit den Entzweiten,"Frohlockten sie,zu streiten."

Und jetzt gesprengt ist beider Thor,Und mordend steigt der Feind empor,Er schwingt die SiegesfahneDa treten sie zum Altane.

Und dichte Haufen zogen baldHerauf durch beider Berge Wald,Zurück in ihre GleichenDie Brüder mussten weichen.

Wohl haben sie sich verstanden.

Das erstemal sie grüssen sichVon Herzen laut und brüderlich;Den Speer in hohen Händen,

Sie dachten wohl an des Vetters Wort,Doch fochten sie im Streite fort,Sie hatten im SchwertertönenNicht Zeit sich zu versöhnen.

Sie winken mit den Augen hell,Sie werfen ihre Speere schnell,Die in den Lüften sausendDurchkreuzen hoch sich, brausend.

Auch ist umringt schon beider Burg,Und keiner kann zum andern durch,Zusammen konnten sie siegen,

Allein muss jeder erliegen.

Und jeder trifft des andern Herz,Sie winken und sinken ohne Schmerz;Da fangen an zusammenDie Burgen aufzuflammen.

Und spät im tiefen Schutt und SandDie Leichen man beisammen fand;Sturmwolken trieb der Winter,Ein Spätroth stand dahinter.

Die sonst bekannten Sagen, für welche ich eine historische Unterlage nicht habefinden können, lasse ich ohne weitere Erläuterungen hier folgen:

1) In der Vertiefung (senke) zwischen den beiden Gleichen ist ein Brunnen, dermit der Garte in Verbindung stehen soll. Eine Ente, welche man hinein gesetzt hatte,kam, wie erzählt wird, ganz ohne Federn in der Garte wieder zum Vorschein. ')

2) Von dem Wasserspiegel des Brunnens auf der Burg Plesse aus soll ein unter-irdischer Gang nach den Gleichen geführt haben. 2 )

3) In dem Reinhäuser Walde, etwa eine halbe Stunde von dem Dorfe Rein-hausen, liegt das Klausthal. Oben am Ende desselben steht der s. g. Hurkuzstein, 3 ) einFelsen, worin eine stubenhohe Höhle ausgehauen ist. Dieser Felsen hat seinen Namenvon einem Einsiedler, Namens Hurkuz, der darin lebte und starb. Früher hatte er aufden Gleichen gelebt und hier einst von dem Burgherrn den Auftrag erhalten, ein Kindumzubringen und dasselbe auch wirklich ausgesetzt, so dass er es todt glaubte. Späterergriff ihn die Reue über diese That; er verliess die Gleichen und siedelte sich in demKlausthale an, wo er sich in dem Felsen, von wo aus er gerade auf die Gleichen sehenkonnte, diese Höhle ausgehauen hat. Lange Jahre lebte er hier, ihat Busse und kasteitesich bis zum Ende seines Lebens. Auch sein Grab hatte er selbst im Felsen ausgehauenund legte sich, als er den Tod nahe fühlte, hinein und starb. 4 )

4) Ein Schäfer, der an den Gleichen hütete, fand einst einen Büschel weisserBlumen von grosser Schönheit und steckte sie an seinen Hut, Alsbald erblickte er eineOeffnung, die in den Berg hinein führte. In der Höhle aber war eine weisse Jungfrau,die ihm winkte hereinzukommen. Er folgte ihrem Winke und ging hinein. Drinnenstanden grosse Fässer voll Geld, und dabei lag ein grosser Hund. Die Jungfrau winkteihm wieder, er möchte sich von dem Gelde nehmen. Er that das auch und legtedabei seinen Hut auf eins der Fässer. Als er hinausgehen wollte, rief ihm die Jungfrauzu, er möge das Beste nicht vergessen; doch er verstand dies nicht, dachte dabei andas Geld und liess die Blume liegen. So wie er aus der Höhle heraus war, verschlosssich der Berg und er konnte die Oeffnung niemals wieder finden. 5 )

5) Ein Hüne wohnte auf dem Hohen-Hagen; dieser wollte einst einem andern,der auf den Gleichen wohnte, das Fenster im Thurm einwerfen. Zu dem Ende nahm

1) Schambach u. Müller, 1. c. S. 3. 2) Voigt, Bruchstücke aus dem Geschichts- u. Sagenkreise

der Ritterburg Plesse, S. 7. 3) Hurkuzen bedeutet niederhocken, sich verkriechen. Schambach u.

Müller, 1. c. S. 4, 326. 5 ) Daselbst, S. 87.