Druckschrift 
1 (1888) [Hauptbd.]
Entstehung
Seite
21
Einzelbild herunterladen
 

gl

Pfalzgraf Gleichen und Mühlberg an das Erzstift Mainz, ] ) welches die Grafen vonTonna damit belehnte. Diese blieben als Grafen von Gleichen bis zum Aussterben ihresGeschlechts im Jahre 1631 im Besitz der Burg.

Die Forschung eines Historikers 2 ) will freilich nach einer chronikalen Nachrichteinen Grafen Erwin von Gleichen aus dem Geschlechte der Grafen von Tonna schon imJahre 1116 kennen, und setzt danach die Erwerbung des thüringischen Schlosses in dieZeit von 11131116, allein der Verfasser vergisst, dass die Annalisten häufig dem ihnenbloss mit dem Vornamen Erwin vorkommenden Grafen den NamenGleichen" beilegten,weil sie wussten, dass dieser der Familie angehörte, deren Glieder zu ihrer derAnnalisten Zeit Grafen von Gleichen hiessen. In Urkunden und diese alleinkönnen als vollgültiger Beweis angezogen werden führt Graf Erwin vor 1162 denNamen eines Grafen von Gleichen nicht.

Nun wäre es allerdings möglich, dass auf unseren Gleichen im Leinegau eineSeitenlinie der thüringischen gräflichen Familie gewohnt hätte, wie solches auf demEichsfelde thatsächlich der Fall war, wo eine Linie jener Grafen das Schloss Gleichen-stein erbaut und sich danach zum Unterschiede von ihren thüringischen Verwandtende Glichenstein" oderGlichen de Glichenstein" genannt hat. 3 ) Aus diesem Geschlechteverkaufte Graf Heinrich von Gleichen am 13. November 1294 zu Fritzlar seine castraGlichenstein, Scharfenstein und Birkenstein, sowie Alles, was deutsches Eichsfeld genanntwird, für 1100 Mark feinen Silbers und 500 Mark freiberg. Silber an den ErzbischofGerhard II. von Mainz und die Mainzer Kirche. 4 ) Wäre ein analoges Verhältnissbezüglich der Gleichen im Leinegau denkbar, so müssten die alten Urkunden, wie wirmit Wolf 5 ) schliessen, über das Erscheinen der Grafen, wie über ihren Besitz in jenerGegend vor 1208 öfters Auskunft geben. Allein man findet bis zum 8. Februar 1306in der Gegend von Göttingen keine Spur von ihnen. Erst an diesem Tage verkauftGraf Heinrich von Gleichen offenbar der vorgenannte Verkäufer mit Bewilligungseiner Söhne dem Kloster Walkenried drei in der Göttinger Feldmark gelegene Hufen,goldene Hufe" genannt, für 6 Mark feinen Silbers. 6 )

Ganz unwahrscheinlich ist auch die Behauptung der Chronisten, dass die GrafenLambrecht und Ernst von Gleichen wegen der Ungnade Otto's IV. im Jahre 1208 umden Besitz der sächsischen Schlösser gekommen sein sollen. Beide hatten sich allerdingszur Partei seines Gegenkönigs Philipp von Schwaben gehalten, allein es muss, wennnicht schon früher, so doch gleich nach der am 21. Juni 1208 geschehenen ErmordungPhilipps, als Kaiser Otto den ruhigen Besitz des Reiches antrat, eine Aussöhnung statt-gefunden haben, da ohne diese schwerlich Graf Ernst den Kaiser im folgenden Jahreauf seinem Römerzuge begleitet haben würde, 7 ) und Graf Lambrecht sich wohl nichtbei dem mit Otto verbündeten Erzbischof Siegfried II. von Mainz auf dem Rustebergeaufgehalten hätte (Reg. 14), und zwar um dieselbe Zeit, als der Erzbischof den Kaiserbat, seine Schlösser Gleichen schleifen zu lassen. (Reg. 15.)

Endlich ist auch der Ritter Heinrich von Uslar, welchem die Chronisten dieErwerbung der Gleichen zuschreiben, und dem sie den für jene Zeit höchst seltsamenTitel eines Ober-Berghauptmanns des Harzes 8 ) und Kriegsrathes beilegen, eine in denUrkunden völlig unbekannte Persönlichkeit. Es erscheint zwar später ein Ritter Heinrichvon Uslar als Zeuge in Urkunden für das hessische Cisterzienserkloster Haina (sonstAulisberg), allein schwerlich gehörte dieser unserer Familie an, obwohl er bei seinemersten Erscheinen im Jahre 1243 (Reg. 69) übereinstimmend in den Quellen miles Hen-ricus de Uslar genannt wird. Schon 1252 schwanken die in Reg. 78 citirten Quellenzwischen Heinricus de Uslar und Heinricus de Uslait., und 1265 wird er in einer Ur-kunde 3 ) nur noch miles Pleinricus de Uslach genannt, Beweis genug, dass hier keinUslar, sondern in Folge eines Schreibfehlers ein Mitglied der ausgestorbenen hessischen

1) v. Heinemann, Cod. dipl. Anhalt. 1. S. 203. 2 ) InMittheilungen des Vereins f. d. Gesch. etc.

von Erfurt", VI, S. 7. 3) Duvai, Eichsfeld. S. 278, 281. 4) Gudenus, Cod. dipl. Mogunt.. I, S. 887;

Wolf, 1. c.. I, S. 133; Urkb. S. 47; Max, Gesch. des Fürstenth. Grubenhagen, II, S. 380. 5 ) Polit. Gesch.

d. Eichsf. I, S. 152. 6 ) Schmidt, Gotting. Urkb. I, S. 52; Walkenrieder Urkb. II, S. 44; Zeit- u. Gesch.-

Beschreib, von Göttingen, II, S. 92. 7 ) Wolf, 1. c., I, S. 150, 153. 8 ) Havemann, Gesch. der Lande

Braunschweig u. Lüneb. (v. J. 1837/38), I, S. 132 verwandelt ihn zeitgemässer in einenVogt" des Harzes.

9 ) Bei Kopp, hist. Nachricht der Herren von Itter, S. 205.