Druckschrift 
1 (1888) [Hauptbd.]
Entstehung
Seite
24
Einzelbild herunterladen
 

nannte, J ) nach dem Tode des Propstes Sibold das dem heil. Christoph geweihte Stiftmit Zustimmung seiner Miterben in ein Benedictinerkloster, setzte den helmershäuserMönch Reinhard als ersten Abt darin ein und verordnete, dass das Patronatrecht dar-über immer dem Aeltesten aus seiner Familie zustehen und nie einem Anderen zu Lehngegeben werden sollte. Alles was Piermann I. in der Feldmark Reinhausen besass,wandte er dem neuen Kloster zu, schenkte ihm den Zehnten des ganzen Orts, den erdurch Tausch erworben hatte und gab seinen Dienstleuten und Hörigen die Freiheit, vonihren Lehngütern Verwendungen zum Besten des Klosters zu machen. Den BischofReinhard von Halberstadt ersuchte Graf Hermann um die Einweihung in der Hoffnung,dass derselbe zu der Ausstattung des neuen Gotteshauses reichlich beisteuern werde.Indessen schenkte dieser nur zwei kleine Gehölze, welche er früher von Gerold (vonImmenhausen) gekauft hatte. 2 ) Vom Erzbischof Adelbert I. von Mainz erwirkte Her-mann I. am 13. December 1111 die Bestätigung seiner neuen Stiftung. Aus der dar-über ausgestellten Urkunde, deren Echtheit nicht unbestritten ist (Reg. 4 mit Note 18)erfahren wir, dass auch die montes Liehen cum silvis adjacentibus (ut dei ecclesiaepotius, quam rapinae pauperum inserviant, wie es in der Urkunde heisst) mit denübrigen in der Urkunde erwähnten grällichen Botirungen Eigenthum des neuen Klosterswurden. Bald darauf zog sich Graf Hermann 1. von Winzenburg auf seine Stamm-güter in Baiern (Oberpfalz) zurück und starb dort im Jahre 1122. 3 ) Abt Reinhard sahsich nun genöthigt, das Schirmrecht über das Kloster einem gewissen Degenhardvon Bodenhausen') gleichsam als einem Stellvertreter des Stifters zu übertragen, derindessen nicht im Stande war, dasselbe wirksam zu schützen, so dass Vieles von denKlostergütern verloren ging, die Mönche oft Mangel litten und Abt Reinhard von demgefassten Entschlüsse, seine Stelle aufzugeben, nur durch den Wunsch des HerzogsHeinrich zurückgehalten wurde.

Unter denen, welche das Kloster bedrängten, zeichnete sich besonders ein ge-wisser Bruno von Gelingehusen aus, ein Fremdling in der Provinz, von dem Abt Rein-hard nicht weiss, woher er kam, welcher die beiden dem Kloster geschenkten BurgenGleichen ohne Rechtstitel für sich in Besitz nahm. (Reg. 6.) 5 ) Ebenso maassteReinhard von SLockhausen sich den Klosterwald bei Diemarden an. Unter soschwierigen Verhältnissen glaubte Graf Hermann II. von Winzenburg (i ) die vorgenannten,von seinem verstorbenen Vater bei der Umwandlung des Stifts Reinhausen in ein Klostergetroffenen Bestimmungen nicht zu übertreten, als er mit Einwilligung seines BrudersHeinrich (Graf von Assel) an Stelle der mainzischen Lehen des am 27. April 1144 7 )ohne lelmsfähige Erben verstorbenen Grafen Siegfried IV. von Bomeneburg und Homburg- des Letzten der Grafen von Northeim 8 ) welche der Erzbischof Heinrich I. vonMainz den Brüdern am 27. November 1144 ertheilte, die beiden Klöster zu Reinhausen

I) Die Benennung ist unstreitig von dein Stainmsclilosse Windeberg, Windsberg in Baiern her-

genommen. (v. Wersebe, Beschreib, der Gaue zwischen Elbe, Saale etc., S. 183; Koken, Winzenburg, S. 19;

0. v. Heinemann, Gesch. von Braunschw. u. Hannover, I, S. 197, doch mit Berücksichtigung der Be-richtigung am Ende dieses Theiles.) 2 ) Nach dem Bericht des Abts Reinhard und den in der Urk.von 1111 (Reg. 4) citirten Quellen; Koken, Winzenburg, S. 23. Da Bischof Reinhard von Halberstadt am

27. Febr. 1123 starb (Zeitschr. des Harz-V., 1879, S. 424), so widerlegt sich die Angabe des ChronistenNicolaus von Syghen, s. Seite 22, Note 7), wonach das Kloster Reinhausen unter dem Papste lnnocenz 11.(1130114-3) errichtet sein soll. 3 ) Mon. Boica, IV, S. 128. 4) Ein Teginhardus (Thechinhardus) deBudinhusen erscheint 1130 (Leibniz, SS. RR. Brunsv. I, S. 701). Ohne Geschlechtsnamen: 1135 (Scheidt,Mant. doc. S. 304); 1145 (Stammtafeln der von Bodenhausen, S. 2). 5) Vielleicht nannte er sich nachseinem Wohnsitze in Gelinge oder Gellinge, dem jetzigen Güllingen a. d. Wipper, s. w. von Franken-hausen in Thüringen. Darauf hin deutet das Erscheinen eines Bruno von Gelingehusen in einer (zuRusteberg ausgestellten?) Urkunde dieser Gegend vom J. 1186, worin Bruno Ansprüche auf Klostergüterin Bischofsroda (n. von Nordhausen) erhebt, in deren Besitz er sich anscheinend gewaltsam gesetzthalte, auf die er jedoch in Folge Intervention des Erzbischofs Conrad 1. von Mainz gegen Entschädigungverzichtet. (Stumpf, Acta Magunt. sec. XII, S. 102; Will, Regg. zur Gesch. der Mainzer Erzbischöfe, 11,

S. 73; Möller, urkundl. Gesch. des Klosters Reinhardsbrunn, S. 37.) Dem Dorfe Gelliehausen wird er denNamen gegeben haben.') Geb. um 1105, Markgraf von Meissen 1124 bis 2. Juni 1129 (vgl. die inNote 3 (Seite 23) citirte Tabelle). Er und sein Bruder Heinrich nannten sich nach ihren anderen

Schlüssern auch Grafen von Plesse und von Asleburg (Asle). (Asseburger Urkb. I, S. 8 u. die in der Note 1

auf S. 25 citirte Urk. aus de Gudenus.) ') Nicht 1145, wie die Zeitschr. des hist. V. f. Nieders. 1876,

S. 162 will. Siegfried IV. war bereits am 27. Novbr. 1144 todt. (Vgl. die in der Note 1 auf S. 25 citirteUrk. aus Gudenus.) 8) Der allgemeinen Annahme, den Grafen Siegfried IV. als den Letzten seinesGeschlechts anzusehen, widerspricht das Erscheinen eines Grafen Conrad von Bomeneburg als Zeuge ineiner erzbischöflichen Urkunde vom J. 1171 bei Bodmann, Rheingauische Alterthümer, S. 757.