— 226 —
gen. Von hier aus unternehmen die Schweden Streifparteien, welche sich bis vor Münchenund Regensburg erstreckten und ihnen auch Beute einbrachten. Namentlich fügten siedem Lande dadurch unermesslichen Schaden zu, dass sie Pferde und sonstiges Vieh mitsich fortführten.
Piccolomini marschirte unterdessen langsam von einem Ort zum andern, bis erdenn am 24. September (4. October) nach München kam; von Wrangel dagegen rücktüber Freising und Haimhausen nach Dachau, wo er am 22. September (2. October) ein-trifft und in der grössten Gefahr schwebt gefangen zu werden. Turenne lagerte eineStunde davon.
Hier in Dachau ereignete sich nämlich die oft erzählte, sogar besungene, soge-nannte Hirschjagd bei Dachau, 1 ) die das letzte gelieferte Gefecht von einiger Be-deutung in diesem Kriege war und auch für die Sittengeschichte einiges Interesse bietet.
In dem von Morästen umgebenen Walde zwischen München und Dachau, un-weit des Dorfes Feldmacliiugen, hegte der Kurfürst die stattlichsten Hirsche. DerFeldmarschall von Wrangel, der ein Waidmann sondergleichen war, liess in der Ab-sicht, sich dem Vergnügen der Jagd hinzugeben, am 25. September (5. October) die Ge-hege durch Soldaten in grosser Anzahl umstellen, mit 600 Reitern aber die Land-zunge vor dem Gehölz besetzen, so dass er unter dem Schutze von 16 Schwadronenwohl gegen jede Störung in der Befriedigung seiner Leidenschaft sich gesichertwähnen konnte.
Johann de Werth, welchem das Stattfinden dieser Jagd bekannt geworden,beschloss, sich an ihr zu betheiligen; er befahl zu dieser Expedition die besten Reiteraus den einzelnen Regimentern auszusuchen, sammelte sie, liess Mäntel und Futter-säcke ablegen, und trabte sodann mit den Reitern, begleitet von Enkevort, dem Jagd-revier zu. In tiefer Stille, durchaus unerwartet, fielen sie auf das Regiment, welchesdes Waldes Zugang hüten sollte. Die Hüter wurden auseinandergesprengt, bevor die Ge-nerale, die in das Waidwerk vertieft waren, auch nur eine Ahnung von der Gefahr er-langt hatten.
Unbeschreibliche Bestürzung ergriff die in ihrer Lust gestörten Herren, die beidenGebrüder von Wrangel, Turenne, Douglas und andere Cavaliere. Carl Gustav vonWrangel gebot augenblicklichen Rückzug, den er durch Aufstellung von 140 Dragonernin vortheilhafter Position an einem Wasser zu decken wähnte. Aber ungestüm setzteJohann de Werth mit dem linken, Enkevort mit dem rechten Flügel durch den Bach;die Dragoner wurden umringt und niedergehauen, bevor sie zu ihren Pferden kommenkonnten. Darauf galt es von Wrangeis Leib-Regiment, welches als das hintersteden Rückzug decken sollte; es wurde mit bedeutendem Verluste gesprengt, sein Oberst-lieutenant getüdtet. Das Gleiche widerfuhr auch den nächsten Schwadronen. Zwischendem Morast und den Feinden eingeengt, würde die ganze Schaar wohl schwerlich dem
!) Welches Aufsehen diese sogenannte Hirschjagd von Dachau damals erregt hat, geht daraus hervor, dass man dieselbe sogarbildlich darstellte. Im Vordergründe des Gemäldes sieht man den sich schnell entfernenden, nach den Feinden umsehenden Feldmarschallvon Wrangel am Rande des Morastes mit Turenne, eine Flinte haltend; neben ersterem liegt ein verendeter stark aufgesetzter Hirsch;hinter dem Feldmarschall der lichte Wald, in welchem die Seinen üborfallen worden und viel Handgemenge stattfindet. RheinischesKünstler-Album 1852; Theatrum Europaeum.