— 384 —
amerikanischen Handels-Compagnie, der gleichzeitig Jäger war, und eines jungen Golden,der die russische Sprache begriff und als Dolmetscher dienen sollte, reiste Baron Wrangeilam 2. (14.) Januar 1859 mit drei Schlitten, von denen jeder acht Hunde zum Vorspannhatte, ab, geradenwegs in die Urwälder und Einöden.
Der festgefrorene Amur-Strom diente meistens als Weg, was die Heise sehr er-leichterte.
Genächtigt wurde wochenlang im Schnee, dann und wann in der Jurte einesWilden, gegessen aus dem Kessel der Hunde, die mit getrocknetem Lachs (Jukala), derabgekocht wird, gefüttert werden.
An Fisch und Wild war nie Mangel. Die Gegend war sehr unsicher, da diePekinger Regierung den Traktat von Aigun noch nicht anerkannte und die mandschurischenBeamten sich äusserst bemühten, die halbwilden Nomadenstämme gegen Russland aufzu-reizen. von Wrangeil war daher gezwungen, die Reise als Kleinkrämer, der Messer, Spiegelund Stoffe gegen Zobel- und Fuchsfelle eintauschte und bei den Wilden meistens einwillkommener Gast war, zu unternehmen.
Im Februar langte von Wrangeil in Habarowska, einer neu angelegten Stadt an derMündung des Ussuri-Stromes an, ruhte dort einige Tage aus und setzte die Reise fort, jedochjetzt bereits mit Pferden, denn von Habarowska an befanden sich nach je 50 bis 100 Kilo-metern schon neu angelegte Ansiedelungen, aus einigen Blockhäusern bestehend.
Baron Wrangell musste noch einen Abstecher in die mandschurische Stadt Aigunmachen, um den chinesischen General-Gouverneur (Dzian-Dzün) zu sprechen. Nach einemZeitraum von drei Monaten langte von Wrangell mit dem General-Gouverneur GrafenMurawjew-Amiu'sky, den er unterwegs traf, in Irkutsk an. Kaum ausgeruht, schickteihn der Graf mit wichtigen, soeben aus Peking eingegangenen Papieren als Staatscourieran den Kaiser. Nach einer Tag und Nacht dauernden Courierreise von 27 Tagen,wobei 6000 Kilometer Landweg zurückgelegt wurden, traf von Wrangell in St. Pe-tersburg ein und fuhr direct in das Winterpalais. In der Folge trat von Wrangellganz in den Dienst des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten. Im Jahre 1861wurde er Secretär des russischen General-Consulats in Bukarest.
Sein Chef war damals N. von Giers, der gegenwärtige Leiter der russischen Politik.Unter der Leitung dieses ausgezeichneten und gediegenen Mannes, mit dem von Wran-gell seit jener Zeit eng befreundet geblieben, lernte er den diplomatischen Dienst kennen.
Der Posten in Rumänien war damals einer der schwersten infolge des Pro-tectorats der fünf Grossmächte, von denen eine gegen die andere intriguirte. Im General-Consulat concentrirten sich auch alle bulgarischen und serbischen Angelegenheiten.
Hier wurde Baron AVr angell für besondere Auszeichnung im Jahre 1863 vomKaiser zum Hofkammerjunker ernannt. Nachdem er mehrere Reisen in die Nachbar-länder und Siebenbürgen unternommen und sein Chef als Gesandter nach Persien versetztworden, reiste Baron AVr angell, nachdem er Urlaub erhalten, nach Schwalbach, wurdedort vom anwesenden Kaiser Alexander H. empfangen und als Legations-Secretär nachKopenhagen gesandt, wo er gleichzeitig mit dem Grossfürsten - Thronfolger CzarewitschNicolaus eintraf.