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1 (1888) [Hauptbd.]
Entstehung
Seite
23
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Reinhausen und Liehen. Der Abt, der die Genealogie der Reinhausen-Gleichen'schenund der damit eng liirten Winzenburg'schen Familie, soweit sie nicht seiner eigenenErinnerung angehörte, offenbar nach mündlichen Berichten niederschrieb, nennt "diesebeiden GrafenBrüder", eine Angabe, welche bei genauer Prüfung sich als unhaltbarerweist.') Es lebten allerdings zwei so benannte Brüder als Ahnherren des ReinhäuserGrafengeschlechts, von denen der eine, Elli I., aus einer Urkunde 2 ) vom Jahre 966(9G5?) bekannt, der andere, Ezike 1. (oder Ekkehard) schon vor 1011 ohne Erben ge-storben ist. Von diesen Brüdern mag der Abt Reinhard gehört und zugleich erfahrenhaben, dass Mathilde die Tochter eines Elli war. So machte er sie zur Tochter desElli I., während sie in Wirklichkeit den durch mehrere Geschlechtsreihen von diesemgetrennten Elli II. (geb. um 1010) zum Vater hatte. 3 ) Von Elli II. ist kein Bruder be-kannt, es kann daher die Angabe des Abts, laut welcher der Ezike der Urkunde nachdem frühen Tode seines einzigen Sohnes seine Güter dem Kloster Helmershausenschenkte, um so sicherer auf Ezike I. bezogen werden, als dieser mit seiner GemahlinMathilde im Jahre 1000 jenes Kloster gestiftet hatte. 4 )

Elli II. pflanzte den Stamm fort; er hinterliess vier Söhne und zwei Töchter.Die Jüngste, Richenza, wurde von einem Edelmanne, Gerold von Immenhausen, heimlichentführt und heirathete nach einer kinderlosen Ehe mit ihm den Grafen Poppovon Blankenburg; die andere, die schon erwähnte Mathilde, heirathete den baierischenGrafen Meginhard von Formbach und Windeberg (den Stammvater der Grafenvon Winzenburg), der wahrscheinlich im Jahre 1066 in Baiern starb. 5 ) Die SöhneElli's II. hiessen Konrad, Heinrich, Hermann und Udo. Konrad's Tochter, Beatrix,heirathete Udalrich I. von Warpke und starb nach 1111 an einem 11. April. 6 ) Heinrichstarb zwischen 1097 (?) 7 ) und J.103 8 ), vier Kinder hinterlassend, von denen Meinhardund Piligrim vermuthlich im Jahre 1097 am Hoflager zu Würzburg getödtet wurden, 9 )Udo schon vor 1103 starb, 10 ) Adelheid Aebtissin zu Stederburg und Eilika 11 ) Aebtissinzu Ringelheim -wurde. Elli's dritter Sohn Hermann starb, anscheinend unvermählt, vor1111; der Jüngste endlich, Udo, wurde Canonicus zu Hildesheim und bestieg durch denWillen Heinrichs IV. dort 1079 den bischöflichen Stuhl. 12 ) Mit ihm erlosch am19. October 1114 das Reinhäuser Grafengeschlecht im Mannesstamme.

Unter diesen Umständen hatten die drei weltlichen Brüder in Verbindung mitihrer Schwester Mathilde beschlossen, den verlöschenden Glanz ihres Hauses wenigstensdurch eine fromme Stiftung zu verewigen, und weiheten unfs Jahr 1090 13 ) den bis-herigen Stammsitz ihres Geschlechts zu Reinhausen (unde originem duxerant" sagt derAbt Reinhard) nebst allen dazu gehörigen Gütern, Einkünften und Rechten (also auchmit den Gleichen) zu einem Ghorherrnstift daselbst, und weil der Stifter vier waren,so bestellten sie vier Chorherren (Canonici), denen sie einen gewissen Sibold als Propstvorsetzten. Wahrscheinlich im Jahre 1111 (Reg. 4) verwandelte Hermann L, Mathildensältester Sohn, der in der Erbtheilung seiner mütterlichen Oheime Reinhausen erhaltenhatte, und sich nach der von ihm erbauten Burg bei Alfeld auchGraf von Winzenburg"

') Vgl. A. Cohn'sBeiträge zur älteren deutschen Geschlechtskunde" in: Forschungen zur deut-

schen Geschichte, VI, S. 529 u. f.; S. 544 u. f. 2 ) Bei v. Mülverstedt, Regesta archiep. Magdeburg., I,

S. 74, Nr. 18U. 3 ) Vgl. die geneal. Tabelle zu S. 584 bei A. Cohn inForschungen zur deutschen Ge-

schichte", VI. 4 ) Annal. Saxo, S. 045; Heppe, Kirchengesch, beider Hessen, I, S. 08. 5 ) Zeitschr. d.

hist. V. f. Nieders. 1874/75, S. 263; Koken, Winzenburg, 8. 20. 6 ) Dieselbe Zeitschr. S. 318, 331. Auch

die in Note 3 citirte Tabelle. ') 1097 nach der Schenkungs-Urkunde Kaiser Heinrichs IV. für das Bis-

thum Paderborn bei Schaten, Annal. Paderb. I, S. 445; dieForschungen z. deutschen Gesch. VI, S. 551,Note 2; S. 561", welche die Urk. für verdächtig halten, haben das Jahr 1098; bei Lindenbrog, SS. RR.

Germ, septentr. S. 42 erscheint Heinrich zuerst 1064 als Graf im Leinegau. 8 ) Seinen vor 1103 er-folgten Tod bezeugt Reg. 1; damit zu vergleichen: Koken, Winzenburg, S. 13; doch ist hier 1103 statt1106 zu lesen (vgl. die Quellen zum Reg. 1; auch Lüntzel, Gesch. d. Diöc. u. Stadt Hildesheim, 1, S. 269.)

9 ) Nach dem Bericht des Abts Reinhard, der auch erzählt, dass die Brüder in Reinhausen begraben.Ueber die Richtigkeit des nicht vom Abt genannten Jahres 1097 siehe Koken, Winzenburg, S. 13, Note.

I0 ) Dieser Graf Udo blieb dem Abt Reinhard unbekannt. Nach Reg. 1 und der Erläuterung beiSchräder, ält. Dynastenstämme etc. S. 236, 1, war er im J. 1103 bereits todt. u ) Stirbt am 4. Septbr.eines unbekannten Jahres nach 1103. (Vaterl. Archiv, 1840, S. 97.) 12 ) Garns, Series episc. S. 281.13 ) Das Jahr der Stiftung giebt Reinhard zwar nicht an, da er aber um 1111 Abt des Klosters wurde,und in seiner Erzählung klagt, dass gewisse Güter, die das Stift Hildesheim in Anspruch nähme, derReinhäuser Kirche schon 20 Jahre vor seinem Amtsantritte gehört hätten, so wird die Fundation etwa

in's Jahr 1090 fallen, oder doch nicht lange hernach. (Wenck, hess. Landesgesch., II, 2, S. 692, Note t;vgl. die Urk. v. J. 1103 bei Lüntzel, bäuerl. Lasten im Fürstenth. Hildesheim, S. 254 und deren Er-läuterung bei Lüntzel, Gesch. der Diöc. und Stadt Hildesheim, I, S. 269 u. f.)