Familie von Uslach, auch in der Form Uslait, Uslayth, Uzlaht, Uslacht u. s. w. vor-kommend, gemeint ist, J ) in welcher der Name Heinrich nicht ungewöhnlich war. 2 )
Die weitere Forschung wird darthun, dass die Erwerber der Gleichen aus derUslar'schen Familie ganz andere waren, und dass alle von den Chronisten angegebenenJahre der Erwerbung falsch sind. 3 )
Beiläufig mag noch einer neueren Untersuchung über die Entstehung der thürin-gischen Burg Gleichen gedacht werden, worin der Verfasser 4 ) zu beweisen versucht,dass diese ihre Gründung einem reichen Dynastengeschlechte, bei welchem der NameBiso oder Busso üblich war, zu verdanken habe, welches aus unbekannten Gründenbereits im 10. Jahrhundert seinen Wohnsitz von der sächsischen Grenze nach Thüringenverlegte, hier die Burg Gleichen erbaute, sich auch nach ihr nannte und in der zweitenHälfte des 11. Jahrhunderts wieder erlosch. Urkundlich steht allerdings fest, dass einGraf (Gaugraf) Biso zwischen 882 und 884 oder zwischen 942 und 946 in Giebolde-hausen eine Kirche gründete, die er lauf Stiftungsurkunde 5 ) aus den Steinen von denMauern und Thürmen seines dortigen Schlosses erbaute; alles aber, was der Verfassersonst für seine Ansicht geltend macht, gründet er wesentlich auf die Angaben vonChronisten, deren geringes Maass von Glaubwürdigkeit bezüglich der Geschlechtsnamenin einer Zeit, wo die Urkunden solche noch nicht kennen, an anderer Stelle (S. 93) be-sprochen wird. Wenn nun der Verfasser (am Schluss des § 3 seiner Betrachtung) garden Versuch macht, das Geschlecht des Grafen Biso im 9. Jahrhundert auf unsereGleichen zu versetzen, und zur Unterstützung seiner Meinung u. a. anführt, dass es einälteres Schloss Gleichen gegeben haben müsse, weil die Brüder Hans und Ernst vonUslar im Jahre 1451 ihr Schloss Neuengleichen an Hessen verkauften, so hätte es nureiner oberflächlichen Einsicht der Uslar'schen Urkunden bedurft, um den Verfasser zuüberzeugen, dass bereits viel früher (Reg. 177) die Schlösser Alten- und Neuengleichenneben einander genannt werden. Von Gieboldehausen, wo noch heute die Sage anden Grafen Biso erinnert, 6 ) mag er oder ein anderer aus seinem Geschlechte nachThüringen gezogen sein, es geschah aber nicht von den Gleichen aus, die, wie wir gleichsehen werden, im 9. Jahrhundert schwerlich schon bewohnt waren.
Wir verlassen hiermit das Gebiet der Sage und betreten den Boden der Geschichte.
Urkundlich werden unsere Gleichen bei Göttingen erst gegen das Ende des11. Jahrhunderts erwähnt, und zwar als eine Besitzung der Grafen von Reinhausen(Reinehuson) und Gleichen (Liehen), Gaugrafen im Leinegau. Die älteste Nachricht überdieses reiche und mächtige Geschlecht hat uns Reinhard, der erste Abt des KlostersReinhausen, 7 ) in einem, in Form einer Urkunde wahrscheinlich kurz nach 1152 ge-schriebenen Berichte über die Stiftung und Ausstattung seines Klosters überliefert (Reg. 6),der für um so zuverlässiger zu halten ist, als seine Angaben nicht nur gleichzeitig sind,sondern auch mit den sonst bekannten Urkunden 8 ) in fast allen Punkten überein-stimmen. Nach dieser Urkunde, die der Abt zur Beseitigung etwaiger Zweifel unterdem abteilichen Siegel ausstellte, 9 ) bewohnten die Grafen Eziko und Elle die Schlösser
4 ) Vgl. Wyss, hess. Urkb., I, Register, S. 568. — 2 ) Landau, Rittergesellschaften in Hessen.Urkb. S. 193; Sudendorf, Urkb. z. Gesch. der Herzz. v. Brschw. u. Lüneb., VII, S. 78; Schmidt, 1. c., II,Register, S. 481; Lotze, Gesch. von Münden, S. 311. — 3 ) Der gelehrte Wenck, hess. Landesgesch. II, 2,S. 696, Note z, hält die Erwerbung im J. 1211 durch eine besondere Uebereinkunft mit dem KaiserOtto IV. für möglich, während Lubecus, Chronik von Göttingen (Mscpt. Biblioth. zu Göttingen) zwischen1204 und 1221 schwankt. (Näheres bei v. d. Knesebeck, Urkk. u. Regg. der Frhrn. v. Uslar-Gleichen,S. 5 u. f.) — 4 ) In „Mittheilungen des Vereins für die Geschichte etc. von Erfurt", VI, S. 1 u. f. —Ä ) Wolf, Denkwürdigkeiten von Gieboldehausen, S. 1 u. ff.; Beilagen S. 6; derselbe, eichsf. Kirchen-gesch., S. 30; Leuckfeld, Antiq. Gandersh. S. 139. — 6 ) „Graf Isang" bei Harrys, Volkssagen etc. Nieder-sachsens, I, S. 1, 8; Görges, vaterl. Geschichten der Vorzeit, 1. Aufl. I, S. 16; 2. Aufl. II, S. 429; Duval,Eichsfeld. S. 43, 507. — 7 ) Früher Mönch in dem Benedictinerkloster Helmershausen a. d. Diemel. lebteer über 50 Jahre (etwa seit 1111) am Fusse der Gleichen und starb hochbetagt nach 1168. Nach demBerichte des Chronisten Nicolaus von Syghen (der nach der Zeitschr. des Vereins f. thür. Gesch. u.Alterthumsk., VIII, S. 98 von 1467—1495 Mönch im Peterskloster zu Erfurt war) über ihn und dasKloster Reinhausen (in: „Neue Mittheilungen aus dem Gebiete historisch-antiquarischer Forschung", IX,
1, S. 29) war er auch Propst in Helmershausen. — 8) Bei Leibniz, SS. RR. Br. I, S.' 703 u. f.; Orig.
Guelf., III., S. 505; Leyser, Hist. com. Eberstein., S. 85, wo jedoch das Jahr der Urk. in 1148 zu ver-
ändern ist. Sonstige Erzählungen über die Geschichte der Gleichen finden .sich bei Wenck, 1. c., II, 2,
S. 690; Wolf, pol. Gesch. d. Eichsf., I, S. 153; Rommel, (ältere) Gesch. v. Hessen, I, S. 219; Gottschalck,
Ritterburgen u. Bergschlösser Deutschlands, III, S. 5; Görges, 1. c., 1. Aufl., I, S. 327; 2. Aufl., II, S. 426;
Hannov. Magazin v. J. 1837, S. 392; Dorenwell, Nieders. Volksbuch, II, S. 101 u. f.; u. a. O. — t 1 ) Orig.
im Staatsarchive zu Hannover; vgl. die sonstigen in Reg. 6 citirten Quellen.