— 43 —
Von beiden einst so slolzen Burgen ist jetzt nicht viel mehr vorhanden. DerOber-Baurath Mithoff 1 ) liefert uns von der Beschaffenheit ihrer Ueberreste in der Zeitvor 1873 folgende Beschreibung: 2 )
Die Ruine von Altengleichen (in der Nähe von Appenrode) zeigt von einem, einstIG bis 25 Schritt im Lichten messenden Hause einen Mauerrest am südlichen Berg-abhange mit drei kleinen rechteckigen Fenstern, nach Nordosten aber eine etwa 1, ms Meter(4 Fuss) starke, 10 ,52 Meter (36 Fuss) hohe Mauerecke mit einer Kaminröhre, einigenConsolen und Löchern für zwei Balkenlagen, einer Thür und einem Fenster. 3 ) Ausser-halb der Einfriedigungsmauer steht für sich ein Stück hohen Gemäuers von runder Form,wohl den Ueberrest des 1793 noch vorhanden gewesenen Thurmes 4 ) bildend. DasMauerwerk besteht aus plattenartigen Bruchsteinen in festem Kalkmörtel. Gross ist dieBurgfläche nicht. In der Urkunde vom 6. Mai 1379 (Reg. 319) wird auch einer Vor-burg und eines Grabens gedacht, und aus dem erzählten Ueberfall des Schlosses Alten-gleichen durch landgräflich hessische Soldaten im Jahre 1545 geht hervor, dass solchesein grosses Thor und eine Nothpforte hatte. Aus einer Erzählung über die versuchteErmordung Wedekind's IL von Uslar und seiner Söhne 5 ) lernen wir auch eine Wendel-stiege dort kennen und erfahren, dass der Schlossgraben, über welchen eine Brückeführte, zur Zeit dieses Mordversuches trocken war. Von dem durch kein glaubhaftesDocument nachgewiesenen Heisenhause, welches Ritter Henrich (Heise) von Kerstlin-gerode mit seiner Gemahlin Beate, Dietrichs v. U. Tochter, bewohnt haben soll, 6 ) findensich auf Altengleichen ebenso wenig Spuren, wie von der dort im Jahre 1390 (Reg. 364)gestifteten und noch 1487 (Reg. 827) vorhandenen Gapelle in honorem S Christophori.
Auf der anderen, nach Gelliehausen hin gelegenen Ruine von Neuengleichen siehtman den Rest eines Hauses, das etwa 16 Schritt im Lichten lang und halb so breitwar. Von der Nordwand steht wenig, die südliche Mauer dagegen in ganzer Längeund zum Theil in einer Höhe von 5 ,84 Meter (20 Fuss). Sie enthält ein Thor zumEinreiten und eine Thür daneben, beide mit Ueberwölbung im Stichbogen, und überletzterer eine Reihe von Vertiefungen für die Köpfe einer Balkenlage. Gegen Osten undWesten fehlen die Umfassungen; die Nordwand erstreckt sich in der Richtung nachOsten noch an 5,84 Meter (20 Fuss) weiter fort und ist mit einer Reihe quadratischerVertiefungen versehen. Der Südwand des obigen Hauses war ein anderes vorgebaul,welches, nach dem geringen Umfange des Burgraumes zu schliessen, nur unbedeutendgewesen sein kann. Der felsige Gipfel des Berges, welcher die Ueberreste dieser Burgträgt, ist übrigens so steil, dass man nicht begreift, wie es möglich war, zu Pferdezu ihr hinauf zu gelangen.
Aus dem Saalbuch und Erbregister des Amtes und Hauses Neuengleichen 7 ) istersichtlich, dass einst am Schlosse ein offener Baumgarten sich befand und ausserdemein Park, worin Hopfen gezogen wurde. Beide waren 1578 bereits wüst, so dassletzterer um diese Zeit nur noch vom Schlosspförtner als Krautgarten genutzt werdenkonnte.
Von der uns aus dem Jahre 1435 (Reg. 588) bekannten Gapelle zu Neuengleichen,welche vor der Burg gestanden haben soll, 8 ) finden sich keine Ueberreste mehr. 9 )
Beide Burgen blieben später unter braunschweigischer, bezw. hessischer Hoheit.Durch Vertrag vom 16. October 1815 wurde Neuengleichen (unter hessischer Hoheit
') In „Kunstdenkmalen u. Alterthümern im Hannoverschen," II, S. 65. — 2 ) Vom Verfasser in
einigen Punkten berichtigt und vervollständigt. — 3 ) Diese Mauerecke legte der Sturm vom I. Juni 1886 nieder.
— 1) Der Thurm, dessen in dem Prozesse wegen Ermordung Heinrichs von Bodenhausen in den Jahren1535 und 1536 gedacht wird (Stammtafeln der Familie von Bodenhausen, S. 180), soll (nach „Thüringenu. der Harz mit ihren Merkwürdigkeiten etc.," II. S. 205; Gottschalck, Ritterburgen etc, III, S. 4) imJ. 1800 zusammengestürzt sein. Da am 9. Novbr. dess. J. ein gewaltiger Sturm durch halb Europawüthete, der viele Zierden von Ruinen vernichtete (Gottschalck, 1. c. IX, S. 188), so scheint dies richtiger,
als die Angabe bei Wallis, der Göttinger Student, S. 68, der den Einsturz in das Jahr 1803 setzt. —
5) Specht, Stammbuch cit. Seite H, 6; Heise, Antiq. Kerstling., S. 240 (rect. 140). Das Ereigniss fällt in
das zweite Decennium des 16. Jahrhunderts. — ®) Vgl. S. 31, Note 2; auch Reg. 27 und Heise, 1. c.
S.2I, Note; S. 235 (rect. 135). — ?) Im Akten-Archiv der Herrschaft Plesse (Staatsarchiv zu Hannover).—
8) Gottschalck, Ritterburgen, III, S. 10. — 8) Abbildungen der Schlösser und Ruinen Gleichen finden sichbei Merian, Topographie der vornehmsten Schlösser etc. im Herzgth. Braunschweig zu S. 92; Merian,
Topographie von Hessen; Scheffer gen. Dilich, hess. Chronik (1605), I, S. 156 u. 157; Görges, vaterl.Gesch. der Vorzeit (1. Aufl. 1843), I, S. 326; (2. Aufl. 1881), II, S. 427; Wallis, der Göjtinger Student(1813), S. 68. Grössere Abbildungen haben Riepenhausen und Besemann in Göttingen geliefert.
6*