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1 (1888) [Hauptbd.]
Entstehung
Seite
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Ob die älteste bekannte Uslar'sche Schenkung, welche die Edelfrau Luthridis Iin Uslar, die muthmassliche Gemahlin des Ritters Ernst III. v. U., in der Zeit zwischen1.210 und 1230 der Kirche in Lippoldsberg macht, indem sie bedingt, dass aus den Ein-künften der geschenkten Hufe in Dransfeld ein ewiges Licht am Altare des heil. Mär-tyrers Georg brennen solle, gleichen Zwecken diente, lässt die Urkunde (Reg. 16) nichterkennen. Ebensowenig ist der Zweck einer Stiftung aus dem Jahre 1358 h Reg. 258)ersichtlich.

Von sonstigen Stiftungen für kirchliche Zwecke ist uns aus älterer Zeit die vonden Familien von Uslar und von Kerstlingerode im Jahre 1390 gemeinschaftlich voll-zogene Stiftung einer Capelle auf Altengleichen überliefert (Reg. 364), sowie 1451 dieSchenkung eines Uslar'schen halben Zehntens an das Kloster Reinhausen zum Kirchen-und Klosterbau. (Reg. 689.)

Alle diese Stiftungen, an welche nicht selten die Abhaltung von Messen undVigilien geknüpft war, gingen bei Säcularisation der Klöster verloren. Nur über ein inunserer Familie von den Rittern Heidenreich und Heinrich IV., sowie von den KnappenHermann IX., Hans III. und Dietrich I. am 25. April 1342 gestiftetes Legat hat einunsichtbarer Schutz gewaltet und es durch alle Stürme der Zeit über ein halbes Jahr-tausend bis auf den heutigen Tag erhalten.

Die genannten Uslar setzen in der Stiftungsurkunde (Reg. 218) den Rath derStadt Uslar zum Verwalter über eineSpendehufe" genannte Hufe Landes, deren Er-träge der Nutzniesser zu einer jährlichen (ihrem Betrage nach nicht angegebenen) Armen-spende verwenden, auch zum Seelenheil ihrer Vorfahren und Nachkommen jährlich anvier Abenden Vigilien halten und folgenden Tags Messe singen lassen soll. Dessert sichdas Gut, so soll sich auch die Spende bessern, und wenn der Nutzniesser säumig wird,so soll die Hufe einem andern gegeben werden, worüber zu wachen der jedesmaligeRath auf die Ritte der Uslar sich verpflichtet.')

Dieser unter dem NamenSpennewei" in Uslar bekannten Stiftung gemäss, be-kommt noch gegenwärtig jedes Stadtkind, welches am weissen Sonntage auf das Rath-haus geht, ein Weizengebäck. Die Sage fügt hinzu, dass einst die Uslarer Rathsherrendiesen Spennewei zu halten vergessen hatten, oder in Wegfall bringen wollten. Daerschien eine weisse Taube in der Stadt, welche beständig rief:Spenne, Spenne."Von dieser Himmelsbotin erschreckt, führten die Rathsherren den Spennewei wiederein. Nach einer anderen Darstellung kam eine Henne mit ihren Küchlein auf den Rath-haussaal und lief den Rathsherren beständig zwischen den Beinen umher, ohne dass esdiesen möglich gewesen wäre, sie zu vertreiben. Kein Küchlein wurde beschädigt. Dieswar die Aufforderung, den Spennewei wieder herzustellen. 2 )

Die bedeutendste Stiftung, welche die Uslar'sche Familie aufzuweisen hat, ist dievon Hans V. v. U. und seinen Vettern, den Brüdern Ernst XIV. und Hans VII. v. U.,im Jahre 1460 vollzogene Reinhäuser Hospitalstiftung.

LIans V. war schon lange zuvor aus dem weltlichen Stande in den geistlichenübergetreten, denn schon im Jahre 1442 (Reg. 642) finden wir ihn wohnhaft in Rein-hausen. Seine genannten Vettern folgten ihm als Mönche anscheinend 1454 dorthin,nachdem sie in diesem Jahre ihr letztes Besitzthum, das Dorf Mackenrode, demselbenLandgrafen Ludwig I. (dem Friedfertigen) von Hessen verkauft hatten (Reg. 722),welcher kaum drei Jahre zuvor (1451) auch ihr Schloss Neuengleichen käuflich er-worben hatte. (Reg. 695.)

Das Kloster Reinhausen war schon sehr in Verfall gerathen 3 ), als die erwähntenBrüder und Vettern dort am 13. Juli 1460 (Reg. 746) zu ihrem und ihrer VorfahrenSeelenheil dem Abt und Convent des Klosters zwei von ihnen dicht am Zaune desKlosters erbaute Gebäude überwiesen, zu welchen das Kloster den Grund und Bodenhergegeben und gefreiet hatte. Das eine Gebäude war zum Hospitale, das andere zum

') Der in der Feldmark Allershausen links am Wege nach Bollensen gelegene, 21/ 2 Morgen grosse

Spendeacker ist derzeit vom Magistrat zu Uslar an einen Bauer in Allershausen verpachtet. (Mittheilungdes Hrn. Pastor Harland in Schönhagen bei Uslar.) 2 ) Zeitschr. d. hist.. V. f. Nieders., 1878, S. 97.

3) Es wurde zwar 1543 noch einmal reformirt, verfiel aber dann immer mehr, so dass der letzte Mönch,Petrus Frecht, 1574 abziehen musste. Dann kam es pfandweise in verschiedene Hände, bis im Jahre 1583die Güter dem Fiskus anheim fielen. (Wolf, Gomment. II. de archidiac. Nortun., S. 61; Leuckfeld, Antiq.Bursfeld., S. 130; Mithoff, 1. c., II, S. 180.) Nur die alte Kirche und ein Flügel des Kreuzganges sindnoch erhalten.