Druckschrift 
1 (1887)
Seite
229
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Nun ritt der Feldmarschall in Begleitung des Commandanten und anderer Stäbs-Offiziere selbst vor den Zwinger und liess den Meuterern unter ernstlicher AnspracheGnade anbieten, wenn sie ohne Verzug ihre Verschanzung verlassen und die Anstifter aus-liefern würden. Zwei der hauptsächlichsten Rädelsführer liefen vor, warfen sich dem Feld-marschall zu Füssen, Hellten ihn um Gnade und erhielten sie auch, worauf der ganze Haufedie Verschanzung verliess und im Gewehr und mit brennenden Lunten in die grosse Schanzevor dem Brückentliore zog. Der Feldmarschall begab sich in Begleitung des Comman-danten dorthin und erliess den Befehl, die Gewehre niederzulegen, welchem auch sofortFolge geleistet wurde. Die Rädelsführer wurden hierauf auf das Stockhaus gebracht.Bei dem noch an demselben Tage abgehaltenen Kriegsgericht wurden 27 derselben alsErzrebeilen bezeichnet und zum Stricke verurtheilt. Man knüpfte zunächst vier Mann auf,sieben andere mussten loosen, wer von ihnen als der fünfte gehängt werden sollte; denübrigen schenkte der Feldmarschall das Leben. Die Mannschaft liess man aufs neueTreue schwören, worauf sie in ihre Quartiere entlassen wurde.

Beim Abgange des Feldmarschalls von Schweinfurt am 22. October schenkte ihmder Magistrat ein Trinkgefäss in Gestalt eines Greifes, 220 Thaler werth, wogegen erder Stadt ein Gegengeschenk mit einer dänischen Halbkartaune machte. In Nürnbergerliess der Feldmarschall ein Verbot, das in Schweinfurt Vorgefallene in den Zeitungenzu besprechen.

Endlich wurden am 9. Februar 1650 die letzten Tractate zu Nürnberg unter-zeichnet. Am 2. April nahm von Wrangel von Nürnberg Abschied und kam am 6. Aprilzu Wasser in Schweinfurt an, von wo er am 8. April mit Gemahlin und Kindern nachWürzburg aufbrach. Hier Avird er gut empfangen und tractirt, auch giebt man ihm zuEhren Feuerwerk und Comödie. Am 11. April kamen aus dem Stifte Würzburg vierzigWagen nach Schweinfurt, um die zahlreichen Effecten des Feldmarschalls und andererStabspersonen wegzuführen, und am 17. April zog von Wrangel selbst ab; seine Ge-mahlin mit der noch, hier befindlichen Hofdienerschaft folgte am 19. April.

Unweit Verden, avo der Feldmarschall am 12. Mai anlangte, entliess er die Leib-Compagnie zu Pferde, die Dragoner-Compagnie und die Compagnie Polacken und reducirtedas Leib-Regiment auf sechs Compagnien.

Am 27. Mai brach jedoch von Wrangel, der die Stelle des Generalissimus inNürnberg bei einigen eingetretenen Schwierigkeiten ersetzen sollte und daher vondiesem zurückgerufen wurde, wieder nach Schweinfurt auf, jedoch ohne grosses Gefolge,und traf am 17. Juni ein. Die Gemahlin des Feldmarschalls blieb zurück. 1 )

Diesmal wurde der Feldmarschall vom Rathe zu Schweinfurt bewirthet, Nachdemalles noch hier befindliche Geschütz (eine Halbkartaune, zwei Achtpfünder, einige Feuer-mörser und gegen 26 Wagen mit Granaten, Feuerbällen, Blei und anderer Munition) ab-

i) Um sicli von dem grossen Tross des Feldmarschalls ein Maros Bild zu machen, möge folgende Notiz Aufnahme linden. DerSt ah und Unterstab bestand aus: dem Feldmarschall, ZAvei Generale:;, neun höheren Beamten des Stahes. Ausserdem befanden sich dieGemahlin, zwei Kinder und die ganze Dienerschaft hei dem Feldmarschall, so dass sich im ganzen 175 Personen und 331 Pferde heimStahe befanden. Der Hofstaat des Feldmarschalls seihst bestand aus 106 Personen exclusive Pagen männlichen Geschlechts, sotvie aus21 weihlichen Personen. Aber auch die übrigen Herren vom Stahe und Unterstehe hatten ein entsprechendes Personal und in dem-selben Verhältniss auch die übrigen Stabs-Offiziere.