210 —
ziehen. Nach Versicherung der Pässe über den Böhmer-Wald marschirte er über Meissenan die Saale und liess von einzelnen Streifcorps bis nach Schlesien hinein Contributioneneintreiben.
Während nun von Wrangel über Gera nach Jena und Kahla geht, um die Armeesich „refrechiren" zu lassen, rückt der Erzherzog nach Wunsiedel, die Bayern ziehensicli nach Bayreuth und die Kursachsen nach Gebessen.
Den 28. April ward die Vollmacht von Wrangeis als Feldmarschall mit 17 000Thaler jährlichem Gehalt ausgestellt. Die Königin Christine theilte ihm dies durch eineneigenhändigen Brief mit.
von Wrangel hatte sich im April nach Dingelstädt, in der Richtung nach derWeser zu in Marsch gesetzt, um mit Hilfe der Landgräiin von Hessen Höxter zu erobern,dann das Land zwischen Elbe und Weser sammt Westfalen vollends zu bezwingen und amUnter-Rhein zu Turenne zu stossen, der jetzt noch nicht eingetroffen war. Am 18. (28.) Aprilwurde Höxter eingeschlossen und am 24. April (4. Mai) genommen, x ) nachdem aus zweiBatterien eine grosse Bresche gelegt worden. Ein jetzt von den Belagerten versuchtesParlamentiren wurde vom Feldmarschall von Wrangel abgeschlagen •— die Stadtmusste sich auf Gnade und Ungnade ergeben. Der Commandant mit den Offizieren undSergeanten wurden unter Bedeckung nach Hamm escortirt, die Unteroffiziere und Ge-meinen — 600 Mann — bei den Schweden unterstellt, die Schanzen und Stadtmauer aberniedergerissen.
Danach nahmen die Schweden noch mehrere in dieser Gegend liegende Ortschaften,"qp am 15. Mai auch Paderborn, dessen Hornwerk vor der Oster-Pforte innerhalb acht Stunden
durch Batterien niedergelegt wurde. Aehnlich erging es Stadtberge. Die Stadt ging inFlammen auf; die älteste Kirche Westfalens, die Karl der Grosse erbaut und Leo III.eingeweiht hatte, wurde von den Hessen in die Luft gesprengt.
von Wrangel zog nun nach Darmstadt, während Königsmarck die Eroberungvon Lemgo und Pyrmont fortsetzte. Als endlich die Nachricht eintraf, dass TurenneAnfang Juni bei Bacharach über den Rhein gehen wolle, brach von Wrangel nachMarburg auf, zog den 5. (15.) Juni Königsmarck, welcher inzwischen mit seinen 8000Mann im Bremenschen stark gebrandschatzt und die Stadt Bremervörde nach harterGegenwehr genommen hatte, bei Wetzlar an sich. Turenne's Ankunft am Rhein ver-schob sich indessen, und so Avar von Wrangel vorläufig wieder auf sich angewiesen.Er geht daher nach Kirchhain zurück, nimmt das Schloss Gleichberg und erobert Amöne-burg, dessen Befestigung er vollständig schleifen lässt. Bei Kirchhain bezieht er ein festesLager und zieht am 7. (17.) Juli Bennighausen an sich. /Im weiteren erobert er Hom-berg a. d. Ohm und rückt am 18. Juli dem Feinde bis Giessen nach.
Anfang August befinden sich beide feindliche Armeen in der Wetterau stillliegend:die Schweden zu Lollar (eine Meile oberhalb Giessen) und um Heuchelheim, die Kaiser-lichen um Kloster Ilmstadt, eine Meile von Friedberg, die Bayern zu Burggrafen-Roda; am 28. Juli hatte sich Turenne mit den Schweden vereinigt und letztere dadurch
i) Näheres üher die Einschliessnng und Einnahme von Höxter ist zu finden in: .,Theatruin EuropaeunW.