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1 (1888) [Hauptbd.]
Entstehung
Seite
42
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zeitigen Besitzer, Ludolf und sein Bruder Melchior v. U. herab in die umliegendenThäler und erbauten in den ihnen gehörenden Orten Wöllmarshausen, Sennickerode,Wake etc. Amtshäuser. Altengleichen mit der dazu gehörenden Capelle soll von ihnendaneben noch immer in Dach und Fach erhalten sein.')

Aus dieser Zeit erfahren wir noch, dass die Richter und Schöffen der von Plesse deren letzter, Dietrich IV., am 22. Mai 1571 den plessischen Mannesstamm be-scliloss, 2 ) am zweiten Tage ihrer, in jedem Quartal abzuhaltenden drei Gerichtstagesich entweder hinter dem Kloster Steina unter der Linde, oder im Meierhause zu Gleichenversammelten, um über die Meier und Einwohner des Klosters Steina und des DorfesAngerstein Rügegericht zu halten. 3 )

Ob beide Schlösser Gleichen, wie Havemann 4 ) ohne Quellenangabe meint, im30jährigen Kriege zerstört wurden, oder ob die Einwirkungen der Zeit sie wüst gelegt,ist schwer zu bestimmen. Die Schicksale, welche die Umgegend von Göltingen in denDrangsalen der Jahre von 1623 bis 1626 erfuhr, scheinen auf den ersten Blick derAnnahme einer gewaltsamen Zerstörung günstig. Im erstgenannten Jahre kam nämlichTilly ins Land, bemächtigte sich am 6. Juli des Schlosses Friedland 5 ) und legte beiseinem Abzüge am 12. Juli Grossen - Schneen, Reifenhausen, Barterode und Jühnde inAsche. 6 ) Ihm folgte im September 1625 Wallenstein mit einem Einfalle in das AmtFriedland und der Plünderung und Verbrennung der Dörfer um Göttingen. Was erverschonte, zerstörten Abtheilungen von Tilly's Armee, welche im October desselbenJahres vor Göttingen erschienen. Nach der Zerstörung Mündens (30. Mai 1626) erschienendlich Tilly mit einem starken Heere selbst vor Göttingen und liess bis zur Gapitulationder Stadt am 1. August kein Dorf oder Haus in der Umgegend unabgebrannt. 7 ) DieseVerwüstungen in Verbindung mit der Angabe von Rommel's, 8 ) derzufolge noch im Mai1622 Landgraf Moritz (d. Gelehrte) von Hessen die Gleichen gegen den Durchmarschligistischer Truppen unter dem bairischen General Grafen von Anholt besetzte, 9 ) lässtschliessen, dass wenigstens Neuengleichen im Jahre 1622 noch unzerstört war und erstin den folgenden Kriegsjahren der Brandfackel Tilly's oder Wallenstein's mit den meistenBurgen um Göttingen zum Opfer fiel.

Dennoch fehlt es nicht an berechtigten Zweifeln für die Richtigkeit dieser Annahme.Zunächst das Schweigen des Chronisten Specht, der sein Uslar'sches Familienbuch 1636herausgab und der als Zeitgenosse ein so wichtiges Ereigniss anzuführen schwerlichversäumt haben würde. Hiergegen ist die Parteinahme des unzuverlässigen PastorsHeise, 10 ) der erst 1724 schrieb, für die Zerstörung der Burgen im 30jährigen Kriege, vonkaum zu beachtendem Werth. Sodann das Fehlen jeder Andeutung in der Zeit- undGeschieht-Beschreibung von Göttingen, die doch sonst in der Aufzählung der Zer-störungen aus jener Zeit so gewissenhaft ist. Endlich ein Schreiben des Pfandbesitzersvon Neuengleichen, Wilke d. Ä. von Bodenhausen, vom 6. Januar 1573, u ) worin dieserdem Landgrafen von Hessen berichtet, die Mauern dieses Schlosses seien gerissen undes selbst so baufällig, dass es über kurz zusammenfallen könne. Er schlägt vor, ausdem Material des Schlosses einen Neubau in seinem Wohnsitz Wittmarshof aufzuführenund bittet um Besichtigung der Localitäten durch Sachverständige. Mag dem Folgegegeben sein oder nicht, immer wird man schliessen müssen, dass das Schloss, welchemschon 1573 der Einsturz drohte, 50 Jahre später nur noch in seinen Trümmern vertheidigtwerden konnte. Ob Schloss Altengleichen durch grössere Festigkeit länger erhalten bliebund erst vor den katholischen Heeren des grossen deutschen Krieges in Trümmer sank,ist nicht festzustellen.

') Heise, Antiq. Kerstling., S. 245 (rect. 145). 2) Sonne, Beschreib, des Kgr. Hannover, I, S. 169;

Max, Gesch. d. Fürstenth Grubenhagen, I, S. 373 u. a. 0. 3 ) Wenck, hess. Landesgesch., II, Abth. 2,

S. 866. 4) Gesch. der Lande Braunschweig und Lüneburg, III, S. 28, Note 2. 5) Rehtmeier, braunschw.-

lüneb. Chronik, S. 1263. 6 ) Zeit- u. Gesch.-Beschreib, v. Göttingen, 1, Buch 1, S. 175 u. f.; Wolf, Har-

denberg, II, Urkk.. S. 294. ') In den Jahren 1625 u. 1626 commandirte in Göttingen Georg v. Uslar,

Oberstlieutenant, und sein Bruder Friedrich Moritz, Rittmeister, gegen die Katholischen. Der hieraus im

Feuilleton des Hannov. Tageblatts (Nr. 262i vom 22. Septbr. 1864 gezogene Schluss, Tilly habe ausRache gegen sie die Burgen auf den Gleichen niedergebrannt, beruht lediglich auf Vermuthung.

8 ) Neuere Gesch. von Hessen, III, S. 426, Note. 8 ) Es kann nur Neuengleichen als hessisches Besitz-

thum gemeint sein. l8 ) Antiq. Kerstling., S. 245 (rect. 145). ') Akten-Archiv der Herrschaft Plesse,

prov. Nr. 231 im Staatsarchiv zu Hannover.